Jedes Jahr im Herbst stellt Apple neue Geräte und Updates für seine Betriebssysteme vor. Die größte Aufmerksamkeit erhalten dabei iPhone und iPad – auch wenn die Zeiten vorbei sind, in denen sich am Erstverkaufstag eines neuen iPhones unendlich lange Schlangen vor den Apple Stores bilden. Doch in diesem Jahr war das Interesse besonders groß, hoffte doch so mancher auf einen Paukenschlag anlässlich des 10. iPhone-Geburtstags. Unser Überblick zeigt, ob Apple den Erwartungen gerecht wurde.

Das neue iPhone X

Was müssen sich die Apple-Bosse geärgert haben! Kurz vor der Ankündigung der neuen Geräte sickerten schon alle Details zum neuen iPhone X durch und raubten der Vorstellung in Apples neuem Headquarter den Überraschungseffekt. Ein Knaller ist das neue iPhone X wegen seiner Gesichtserkennung trotzdem – das „X“ wird übrigens „ten“ gesprochen, passend zum zehnjährigen iPhone-Jubiläum.

iPhone X in Silber von vorne und hinten
So sieht das neue iPhone X aus - Glas und Edelstahl verleihen dem Flaggschiff einen hochwertigen Look (© 2017 Apple)

Face-ID statt Touch-ID

Erinnern Sie sich noch an das erste iPhone? Das hatte unten einen Schieberegler zum Entsperren und galt damit als revolutionär. Später übernahm der Fingerabdruck die Aufgabe, das Smartphone nur für den rechtmäßigen Benutzer zu öffnen. Apple zufolge erreichte der Abdruck mit einer Fehlerquote von 1:50.000 eine hohe Sicherheitsstufe. Viel einfacher und sicherer soll jedoch die Nachfolgetechnologie namens „Face-ID“ arbeiten: Hier gibt Apple das Sicherheitsrisiko mit 1:1.000.000 an, daher wird die Authentifizierung per Gesichtserkennung auch für Apples Bezahldienst Apple Pay eingesetzt werden.

Gesichtskontrolle: Durch das Zusammenspiel mehrerer Kameras und Sensoren funktioniert die Gesichtserkennung Face-ID, die das iPhone X entsperrt. (© 2017 Apple)

Doch was steckt hinter der Face-ID? Apple hat in den oberen Rand des neuen iPhones ein Set aus unterschiedlichen Sensoren und Kameras eingebaut. Aus ihren Daten wird ein mathematisches Modell des Gesichts des Benutzers errechnet, welches das iPhone X mit dem hinterlegten Gesicht des rechtmäßigen Besitzers abgleicht.

Diese Methode orientiert sich nicht an Bilddaten, sondern analysiert laut Apple mehr als 50 Gesichtsmuskel und erstellt daraus eine Art Gittermodell mit charakteristischen Kennpunkten. Der Vorteil ist dabei die Unabhängigkeit von Lichtverhältnissen und optischen Akzenten wie einem Haarschnitt, einer Brille oder einer Mütze. Ein Infrarotsensor und ein von Apple Punkt-Projektor genannter Lasersensor im iPhone X sorgen dafür, dass die Gesichtserkennung auch im Dunklen funktioniert.

Zusammenfassend befähigt der Fokus auf die gesichtstypischen Merkmale die Gesichtserkennung, das hinterlegte Gesicht sicher zu identifizieren. Dabei arbeitet die Identifizierung unabhängig von verändertem Aussehen oder ungünstigen Lichtverhältnissen.

Innovation Animojis

Die Basis-Technologie der Gesichtserkennung findet sich auch in einem netten Gimmick des neuen iPhones wieder: Sprechende Riesen-Emojis oder „Talking Heads“. Diese Animojis sind große Versionen bekannter Emojis wie dem Alien, dem Hund oder dem kleinen Sch...haufen und lassen sich mit einer gesprochenen Botschaft animieren. Wenn der iPhone-Nutzer mit entsprechend ausdrucksstarker Mimik seinen Text ins iPhone spricht, übernimmt das Animoji diesen, zeichnet ihn auf und gibt ihn in der App Messages als Nachricht wieder. Das sieht witzig aus. Noch witziger erscheint uns aber die Vorstellung zahlloser iPhone-Besitzer, die stark grimassierend Nachrichten einsprechen.

