Da heißt es, in diesen modernen Zeiten sei alles so schnelllebig. Da heißt es, es zähle nur das Heute und keiner denke an die Zukunft. Da heißt es, was heute in sei, sei schon morgen vergessen. Diese Tech-Woche beweist das Gegenteil. Vor allem Apple. Deren Keynote am Pfingstmontag schlägt auch nach Tagen noch kräftig Wellen. Ebenso schafft es das OnePlus 5, über Wochen die Aufmerksamkeit hochzuhalten. Weit über den Tag hinaus wollen auch einige neue Apps und Gadgets wirken, die dabei helfen sollen, die natürlichen Ressourcen zu schonen. Und erst recht langlebig ist der allererste Apple-Computer, der immer noch funktionstüchtig ist und jetzt versteigert wird. Die nachhaltigsten, nachdrücklichsten und am stärksten nachklingenden News aus der Technikwelt haben wir für Sie zusammengefasst.

Der Arbeitsablauf in einer News-Redaktion sieht für gewöhnlich so aus: Veranstaltung besuchen, die wichtigsten Informationen herausfiltern, sie als News veröffentlichen – weiter zum nächsten Thema. Apples Keynote am Pfingstmontag zum Start der Entwicklerkonferenz WWDC hat diesen geregelten Prozess kräftig durcheinander gewirbelt. Denn wie soll man dieses Feuerwerk an Neuigkeiten in einer News unterbringen? Und dann entdecken die ersten Tester der Beta-Versionen der kommenden Betriebssysteme wie iOS 11 oder watchOS 4 auch noch dauernd neue Features, die selbst Apple in der knapp zweistündigen Keynote nicht mehr unterbringen konnte. So prägten die Kalifornier nachhaltig die Tech-News der Woche – weit über den Montag hinaus.

Wie fasst man alle Neuerungen in iOS 11 kurz zusammen?

Und nun sollen wir an dieser Stelle dieses Feuerwerk bändigen? Wir versuchen es mal am Beispiel von iOS 11. Also: Das Betriebssystem fasst alle Bedienelemente im Kontrollzentrum auf einem Screen zusammen, bringt neue Datenschutz-Optionen, macht Siri lernfähiger und zum Dolmetscher, erlaubt das App-übergreifende Verschieben von Daten per Drag & Drop, lässt die Kamera QR-Codes scannen, verteilt auf Wunsch das WLAN-Passwort, merkt sich die Daten aus Apps auch nach dem Löschen, regelt per Dark Mode bei Bedarf die Helligkeit runter, erweitert die Optionen für Augmented Reality sowie die Steuerungsmöglichkeiten der AirPods, verhindert Störungen beim Autofahren, ergänzt Dropbox als Cloud, führt einen Passwortmanager ein, synchronisiert Messages auf allen Geräten, verbessert die Kamera-Aufnahmen, ermöglicht einen Videomitschnitt des Bildschirmgeschehens ... – und was wir noch vergessen haben, kann jeder selbst herausfinden, der sich hier als Beta-Tester registriert. Allerdings ist hier ein Wort der Vorsicht angebracht, denn Beta-Versionen sind in der Regel nicht stabil und eine einwandfreie Bedienung des Smartphones ist nicht unbedingt immer gegeben.

iOS 11 Kontrollzentrum
Das neu gestaltete Kontrollzentrum ist nur eine der vielen Neuerungen in iOS 11. (© 2017 Apple Inc.)

Nicht weniger umfangreich: Die Neuigkeiten bei der Hardware. Zum Beispiel sollen zwei neue iPad Pro für nachhaltige Freude sorgen: eins mit der erstmaligen Bildschirmgröße von 10,5 Zoll durch ein fast randloses Display sowie ein verbessertes 12,9-Zoll-Gerät. Ebenfalls im Doppelpack kamen die neuen MacBooks: ein unter der Haube verbessertes MacBook Pro sowie eine neue Version des MacBook mit 12-Zoll-Bildschirm. Auch der gute alte iMac wurde zukunftsfit gemacht: Mit einem neuen Retina-Display, das bis zu 43 Prozent heller sein soll und bis zu einer Milliarde Farben darstellen kann, mit VR-Möglichkeiten und Thunderbolt-3-Ports. Noch nachhaltigeren Eindruck hinterließ der iMac Pro, ein "Monster" wie Apple selbst es ausdrückte. Kein Wunder, wenn optional ein 18-Kern-Prozessor mit einem Tempo bis zu 4,5 GHz unter der Haube beziehungsweise hinter dem Bildschirm steckt.

HomePod
Das Beste sitzt unter der Haut: So sieht das Innenleben des HomePod aus. (© 2017 Apple Inc.)

Das Ende des Feuerwerks? Mitnichten. Denn einmal mehr hieß es "one more thing" - oder in Apple-CEO Tim Cooks Worten: "one last thing". Das war diesmal der HomePod, ein Siri-Lautsprecher, der mit sieben Hochtönern und 4-Zoll-Basswoofer für ordentlich Nachklang sorgt. Damit die Audiowiedergabe auch ja nicht von gestern ist, sollen Sensoren die räumlichen Gegebenheiten vollautomatisch erkennen und den Sound daran anpassen. In Deutschland wird der HomePod, der zusätzlich einige Smart-Home-Features bietet, aber wohl nicht vor Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen. Im Moment ist er also noch – im wahrsten Sinne des Wortes – Zukunftsmusik.

