Dunkle Wolken am Himmel, tiefes Donnergrollen und dazwischen schießen grelle Blitze durch die Luft – Gewitter sind ein faszinierendes Naturschauspiel. Gerade die Blitze geben immer wieder ein faszinierendes Bild ab. Mit der richtigen Vorgehensweise können Sie diese Momente für später festhalten. Wir zeigen Ihnen, wie eindrucksvolle Blitz-Fotografie gelingt.

Diese Kamera-Ausrüstung brauchen Sie

Blitze sind ein anspruchsvolles Fotoobjekt. Sie entstehen nur unter bestimmten Bedingungen, sind sehr hell, aber auch sehr kurz. Soll das Foto gelingen, brauchen Sie eine darauf abgestimmte Ausrüstung. Dazu gehört:

  • Kamera: Ob Sie mit einer Sucher- oder Spiegelreflexkamera fotografieren wollen, spielt keine Rolle. Der Apparat muss aber manuell einstellbar sein. Das spielt für das richtige Einstellen von Schärfe, Blende und Verschlusszeit eine wichtige Rolle. Achten Sie darauf, dass die Batterien/Akkus voll sind und nehmen Sie im Zweifel einen frischen Ersatz mit.
  • Objektiv: Damit die Blitze eindrucksvoll zu sehen sind, sollte ein möglichst großer Teil des Himmels abgebildet werden können. Nehmen Sie deshalb bei einer Kamera mit Wechselobjektiven ein Weitwinkel-Objektiv mit einer möglichst kurzen Brennweite (ab 45 mm abwärts). Bei einer Kamera mit Zoom-Objektiv entsprechend die kürzeste Brennweite wählen.
Blitz-Fotografie mit manuell einstellbarer Kamera mit Weitwinkel
Die Kamera sollte manuell einstellbar sein und ein Objektiv im Weitwinkelbereich haben. (© 2017 Lumix / otto.de)
  • Stativ: Blitz-Fotografie erfordert relativ lange Belichtungszeiten. Wenn die Kamera sich nur ein wenig bewegt, wird das Bild unscharf. Ein stabiles Stativ ist deswegen wichtig.
  • Externer Auslöser: Blitze sind nicht kalkulierbar. Deswegen müssen viele Bilder gemacht werden, um eine schöne Auswahl zu bekommen. Ein Fern- oder Intervallauslöser erleichtert diese Arbeit und reduziert die Gefahr des Verwackelns, wie sie bei direktem Auslösen besteht.
  • Ergänzendes Zubehör: Gewitter bedeutet in der Regel schlechtes Wetter, es können Windböen oder Regen auftreten. Praktisch ist daher ein UV-Filter, der die Linse vor Wasserflecken (zum Beispiel Regentropfen) schützt. Ein Tuch zum Abwischen der Kamera oder ein Schirm als Wetterschutz sind ebenso sinnvoll. Wollen Sie tagsüber fotografieren, empfehlen wir zudem den Einsatz eines ND-Filters. Der Neutraldichte-Filter vermindert den Lichteinfall in das Objektiv und ermöglicht so längere Verschlusszeiten.
Fotografieren bei Nacht mit Stativ
Ein Stativ ist unverzichtbar, wenn scharfe Bilder mit Langzeitbelichtung gelingen sollen. (© 2017 Christian Schwier / Fotolia)

Von wo Blitze fotografieren? – Standort und Sicherheitsregeln

Blitze an sich sind schon eindrucksvoll. Aber mit dem richtigen Standort gelingen Ihnen besonders imposante Bilder. Suchen Sie sich beispielsweise einen Standort mit einem interessanten Vordergrund. Ein Blitz-Bild mit einer Stadt-Silhouette kann spannender sein als der Blitz allein.
Versuchen Sie zudem, vor oder neben dem Gewitter zu fotografieren. Wenn Sie hinter dem Gewitter sind, zieht es von Ihnen ab, die Blitze entfernen sich also und werden immer kleiner – das verringert die Chance auf ein schönes Motiv. Das gilt übrigens auch, wenn Sie bei Regen fotografieren. Regen bringt Störungen ins Bild und kann durch Reflexionen den Blitz buchstäblich verwischen.

Blitzaktivitäten finden mit speziellen Webseiten und Apps
Wo blitzt es gerade? Um Blitzaktivitäten zu finden, gibt es Online-Karten oder Apps. (© 2017 http://de.blitzortung.org/live_lightning_maps.php)

Wo finde ich Blitze zum Fotografieren?

Blitze fotografieren ist kein spontanes Vorhaben, sondern braucht etwas Vorbereitung. Es ist also hilfreich, frühzeitig zu wissen, wann und wo mit Blitzen zu rechnen ist. Ein Blick in den örtlichen Wetterbericht gibt hier erste Informationen. Speziell für Blitzvorhersagen ist die Webseite www.blitzortung.de. Hier können Sie live sehen, wo gerade Blitzaktivitäten sind.
Der Blitzspion des Unternehmens Siemens zeigt Blitze sowie deren Ausbreitung und Bewegungsrichtung auf einer Karte an. 155 verbundene Messstationen ermöglichen eine Ortung auf 100 Meter genau. Eine weitere Quelle zum Aufspüren von Blitzen ist Lightningmaps.org. Hier kann mittels einer Filmfunktion sogar geprüft werden, in welche Richtung ein Gewitter zieht. Auf der Website sind außerdem Links zu Apps für Android und iOS hinterlegt