Großes Display ohne Home-Button

Auch wenn das iPhone X nicht größer ist als die vorherige iPhone-Generation 8 (siehe weiter unten), bietet es deutlich mehr Bildfläche. Grund ist eine von Apple „Super Retina Display“ genannte Oberfläche aus dem angeblich stärksten Glas, das Apple je in einem Smartphone verbaut hat. Dank OLED-Technologie reicht die Bildfläche jetzt bis zum Rand, wo somit auch kein Platz mehr für den Home-Button verblieb. Das Anschalten des iPhones übernehmen die Funktionen „Raise to Wake“, die das iPhone X beim Anheben aktiviert, und „Tap to Wake“, die es mit einem Tippen auf die Bildschirmmitte weckt. Heraus aus einer App oder zurück auf den Startbildschirm führt jetzt der Wisch von unten, der bei älteren iPhones das Kontrollfeld nach vorne holt.

Siri wird am iPhone X übrigens auf das Kommando „Hey Siri“ aufgerufen oder durch einen Druck auf den größer gewordenen Ein- und Ausschalter an der Seite. Der OLED-Technologie, die Apple bislang nur in der Apple Watch eingesetzt hatte, verdankt das iPhone X seine brillanten Farben. Dank OLED (die Abkürzung steht für „Organic Light Emitting Diode“, also organische Leuchtdiode) ist das Schwarz am iPhone X richtig dunkel. Die Farben strahlen mit HDR (High Dynamic Range, eine Technik, die durch Hochkontrastbild die Brillanz von Fernsehgeräten deutlich steigert) und True-Tone-Technik, die das Umgebungslicht analysiert und die Farbwärme am iPhone entsprechend anpasst, satt und tief.

iPhone X Kameraqualität
Das iPhone X bietet ein randloses Display mit bestechender Bildqualität – verschwunden ist der Home-Button am unteren Bildrand. (© 2017 Apple)

Kamera, Bionic-Chip und Laden ohne Kabel

Für ausreichend Power sorgt im iPhone X ein von Apple „A11 Bionic“ genannter Chip mit sechs Rechenkernen. Da nur zwei davon für Rechenleistung sorgen und die anderen vier für ein ausgewogenes Power-Management zuständig sind, erreicht das neue iPhone laut Apple 70 Prozent mehr Leistung, ohne die Akkuleistung zu schmälern. Von dieser Leistung profitieren unter anderem die beiden Kameras, die mit zwölf Megapixeln und sogenannter True-Depth-Technologie professionell ausgeleuchtete Porträtfotos schießen können.

Nicht neu, aber neu für Apple-Geräte, ist das Laden ohne Kabel. Hier setzt Apple auf einen schon eingeführten Standard namens „Qi“, was den Vorteil hat, dass es bereits Ladegeräte gibt. Möglich wird diese Art der Stromversorgung durch die gläserne Rückseite, die anfängt den Akku aufzuladen, sobald sie in Kontakt mit einer passenden Ladestation kommt. Im nächsten Jahr will Apple eine eigene solche Station verkaufen, die dann gleichzeitig iPhone, Apple Watch und die kabellosen Kopfhörer Earpods aufladen kann.

AirPower Wireless Charger
Keine Weltneuheit, aber neu beim iPhone, ist die Fähigkeit, den Akku ohne Kabel zu laden. 2018 will Apple dafür eine eigene Ladestation präsentieren. (© 2017 Apple)

Preise und Verfügbarkeit

Das iPhone X kann ab 27. Oktober in den Farben Space Gray und Silber vorbestellt werden, zu kaufen soll es ab dem 3. November sein. Dabei stößt auch der Preis in neue Dimensionen vor. Das iPhone X kostet in der kleinsten Variante mit 64 GB Speicher schon 1.149 Euro, mit 256 GB Speicherplatz liegt der Preis bei 1.319 Euro.

Neu: iPhone 8 und iPhone 8 Plus

Für alle, die zwar ein neues iPhone wollen, aber für weniger als 1.000 Euro, hat Apple das neue iPhone 8 und iPhone 8 Plus im Apple Store. Sie gleichen optisch dem iPhone 7, besitzen aber einige Merkmale des iPhone X – zum Beispiel eine Rückseite aus gehärtetem Glas, den schnellen A11-Prozessor, bessere Kameras und farbenkräftigere True-Tone-Displays. Auch die Stromversorgung ohne Kabel ist hier schon eingebaut, allerdings entriegeln sie sich noch mit der vertrauten Touch-ID.

