Smartes Phone, smartes Home, smarte Uhr, smarte Brille – mittlerweile erwarten wir von der Technik vor allem eines: mitdenken. Auch die Neuvorstellungen der vergangenen Woche lieferten genau das. OnePlus stellte sein nächstes Flaggschiff, das OnePlus 5, vor. Bei Facebook fingen die künstlichen Intelligenzen sogar schon erste Gespräche an – miteinander. Und selbst was bislang noch ohne eigenes Köpfchen war, könnte schon bald schlau werden: Ein Crowdfunding-Projekt arbeitet an einer smarten Bettdecke, Michelin will Autoreifen aus dem 3D-Drucker produzieren, die sich an die verschiedensten Straßenprofile anpassen. All das und was es sonst noch aus der Technikwelt zu berichten gibt, haben wir hier noch einmal für Sie zusammengefasst. Ganz ohne Algorithmus.

Smart hin oder her, eines geht trotzdem nicht: in die Zukunft zu schauen. Oder vielleicht doch? Wer sich in der vergangenen Woche die News um das OnePlus 5 angesehen hatte, konnte jedenfalls kaum einen Unterschied zwischen denen vor und denen nach der offiziellen Vorstellung ausmachen. Abgesehen von ein bisschen Konjunktiv vielleicht. Dahinter steckten allerdings keine künstlichen Intelligenzen, sondern sehr menschliche Plappermäuler: CEO Pete Lau twitterte vorab schon fleißig Fotos, die er mit dem neuen Flaggschiff gemacht hatte. Und wenige Tage vor der offiziellen Präsentation hielten es die Chinesen scheinbar gar nicht mehr aus und schalteten schon mal einen Werbespot zu ihrem neuen Schätzchen. Als es dann am vergangenen Mittwoch endlich so weit war und das OnePlus 5 das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte, gab es daher wenige Überraschungen. Macht aber nichts, denn das neue Vorzeigemodell aus der chinesischen Smartphone-Schmiede kann sich so oder so sehen lassen. Größtes Highlight: die Kamera. Als Dual-Kamera mit 20 und 16 MP, einer 4K-Videoauflösung und einer Zeitlupenfunktion mit 120 fps bietet sie einen hohen Foto-Standard für ein Smartphone. Auch die übrige Ausstattung bietet alles, was derzeit von einem High-End-Gerät erwartet wird.

OnePlus 5 in Midnight Black
Wird das Logo des chinesischen Herstellersx OnePlus in Zukunft noch häufiger im Westen zu sehen sein? (© 2017 OnePlus)

Was ist schlauer? Bettdecke oder Computer?

Darf's ein bisschen smart sein? Da sagen wir doch nicht Nein. Vor allem, wenn es sich um so etwas Praktisches handelt wie eine Bettdecke. Smart bedeutet im Falle des Crowdfunding-Projekts Breeze nämlich, dass eine individuelle Temperaturregelung möglich ist – per App. Soll heißen: Im Winter können wir in ein vorgewärmtes Bett schlüpfen, im Sommer kühlt uns die Decke angenehm. Damit sollte auch der ewige Streit darum enden, ob es im Schlafzimmer nun zu kalt oder zu warm sei. Denn die Decke erlaubt zwei individuell steuerbare Klimazonen. Ach, und morgens das Bett machen müssen wir dank der automatischen Glattzieh-Funktion auch nicht mehr. So lieben wir smart!

Ein Pärchen schläft unter der smarten Decke Smartduvet Breeze
Die Bettdecke Smartduvet Breeze hat zwei Klimazonen, die individuell reguliert werden können. (© 2017 Indiegogo / SMARTDUVET)

Streng genommen ist künstliche Intelligenz ja eigentlich nur ein Algorithmus. Man könnte auch sagen: Mustererkennung auf Speed. Rasend schnell werden Datenströme ausgelesen, ausgewertet und diverse Funktionen der Maschine dann daran angepasst. Das klingt erst mal recht harmlos? Schon, aber dann passiert plötzlich so etwas: Bei Facebook entwickelte künstliche Intelligenz ihre eigene Sprache. Versehentlich und ohne menschliches Zutun. Sofort tauchen gruselige Zukunftsvisionen aus Science-Fiction-Filmen vor Ihrem geistigen Auge auf? Da können wir Sie beruhigen. Denn noch klingen die Unterhaltungen zwischen den KIs so: "i can i i everthing else" – "balls have zero to me". Aha.