Achtung: Blitze sind Starkstrom-Phänomene, die lebensgefährlich sein können. Wenn Sie draußen bei Gewitter fotografieren, sollten Sie einige Sicherheitsmaßnahmen bei der Standortwahl beachten:

  • Halten Sie ausreichenden Sicherheitsabstand zum Gewitter. Die Distanz lässt sich leicht abschätzen: Messen Sie die Zeit zwischen Donner und Blitz. Liegt sie bei circa 3 Sekunden, ist das Unwetter ungefähr einen Kilometer entfernt. Der Abstand sollte größer als 3 Kilometer sein, wenn Sie sich nach draußen begeben, um Blitze zu fotografieren.
  • Halten Sie sich nicht auf offenen Flächen oder erhöhten Positionen auf.
  • Fotografieren Sie nie von Wasserflächen aus.
  • Halten Sie Abstand zu hohen Masten, Bäumen oder Türmen.

Wenn es bedrohlich wird, retten Sie sich in ein festes Gebäude oder ein Auto. Notfalls gilt es, dem Blitz möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Das heißt: Füße zusammen, Kopf einziehen, die Arme eng an den Körper und hinhocken – möglichst auf einer nichtleitenden Fläche.

Mit diesen Einstellungen gelingt das Bild

Das eigentliche Fotografieren ist relativ einfach. Wenn Sie die folgenden Ratschläge beachten, sollten eindrucksvolle Blitz-Bilder möglich sein.

  • Bauen Sie die Kamera auf einem stabilen Untergrund auf dem Stativ auf.
  • Deaktivieren Sie einen eventuell im Objektiv verbauten Bildstabilisator. Er würde sonst immer versuchen, nicht vorhandene Bewegungen auszugleichen. Das verursacht Probleme mit der Bildschärfe.
  • Stellen Sie die Kamera auf manuelle Steuerung ein. So verhindern Sie, dass sich diese ungewollt auf schwankende Umweltbedingungen einstellt (zum Beispiel Helligkeitsschwankungen).
  • Bei einer digitalen Kamera sollte möglichst RAW als Bildformat gewählt werden. Es bietet gute Voraussetzungen für spätere Nachbearbeitungen des Bildes.
In Verbindung mit einem interessanten Vordergrund werden Blitz-Bilder besonders schön. (© 2017 Alexander / Fotolia)
  • Wählen Sie einen niedrigen ISO-Wert. Falls die Kamera es ermöglicht, ist beim nächtlichen Fotografieren ein ISO-Wert unter 200 gut, das vermindert störendes Bildrauschen. Der ISO-Wert beschreibt die eingestellte Lichtempfindlichkeit des Bildsensors/Filmes.
  • Sehr wichtig ist die Verschlusszeit. Um Blitze gut zur Geltung zu bringen, sind lange Verschlusszeiten nötig, um möglichst viel Licht einfangen zu können. Probieren Sie es mit Zeiten zwischen 4 und 30 Sekunden. Je länger die Zeit, desto mehr Blitze können eingefangen werden. Andererseits kann bei starker Blitzaktivität eine kürzere Zeit gegen Überbelichtungen sinnvoll sein.
  • Welche Blende beim Blitze fotografieren genommen werden sollte, lässt sich nicht pauschal sagen. Meistens passt eine Einstellung zwischen f/5.6 und f/8. Die Blende steuert die Lichtmenge, die durch das Objektiv auf den Bildsensor/Film trifft. Je kleiner die Blendenzahl, desto größer der Lichtdurchlass. Und je größer der Lichteinfall, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein, um Überbelichtungen zu vermeiden.
  • Bleibt noch das Einstellen der Schärfe. Viele Kameras stellen sich per Autofokus-Funktion (AF) selbst scharf. Das funktioniert grundsätzliche auch bei der Blitz-Fotografie. Nur wenn der Apparat ein Problem mit dem Scharfstellen hat (das erkennen Sie an ständigen Einstellungsbewegungen des Objektivs, das Probleme hat, sich auf einen festen Punkt zu fokussieren), sollten Sie auf Manuell umstellen und per Hand auf “Unendlich” fokussieren.

Bedenken Sie, dass Blitze ein unruhiges und kaum voraussehbares Bildmotiv sind. Es ist daher sinnvoll, mit einer Grundeinstellung – beispielsweise ISO 100, Blende 8, 15 Sekunden Auslösezeit – zu beginnen und dann mehrere Serien mit variierenden Einstellungen zu schießen. Bei einer Digitalkamera können Sie die Ergebnisse direkt im Display vergleichen. So finden Sie schnell die ideale Kombination an Einstellungen heraus.

Tipp: Ist das Bild zu dunkel, öffnen Sie die Blende stärker (kleinere Zahl). Danach kann eine zusätzliche Erhöhung des ISO-Wertes helfen. Bei Überbelichtung reduzieren Sie die Verschlusszeit.

Schöne Bilder von Blitzen mit etwas Grundwissen

Gewitter-Blitze sind ein eindrucksvolles Naturschauspiel, das Sie mit etwas Vorbereitung gut im Bild festhalten können. Dafür brauchen Sie nur eine auf manuelle Funktionen einstellbare Kamera mit Weitwinkel-Objektiv und möglichst ein Stativ. Mit langer Verschlusszeit, einem niedrigen ISO-Wert und einem guten Standort sollten Ihnen mit etwas Experimentieren mit den Einstellungen bald tolle Blitz-Bilder gelingen. Beim Fotografieren in Gewitternähe sollten Sie aber Ihrer persönlichen Sicherheit immer den Vorrang vor einem schönen Bild geben.

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