Die iPhones der Reihe 8 sind mit ihrem brillanten Display und ihrer hohen Video-Auflösung vor allem für Kreative geeignet: Erstens sind sie ideal für die Darstellung von Augmented-Reality-Anwendungen und -Spielen, zweitens beherrschen sie bereits die neuen Porträt-Aufnahmefunktionen und drittens nehmen sie Videos auch in der hohen Auflösung von 4K auf.

Das iPhone 8 in den Farben Space Grau, Silber und Gold
Nach der 7 kommt die 8: Die neuen iPhones gibt es in zwei Größen, je drei Farben und zwei Speicherausstattungen. (© 2017 Apple)

Was sind Augmented und Virtual Reality?

Beide Begriffe spielen nicht nur bei Apple künftig eine große Rolle. Während man jedoch für das Eintauchen in die virtuelle Realität (VR) eine eigene Ausrüstung in Form einer VR-Brille plus weiterem Zubehör benötigt, bildet Augmented Reality (AR) quasi eine Vorstufe dazu. AR platziert virtuelle Elemente in die natürliche Umgebung, für die Darstellung reichen mobile Geräte mit einer Kamera, wie ein Smartphone oder ein Tablet.

Bekanntes Beispiel einer AR-Anwendung ist das Spiel Pokemon Go, das die kleinen Monster über das Smartphone in die echte Umgebung der Spieler platziert. AR spielt aber nicht nur im Game-Bereich künftig eine große Rolle, es entstehen auch praktische Anwendungen – etwa ein AR-Lineal, das die tatsächliche Umgebung, beispielsweise einen Tisch oder ein Fenster, vermisst.

iPhone AR Dinosaurier
Dinosaurier auf dem Sportplatz: Das iPhone 8 ist mit seinem starken Prozessor und dem True-Tone-Display wie geschaffen für Augmented-Reality-Anwendungen. (© 2017 Apple)

Preise und Verfügbarkeit

Das iPhone 8 gibt es ab dem 22. September mit 4,7-Zoll-Displaygröße und in einer Plus-Variante mit 5,5 Zoll in den Farben Silber, Space-Gray und Gold. Das kleinste iPhone 8 mit 64 GB kostet 799 Euro (Plus: 909 Euro), mit 256 GB Speicher steigen die Preise auf 969 bzw. 1.079 Euro.

iOS 11 für iPhone und iPad

Da Apple das neue Betriebssystem für iPhone und iPad schon ausführlich auf der Entwicklerkonferenz im Juni vorgestellt hatte, wurde es bei der jüngsten Vorstellung der iPhones nur kurz erwähnt. Es ist ab dem 19. September kostenlos zu laden und wird vor allem auf iPads einen effektiveren Umgang mit Apps und Dokumenten ermöglichen. Denn Apple will das iPad bekanntlich zu einem besseren Office-Computer trimmen.

Insgesamt hat Apple bei iOS 11 ein wenig an der Optik gefeilt und in den Apps teils kräftig aufgeräumt. Hier unsere Highlights:

  • Neuer App Store: Mehr Ordnung und Übersicht erleichtern die Suche nach Apps, auch weil Apple Spiele jetzt in einer eigenen Rubrik auflistet.
  • Störungsfreies Surfen: Safari erlaubt es, automatisch startende Videos und Werbung abzustellen, die dem Anwender über Webseiten hinweg folgt. Oder man ruft Webseiten prinzipiell nur noch in der Reader-Ansicht ohne Werbung auf.
  • Unterstützung für Augmented Reality: So lassen sich AR-Anwendungen (siehe iPhone 8) auch an älteren iPhones abspielen.
  • Neues Kontrollzentrum: Jeder kann selbst entscheiden, welche Knöpfe und Funktionen angezeigt werden. Sehr cool!
  • Neue Formate für Bilder und Videos: Dank besserer Komprimierung belegen sie nur noch die Hälfte des bisherigen Speicherplatzes oder sind auf demselben Platz wie bisher in deutlich höherer Qualität gespeichert.
  • Loopings und andere Effekte für Live Photos.
  • Siri versteht auch Texteingaben.
iPad und iPhone mit iOS 11
Aufgemotzt: Neue Funktionen und Apps für alle, die ihrem bisherigen iPhone treu bleiben, gibt es kostenlos mit dem Update auf iOS 11. (© 2017 Apple)

