Britische Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, um neue Einblicke in die Hüllen zu gewinnen, die Mumien umgeben. Mittels einer Scan-Technologie durchleuchten sie die Schalen aus Papyrus, Harzen und Pasten und haben dadurch verborgene Inschriften mit Tinte ausfindig machen können. Aber: Der Inhalt ist weniger spektakulär als erwartet ...

Dank Computertomografie und anderer Verfahren ist es schon seit geraumer Zeit möglich, in das Innere von Sarkophagen und sogar in einen einbalsamierten und mumifizierten Menschen hineinzuleuchten. Was sich in der dekorierten Hülle befindet, welche die bandagierte Mumie noch einmal umgibt, blieb dem menschlichen Auge bislang jedoch verborgen. Zumindest, wenn die aus Papyrus, Harzen und Pasten bestehende Schale dabei nicht zerstört und die Mumie geöffnet werden sollte.

Scan-Technologie macht Tinte auf Papyrus sichtbar

Archäologen und Historiker dürfte die Entdeckung, die Wissenschaftler vom University College in London gemacht haben, deshalb besonders freuen. Denn die Forscher um den britischen Physiker Adam Gibson haben eine Technologie entwickelt, mit der die Mumienhüllen heile bleiben und trotzdem das in ihnen Versteckte zutage gefördert wird. In diesem Fall: Mit Tinte verfasste Inschriften, die sich auf dem verwendeten Papyrus befinden.

Möglich macht das laut BBC ein Scan-Verfahren, das die mehrschichtige Schale in verschiedenen Frequenzen durchdringt und verborgene Tinte zum Leuchten bringt. Die benutzte Tinte enthält Eisenverbindungen, die mit der richtigen Wellenlänge sichtbar gemacht werden können.

Scan-Verfahren durchleuchtet Papyrus
Durch ein besonderes Scan-Verfahren kann Tinte auf den Papyrus-Schichten ausfindig gemacht werden. (© 2017 JudithKimbrell//Thinkstock)

Mumie als Einkaufszettel

Die Teilnehmer am Pilotprojekt "Deep Imaging Mummy Cases" testeten das Verfahren an einer rund 2000 Jahre alten ägyptischen Mumie, die sich im Besitz des Museums von Chiddingstone Castle in der englischen Grafschaft Kent befindet. Am Fußende der Hülle entdeckten die Wissenschaftler folgende Inschrift: "Irethorru – Das Auge von Horus wacht gegen meine Feinde". So bekamen sie Informationen zur mumifizierten Person. Irethorru war im alten Ägypten ein Allerweltsname wie Max oder Michael.

Abgesehen von dieser Inschrift brachte das durchleuchtete Papyrus allerdings weniger spannende Informationen zum Vorschein: Denn der Beschreibstoff wurde von den Ägyptern gerne als Einkaufsliste oder Steuerverzeichnis verwendet – und dann für die Herstellung der Mumienschalen recycelt.