Das gilt auch für die Bluetooth-Lautsprecher im Superhelden-Look, die das kalifornische Start-up Kalium Labs herausbringen will. Verschiedenfarbige Beleuchtung und Nebeleffekte sollen die "Sound Heroes" nachhaltig in Szene setzen. Aber vermutlich werden die Superhelden den HomePod beim Tempo locker abhängen: Das Finanzierungsziel der Crowdfunding-Kampagne ist längst erreicht, im Oktober sollen die ersten Lautsprecher ausgeliefert werden.

Sound Heroes Lautsprecher
Super Outfit, super Crowdfunding-Erfolg – super Klang? (© 2017 Kalium Labs)

Ob das OnePlus 5 bis dahin auch noch Dauergespräch in der Tech-Szene ist? Im Moment zumindest schaffen es die Chinesen quasi täglich aufs Neue, die Vorfreude auf ihr neues Flaggschiff zu schüren. Mal kursiert eine Mail mit einem möglichen Release-Datum im Netz, anschließend taucht auf Twitter ein Bild auf, das angeblich mit dem Smartphone aufgenommen wurde, dann lädt der Hersteller zu gleich zehn Präsentationen am 20. Juni. Schließlich ist es kein Geringerer als der Konzernchef selbst, der mit einer Nachtaufnahme nachlegt, nur damit einen Tag später ein offizielles Bild auf Twitter folgt. So erhält man wohl nachhaltig das Interesse.

Von zu viel Kohldampf bis Kohlestrom: Apps fördern bewusst nachhaltiges Denken

Für Nachhaltigkeit wollen auch neue Apps und Projekte sorgen, die sich dem Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung widmen. Wer es nicht schafft, den Kühlschrank rechtzeitig vorm Urlaub leer zu essen oder zu viele Reste von der letzten Party übrig hat, kann das Essen auf der Foodsharing-Plattform inserieren und rechtzeitig weitergeben, damit es in einem Magen landet statt im Müll.

Ob der Strom zum Kochen auch aus regenerativen Energien stammt, könnte bald eine App klären. Diese wird gerade in den USA entwickelt, die beim Thema Nachhaltigkeit sonst nicht gerade zu den Vorreitern gehören. Forscher der Washington State University wollen das ändern. Ihre App, berichtet moobilux, soll in Echtzeit anzeigen, ob die Quelle für den Strom aus der Steckdose gerade ein Windpark oder eine Solarzelle ist – oder doch ein Kohlekraftwerk.

Der Strom kommt aus der Steckdose – oder aus Pikachus Hinterteil

Welche Form von Energie der niedliche Pokémon-Star Pikachu bevorzugt, wissen wir nicht. Aber klar ist, dass Akkus nachhaltiger sind als Einweg-Batterien. Und wer den Energiespeicher seines Smartphones neu aufladen will, kann jetzt Pikachus Hilfe in Anspruch nehmen: als USB-Netzteil, das RocketNews24 in einem Shop entdeckt hat.

Pikachu USB Ladegerät
Neuer Saft fürs Smartphone dank Pokémon-Star Pikachu. (© 2017 DH Gate)

Wer noch mehr Nachhaltigkeit in seine eigenen vier Wände bringen will, kann auch an den Möbeln sparen. Denn wieso jeweils neues Holz verbrauchen für Bett, Schrank, Regal, Schreibtisch und Kleiderständer, wenn man alles in einem haben kann? Gibt es nicht? Sollte es aber geben, dachte sich das Kooperationsprojekt Ori Systems – und entwickelte eine multifunktionale Möbellandschaft, die auf engstem Raum Platz findet. Und damit auch Techies an der Idee Gefallen finden, ist das Ganze per Smartphone steuerbar. Wohl noch nie war der Begriff "Smart Home" so gut angebracht wie hier.

Was könnte man noch tun, um nachhaltig zu leben? Geräte länger nutzen vielleicht. Es müssen ja nicht gleich 40 Jahre sein, die der Apple I auf dem Buckel hat, der laut AppleInsider am kommenden Donnerstag vom Londoner Auktionshaus Christie's versteigert wird. Etwa 200 Exemplare von dem Ur-Mac waren ursprünglich gefertigt und für je 666,66 Dollar verkauft worden. Die meisten von ihnen sind längst verschrottet oder wanderten ins Museum. Dieser Computer jedoch soll sogar noch funktionstüchtig sein. Vielleicht liegt es daran, dass sein Vorbesitzer den Arbeitsspeicher glatt verdreifacht hat: von 4 auf 12 Kilobyte. Wer mit dem Apple I ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen möchte, sollte allerdings noch einmal im Portemonnaie nachschauen: Erwartet wird ein Auktionspreis von etwa 500.000 Dollar.