Ein neues Apple TV mit 4K

Auch 2017 baut Apple nach wie vor kein eigenes TV-Gerät. Mit dem Update auf das nächste tvOS wird immerhin Apples Streaming-Box ausgebaut. Das neue Modell ist in der Lage, hochauflösende 4K-Videos zu streamen, passend dazu hat Apple durch Dolby Vision die Sound-Qualität verbessert und Unterstützung für HDR eingebaut.

Noch sind Filme in 4K eher Mangelware. Apple hat jedoch angekündigt, das eigene Angebot im iTunes Store auszubauen, 4K-Filme zum gleichen Preis wie solche in Full HD zu verkaufen und gekaufte Filme kostenlos gegen eventuell vorhandene 4K-Versionen zu tauschen. In den USA punktet das neue Apple TV mit einem deutlich größeren Angebot an Live-Übertragungen aus dem Sport, dort kommen eher Fans von in den USA populären Sportarten wie Baseball und Basketball auf ihre Kosten. Erfreulich für deutsche Apple-TV-Besitzer: Endlich kann man auch hier Siri zur Filmauswahl bemühen.

Preise und Verfügbarkeit

Auch das neue Apple TV kommt am 22. September in den Handel. Mit 32 GB kostet es 199 Euro, mit 64 GB sind es 219 Euro.

Apple 4K TV
Filme und Videos in 4K-Auflösung und HDR-Qualität sind das Markenzeichen des neuen Apple TV 4K. (© 2017 Apple)

Die Apple Watch Series 3

Laut Apple ist die Apple Watch die meist verkaufte Uhr der Welt. Die neue Generation macht sich mit LTE und eSIM unabhängiger vom iPhone und kann in dieser Ausstattung selbst Anrufe annehmen oder Songs aus einem Apple-Music-Abonnement abspielen. Bislang musste für diese Aufgaben das gekoppelte iPhone in der Nähe sein.

Stark ausgebaut hat Apple die Fähigkeit der Uhr in Sachen Gesundheit. So misst sie Herzrhythmus und Blutdruck so genau, dass sie bei Unregelmäßigkeiten warnen kann. Die Uhr kann mit Trainingsgeräten im Fitnessstudio kommunizieren und bietet neue Funktionen für Schwimmer und Wintersportler. Das neue watchOS (Betriebssystem der Apple Watch) erweitert auf allen Apple Watches das Angebot an Zifferblättern – das interessanteste davon basiert auf Siri und zeigt je nach Umfeld passende Informationen.

Apple Watch 3 mit iPhone
Auf Verbesserungen im Bereich Gesundheit legt Apple bei der Apple Watch großen Wert. Die Series 3 soll mit Messungen von Herzrhythmus und Blutdruck sogar lebensbedrohliche Situationen erkennen. (© 2017 Apple)

Preise und Verfügbarkeit

Auch die Apple Watch Series 3 ist in Silber, Schwarz und Gold zu kaufen, dazu gibt es eine Reihe neuer Armbänder. Die Version mit LTE ist ab dem 22. September über die Telekom zu kaufen, sie kostet 449 Euro. Wer ohne Mobilfunk auskommt, zahlt nur 369 Euro. Beide Preise gelten für die etwas schmalere Uhr mit 38 mm Breite, die 42 mm große Apple Watch ist etwas teurer.

Fazit: Apple hat erneut Maßstäbe gesetzt

Auch wenn vieles schon vor der offiziellen Bekanntgabe durch Apple im Internet zu lesen war – das iPhone X sieht klasse aus und wird mit seiner Gesichtserkennung wieder Maßstäbe setzen. Wer Wert darauf legt, immer das neueste und modernste Gerät zu besitzen, wird sich auch von dem hohen Preis des neuen iPhones nicht abhalten lassen. Das iPhone 8 ist ideal für alle, die hochwertige Fotos und Videos am iPhone produzieren. Der Rest freut sich auf das kostenlose Update und die neuen Funktionen von iOS 11.