Neben Elektronikprodukten für Endverbraucher spielten Zukunftstechnologien auf der Consumer Electronics Show eine große Rolle – in diesem Jahr neben der virtuellen Realität vor allem Roboter und Heimautomation.

Die Technikmesse zum Jahresbeginn ist vorbei. 175.000 Besucher trafen auf 3.800 Aussteller. Ein neuer Rekord, für den das Messegelände der Wüstenstadt längst nicht mehr ausreichend ist. Ganze Themenbereiche sind inzwischen ausgelagert in die Kongressareale der riesigen Casino-Hotels, das komplette Thema Smart Home findet sich beispielsweise im Sands Expo & Convention Center, das zum Venetian-Hotel gehört. In Kombination mit fehlendem Nahverkehr bedeutet das für die Besucher neben spannenden Produkten vor allem Stau und Verkehrschaos. Doch der Stress ist längst passé: Viel zu spannend sind die neuen Trends, die hier eingeläutet werden. Neben Themen wie Smartphones und TV, über die wir schon berichtet haben, ging es in diesem Jahr vor allem um Roboter, Automation, die virtuelle Realität und sogar ein bisschen um die Zukunft des Automobils.

Roboter: Optisch menschlicher, aber funktional noch sehr begrenzt

Bei Robotern denken wir automatisch an Science-Fiction-Filme. Humanoide Helferlein, die zweibeinig durch die Welt laufen und ihren Besitzern im Alltag helfen. Davon sind wir in der Praxis leider noch weit entfernt, aber ein Trend ist in diesem Jahr ganz offensichtlich: Roboter bekommen immer menschlichere Züge. Sie erhalten niedliche Gesichter und Augen, was die Hemmschwelle bei der Benutzung senken soll. Besonders viel können sie leider aber noch nicht. Der von Bosch vorgestellte Kuri beispielsweise soll zwar beim Hüten von Kindern und beim Betreuen von alten Menschen helfen, hat aber letztlich nicht mehr zu bieten als Kamera, Lautsprecher und Mikrofon. Auch die von LG vorgestellten Roboter, die künftig beispielsweise an Flughäfen Auskunft geben oder Reisende zu ihren Gates begleiten sollen, sind aktuell nicht mehr als fahrende Computer mit Display und Kamera – nur jetzt eben irgendwie niedlich.

Ob Roboter tatsächlich die Zukunft sind? Wenn es nach LG geht, schon.
Roboter wie diese sollen künftig beispielsweise an Flughäfen für Auskunft sorgen. Neu ist in diesem Jahr vor allem, dass die Helferlein durch ihre Augen menschliche Züge bekommen. (© 2017 Daniel Schräder/techstage.de)

Autonome Drohnen als Paketzusteller und selbstfahrende Autos

In der Luft hingegen geht Funktionalität vor Optik. Während sich Kamera-Drohnen-Marktführer DJI auf der CES darauf beschränkt, seine aktuelle Mavic Pro in einer weiteren Farbvariante anzubieten, zeigt beispielsweise Mercedes mit seiner Konzeptstudie „Vision Van“, wie die fliegenden Drohnen künftig Pakete ausliefern könnten. Auf dem Dach eines Elektro-Lieferwagens geparkte Drohnen entnehmen dabei die auszuliefernden Pakete über eine Ladeluke. Kein ganz neues Konzept, aber in Kombination mit einem emissionsfrei fahrenden Transporter, von dem aus die Pakete über ebenfalls abgasfrei und autonom fliegende Drohnen verteilt werden, eine spannende neue Idee.

Drohnen auf dem Lieferwagen sollen auch im Stau die Lieferung rechtzeitig ans Ziel bringen.
Der von Mercedes Future Car getaufte Van trägt zwei Drohnen für die autonome Paketzustellung auf dem Dach. (© 2017 Sven Hansen/heise online)

An diversen Ständen und im Außenbereich gab es den aktuellen Stand der Entwicklung zum Thema „selbstfahrendes Auto“ zu sehen. Bei BMW parkten Autos fahrerlos ein und aus und Protoypen fuhren selbstständig über den nahe gelegenen Highway, während Grafikkartenspezialist Nvidia an künstlicher Intelligenz für autonome Fahrzeuge arbeitet und gemeinsam mit Audi bis 2020 entsprechende Autos auf die Straße bringen möchte.

Smart Home wird intelligenter, Virtual Reality günstiger

Schon zeitnah werden wir auch stärker mit Automation im Heimbereich zu tun haben. Immer bessere Sensoren und Aktoren, die auf Bewegung, Berührung oder Sprache reagieren und damit Lampen schalten und dimmen, die Temperatur regeln oder Musik- und TV-Berieselung steuern, kommen auf den Markt. Die beste Nachricht dabei: Zunehmend besser eignen sich die neuen Produkte für Nachrüster. Simple „Glühbirnen” werden schlau, integrieren Funkstandards, Dimmer, WLAN-Repeater, Lautsprecher oder Überwachungskameras. Die Installation wird einfacher, weil sie stärker in Smartphone-Ökosysteme integriert sind, und zuverlässiger, weil sie ihre Funksignale gegenseitig verstärken. Und dank offener Standards kommunizieren die Produkte verschiedener Hersteller in Zukunft hoffentlich auch besser miteinander.

Auch in 2017 wird das Thema Virtual Reality vorangetrieben.
VR-Headsets gab es von weiteren Herstellern zu sehen, wie hier am Stand des chinesischen Herstellers TCL, der in Europa vor allem mit seiner Marke Alcatel bekannt ist. (© 2017 Daniel Schräder/techstage.de)

Außerdem im Fokus: Die virtuelle Realität. Es gab neue Brillen zu sehen, vor allem von günstigeren chinesischen Herstellern. Die etablierten Hersteller zeigten hingegen neue Konzepte, beispielsweise für Zubehör – darunter Controller im Waffen-Look für mehr Realität – oder komplett virtuelle Achterbahnen, deren Warteschlangen sämtliche Durchgänge des Convention Centers verstopft haben.

Die CES ist also vorbei. Aber 2017 fängt gerade erst an. Wir sind sehr gespannt, was uns dieses Jahr noch alles erwartet.