Nanny-Tech – oder wie Maschinen uns immer mehr Entscheidungen abnehmen

Davor, dass die künstliche Intelligenz wirklich schlauer wird als wir, brauchen wir uns also erst mal keine Gedanken zu machen. Stattdessen schleicht sich gerade ein ganz anderes Problem ein: die maschinelle Bevormundung. Die sogenannte Nanny-Tech schreibt uns immer öfter vor, was wir zu tun haben. Manchmal ist das nur ein unverbindlicher Vorschlag, dann wieder wählt die Technik bereits die scheinbar für uns beste Möglichkeit aus – und schlägt uns nur diese vor. Erkennt das Smartphone etwa, dass wir im fahrenden Auto sitzen, bietet es an den "Do not disturb while driving"-Modus zu aktivieren. Grundsätzlich nicht verkehrt, aber sollten wir das nicht selbst wissen? Doch noch wird glücklicherweise nicht alles durch die effizienten Algorithmen geregelt. YouTube etwa ermöglicht seit dem neuesten Update, die Auflösung auch mobil hochregeln zu können. Damit lassen sich Videos unterwegs ohne Qualitätseinbußen genießen. Wer unterwegs lieber das Datenvolumen schonen möchte, kann sich die Clips auch in schlechterer Qualität anschauen, für das heimische WLAN gibt es hingegen die Option "Keine Qualitätsbegrenzung".

Netflix geht bei der Entscheidungsfreiheit sogar noch einen Schritt weiter: In neuen Kinderserien dürfen die kleinen (und auch großen) Zuschauer selbst entscheiden, wie die Geschichte weitergehen soll. Sollen die Bären Freunde oder Feinde sein? Soll es bei der Begrüßung einen Kuss geben, oder reicht ein Händeschütteln? Wie das genau aussehen wird, sehen Sie hier:

Wer den Kleinen nicht nur Interaktion mit der Technik ermöglichen, sondern ihnen ganz das Zepter in die Hand geben will, kann sich über diese Nintendo-Ankündigung freuen: FUZE Code Studio bringt den Kids spielerisch das Codieren bei. Das für die Nintendo Switch entwickelte Game ermöglicht es, Spiele und Apps in 2D und 3D zu coden – auch ganz ohne Vorkenntnisse.

Maschinelle Bevormundung hin oder her, manchmal würden wir uns doch sogar wünschen, dass uns die Technik nicht nur eine Entscheidung, sondern auch die damit verbundene Arbeit abnimmt. Etwa wenn im Auto die Anzeige "Bitte Reifendruck prüfen" aufleuchtet. Muss man jetzt sofort zur nächsten Tanke fahren, oder reicht es auch, sich am nächsten Wochenende darum zu kümmern? Und wie viel Reifendruck braucht das Auto noch gleich? Hing das nicht auch irgendwie davon ab, ob die nächste Fahrt über unbefestigte Sandwege oder die Autobahn führt? Um all diese Fragezeichen will Michelin sich nun kümmern: Mit einem Autoreifen aus dem 3D-Drucker. Dieser soll erst gar keine Luft benötigen und noch dazu aus biologisch abbaubaren Rohstoffen bestehen. Dank spezieller Sensoren soll der Reifen außerdem mitdenken und die Straßenzustände, das Klima und sogar den Fahrstil analysieren und sich wohl auch daran anpassen. Ist das Profil abgefahren, hält der Fahrer einfach an einer 3D-Druckstation, wo die Reifen in kürzester Zeit erneuert werden.

Smarter Reifen Michelin
Damit haben Sie ganz sicher keinen Platten mehr: Der smarte Autoreifen von Michelin kommt ohne Luft aus und denkt auch noch mit. (© 2017 Michelin)

Smarte Technik kann und soll also gar nicht aufgehalten werden. Nur vielleicht ab und an hinterfragt. Schließlich ist es ja schön und gut, wenn die Smartwatch ausgerechnet hat, dass man nicht mehr als eine Stunde am Stück sitzen sollte oder der Sprint zum Bus die Wahrscheinlichkeit einer Herzrhythmus-Störung um ein paar Prozent erhöht. Doch erkennt die Uhr auch, wie schön es ist, an einem verregneten Sonntag den ganzen Tag auf dem Sofa zu verbringen, oder dass der morgendliche Sprint mittlerweile zum angenehmen Wachmacher geworden ist, der ganz nebenbei auch ein paar Glückshormone freisetzt? Was wir wann tun, sollten wir also lieber noch selbst entscheiden. Sonst werden nämlich wir vielleicht bald zu Robotern – und nicht andersherum.