Da haben Sie einen dieser herrlichen Städtetrips hinter sich und stellen anschließend einmal mehr fest: All die tollen Fassaden, Gemäuer und Türme sehen auf Ihren Fotos weit weniger beeindruckend aus, als Sie vor Ort wirkten. Nicht weit der Gedanke: „Was mache ich bloß falsch?“ Die beruhigende Antwort: Es braucht meistens bloß einige grundsätzliche Tipps, die leicht umzusetzen sind, damit Ihnen Architekturfotografie besser von der Hand geht und gelingt. UPDATED hat für Sie die Wichtigsten davon zusammengestellt.

Die richtige Technik für Architekturfotografie

Braucht es eine bestimmte Kamera für die Architekturfotografie? Eine Vollformat-Kleinbild-Kamera ist zwar für diesen Zweck technisch exzellent, aufgrund der hohen Kosten für die meisten aber nicht zu empfehlen. Grundsätzlich gilt: Bereits mit einer Einsteiger-Spiegelreflex-Kamera können ausgezeichnete Architekturfotos gelingen. Mit einem Weitwinkelobjektiv bekommen Sie zwar viel Gebäude auf ein Foto, allerdings werden die Verzeichnungen stärker. Mit Normalbrennweiten um die 50 mm verringern Sie dieses Problem, allerdings steht Ihnen nur ein kleinerer Bildausschnitt zur Verfügung.

Beim weiteren Equipment für die Architekturfotografie ist vor allem das Stativ zu nennen. Achten Sie darauf, dass dieses in der Lage ist, Ihre Kamera ins Hochformat zu schwenken. In diesem Zusammenhang kann auch ein Getriebeneiger wertvolle Dienste leisten. Diese Zusatzausstattung des Stativs erlaubt es, die Kamera in sehr kleinen Schritten auszurichten. Müssen Sie auf den üblichen Kugelkopf zurückgreifen, kann das Finden der richtigen Position größeren Aufwand bedeuten. Mit einem Polarisationsfilter lassen sich Reflexionen auf nicht-metallischen Flächen verhindern. Darüber hinaus erzeugt der Filter beim Himmel ein tiefes Blau.

Architekturfotografie: Die richtigen Kameraeinstellungen für eine gelungene Aufnahme

Das sollten Sie bei der Schärfentiefe beachten

Insbesondere Architekturaufnahmen verlangen nach einer guten Schärfe in allen Bereichen des Bildes, um den meist sehr großen räumlichen Dimensionen gerecht zu werden. Um so viel Schärfe wie möglich in Ihr Bild zu bringen, sollten Sie eine möglichst geschlossene Blende benutzen und den Fokuspunkt richtig setzen. Stellen Sie Ihre Blende dafür auf f/16 oder eine höhere Zahl. Um die Blende manuell einstellen zu können, drehen Sie das Modusrad Ihrer Kamera entweder auf M oder auf A bzw. AV. M bezeichnet den manuellen Modus, hier müssen Sie neben der Blende auch die Belichtungszeit und den ISO-Wert selbst einstellen. A oder AV ist die sogenannte Zeitautomatik. Hier stellen Sie die Blende selbst ein, die Kamera passt dann alle übrigen Einstellungen entsprechend an. Eine Option, die vor allem für Anfänger hilfreich ist.

Weitwinkel bringt mehr vom Objekt aufs Bild

In der Praxis stehen Sie oft vor der Herausforderung, dass Sie sehr große Gebäude auf einem Foto festhalten wollen. Dafür benötigen Sie ein Objektiv mit einer kleinen Brennweite. Hierfür benötigen Sie ein Weitwinkel-Objektiv. Grundsätzlich werden bereits Objektive mit einer Brennweite unter 50 Millimeter als Weitwinkel-Objektive bezeichnet. Doch Achtung: Wenn Sie keine Kamera mit Vollformatssensor haben, dessen Bildformat dem eines 35-mm-Kleinbildfilms entspricht, wirkt sich das auf die Brennweite aus. Hat Ihre Kamera also einen Cropfaktor, der Breite und Höhe des Bildes verkleinert, und fotografieren Sie mit einem 50 Millimeter Objektiv, werden Ihre Bilder eher so aussehen, als hätten Sie sie mit einem 70 Millimeter Objektiv gemacht. Die genaue Umrechnung richtet sich nach dem jeweiligen Cropfaktor. Wie hoch dieser ist, steht in der Beschreibung Ihrer Kamera.

Bei der Auswahl des Objektivs sollten Sie also keine zu hohe Brennweite wählen. Doch auch eine sehr niedrige Brennweite kann zu Problemen führen. Denn, je niedriger diese ist, desto stärker ist die Verzerrung. Optimal ist eine Brennweite zwischen 14 und 40 Millimeter.

Verwenden Sie die Kamera auch im Hochformat

Ein hohes Gebäude von unten fotografiert
Das Hochformat unterstützt die vertikalen Linien und betont Größe und Stärke. (© 2017 GYRO PHOTOGRAPHY/amanaimagesRF/Thinkstock)

Architekturfotografie wird häufig mit dem Querformat verbunden. Versuchen Sie, zwischendurch auch Fotos von Gebäuden im Hochformat einzustreuen. Das ergibt je nach Situation einen besonderen Reiz, da mit der Erwartung des Betrachters gespielt wird. Aufnahmen im Hochformat wirken häufig dynamischer und “mächtiger” als im Querformat.

Gebäude fotografieren: Tipps zur Bildgestaltung

Verhindern Sie stürzende Linien

Um große Gebäude aufs Bild zu bekommen, werden häufig kleine Brennweiten und Weitwinkelobjektive benutzt. Eine unschöne Begleiterscheinung sind sogenannte stürzende Linien. Dabei handelt es sich um Linien, die in Wirklichkeit gerade sind, auf dem Foto aber unregelmäßig abgebildet werden. Sie entstehen, wenn Sie die Kamera schräg nach oben richten, um das Gebäude möglichst umfassend aufs Bild zu bekommen. Die stürzenden Linien führen zu einer Verzerrung des Motivs, das Gebäude wird nicht exakt abgebildet. Das können Sie tun, um den stürzenden Linien entgegenzuwirken:

  1. Nehmen Sie eine höhere Position ein und entfernen Sie sich weiter vom Gebäude, damit Sie das Motiv mit gerade ausgerichteter Kamera fotografieren können.
  2. Eine weitere Möglichkeit ist ein sogenanntes Shiftobjektiv. Dieses korrigiert die stürzenden Linien bei nach oben verschobenem Bildausschnitt. Da die Kosten jenseits der 500 Euro liegen, lohnt sich ein solches Objektiv aber nur bei regelmäßiger Benutzung.
  3. Auch Bildbearbeitungs-Software wie Photoshop bietet Funktionen, etwa über Transformieren/Verzerren, die das geschilderte Problem beheben. Der Nachteil neben dem Zeitaufwand: Es gehen Pixel verloren und das Bild verliert durch die nötigen Neuberechnungen insgesamt an Qualität. Zu empfehlen ist also stets, stürzende Linien von vornherein so weit wie möglich vermeiden.

So machen Sie Ihre Bildkomposition stärker

Insbesondere Architekturfotografie lebt davon, dass die Bildkomposition gelungen ist. Im Folgenden finden sie ein paar Tipps wie Sie den Bildausschnitt interessant gestalten können beim Fotografieren von Gebäuden:

  1. Richten Sie das Bild an Linien aus, die am jeweiligen Gemäuer zu sehen sind, etwa den Kanten der Wände, Dächer oder Fugen. Dabei kann auch das Einblenden eines Hilfs-Gitters im Display hilfreich sein.

    Markante Spiral-Architektur im Gebäude
    Eine markante Stelle wie hier die Öffnung nach oben sollte sich nicht unbedingt in der Bildmitte des Fotos befinden. (© 2017 Michael Blann/Thinkstock)
  2. Ordnen Sie markante Punkte wie auffällige Fenster oder Türen entweder in den seitlichen beziehungsweise unteren oder oberen Dritteln des Fotos an. Platzieren Sie diese Stellen nicht in der Bildmitte, dies wirkt in vielen Fällen langweilig, statisch und allzu „gewollt“.
  3. Beziehen Sie neben dem Hauptmotiv auch den Vorder- und Hintergrund mit ein, sei es ein Baum, die Wolken am Himmel oder ein Weg, der zum Gebäude führt.

    Ein Gebäude zwischen weiteren angeschnittenen Nebengebäuden
    Angeschnittene Nebengebäude des Hauptmotivs machen das Bild lebendiger. (© 2017 Jupiterimages/Thinkstock)
  4. Bei Bauwerken in einer Innenstadt sollten Sie an den Rändern darauf achten, dass Häuserecken umliegender Bauten noch ins Bild ragen. So können Sie den Charakter der städtischen Bebauung miteinbeziehen und das Bild wird lebhafter.

Nutzen Sie in der Architekturfotografie Symmetrien und Spiegelungen

Spiegelungen durch Fenster
Symmetrien und Spiegelungen gehören in der Architekturfotografie zu entscheidenden Aspekten, die den Blick des Betrachters führen und Akzente setzen. (© 2017 Tiberius Gracchus/Fotolia)

Symmetrie ist in vielen Arten von Fotografie ein Thema. Beim Ablichten von Gebäuden spielt sie eine besonders wichtige Rolle. Neben Gesichtspunkten der Komposition führt der Fotograf über die Linien den Blick des Betrachters. Mal kann sich das Ebenmaß in den parallel verlaufenden Linien des Gemäuers finden, dann wieder in einem Spiegelbild, welches das Gebäude auf eine Wasserfläche oder auf Glasfronten wirft. Versuchen Sie, solche Konstellationen auszunutzen und in Szene zu setzen. Mit einem Polfilter können Sie Spiegelungen gezielt entfernen oder verstärken, indem Sie am Einstellring drehen.

Widmen Sie sich auch den Details von Gebäuden

Detail an einem Gebäude
Details bringen Abwechslung und Spannung in die Architekturfotografie. (© 2017 mychadre77/Thinkstock)

Architekturfotografie: die richtige Tageszeit für gute Bilder

Für die Fotografie von Gebäuden ist das Licht enorm wichtig. Der Grund sind Schatten, die eine Fassade extrem bereichern, Simse plastischer machen oder einzelnen Zonen einen mysteriösen Touch geben. Steht die Sonne um die Mittagszeit im Zenit, ist nur wenig von diesen Schatten zu sehen und das Gebäude kann leicht „flach“ wirken.

Geht die Sonne gerade auf oder unter, ergibt sich zudem ein rötlicher Ton, der sich in der Architekturfotografie positiv niederschlägt. Nutzen Sie im Sommer also die Morgen- und Abendstunden, wenn Sie Gebäude fotografieren wollen.

Gebäude, die angestrahlt werden, fotografieren Sie am besten in der sogenannten blauen Stunde. Diese bezeichnet die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit. In dieser Phase bildet das Gebäude noch keinen störenden Kontrast vor schwarzem Hintergrund und das restliche Tageslicht gleicht die häufig unregelmäßige Beleuchtung aus.

Viele Gebäude bieten Details, die es lohnen, hervorgehoben zu werden oder ganz auf sie abzuheben. Ob auffällige Formen, Inschriften oder das Auge eines Wasserspeiers: Versuchen Sie, zur Abwechslung anstatt dem ganzen Gebäude solch interessante Details formatfüllend aufs Bild zu bringen, ob frontal, seitlich oder schräg. Mit einzelnen Ausschnitten von größeren Bauwerken können Sie sehenswerte Konstruktionen hervorheben, die ansonsten im großen Ganzen womöglich untergingen. Um Details und wichtige Teilkonstrukte am Motiv zu erkennen, sollten Sie das Gebäude außen von allen Seiten und je nach Motiv auch innen inspizieren.

Nutzen Sie ein Stativ, wenn Sie Gebäude fotografieren

In der Architekturfotografie haben Sie Zeit und sollten sich länger mit der perfekten Komposition und Ausführung beschäftigen. Dazu gehören viele verschiedene Aspekte, etwa die Einstellungen Ihrer Kamera, deren Ausrichtung oder der Standort, von dem aus Sie fotografieren. Um hier möglichst entspannt und exakt arbeiten zu können, empfiehlt sich ein Stativ. Das gilt erst recht, wenn Sie Nachtaufnahmen oder sonstige Fotos mit längerer Belichtungszeit machen wollen.

Verzichten Sie nicht gänzlich auf Bewegung

Gebäude an sich sind statisch, was sich in der Architekturfotografie niederschlägt. Komposition oder interessante Blickwinkel sind ihre Stärken, während Dynamik und Bewegung oft fehlen. Bewahren Sie sich diesbezüglich den Mut und die Freude am Ausprobieren. Versuchen Sie, auch beim Fotografieren von Gebäuden Bewegung zu integrieren. Lassen Sie dabei Ruhe und Statik im Großteil des Bildes vorherrschen, bewegte Objekte wie Passanten, Fahrradfahrer oder Autos dürfen nicht zur Hauptsache werden. Voraussetzung, dass sie solche Zusatzelemente überhaupt nutzen: Sie müssen Ihnen zum jeweiligen Hauptmotiv passend erscheinen. Ob Sie am Ende die Objekte durch lange Belichtungszeiten verwischen, sie sich in Glasflächen spiegeln lassen oder einen Fluss vor dem Gebäude miteinbeziehen: Hauptsache, das Foto gewinnt an Lebendigkeit.

Probieren Sie die Schwarz-Weiß-Variante aus

Es passiert immer wieder, dass gerade Gebäude auf Farbfotos allzu gewöhnlich oder nichtssagend aussehen. Versuchen Sie von Fall zu Fall, das jeweilige Bild in Schwarz-Weiß umzuwandeln.

Ein Mann in Schwarz-Weiß zwischen einer Symmetrie
Eine Schwarz-Weiß-Optik kann die Atmosphäre von Motiven entscheidend beeinflussen. (© 2017 Joshua K. Jackson/Pexels)

Am besten nehmen Sie diese Änderung erst nachträglich mit einem Bildbearbeitungsprogramm vor. Der Vorteil: Sie haben das Bild auch in der Farbversion noch auf der Kamera gespeichert und können sich für die schönste Variante entscheiden. Mehr zum Thema Bildbearbeitung erfahren Sie in unserem Ratgeber “Bildbearbeitung: 4 nützliche und kostenlose Programme”.

Bilder in diesem Stil haben oft einen dramatischen Effekt. Ob Brücken, Fassaden oder Türme: Plötzlich sieht das jeweilige Bauwerk bedrohlich oder wie aus der Zeit gefallen aus. Im selben Zug sollten Sie sich in der Nachbearbeitung den Kontrasten widmen. Verstärken Sie die dunklen Stellen oder nehmen Sie diese etwas zurück. Auch hier strahlt ein- und dasselbe Motiv mit einem Mal eine ganz andere Atmosphäre aus.

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