Eine gute Freundin will ihrem Partner ein ganz besonders sinnliches Fotobuch von sich schenken? Du hast eine Leidenschaft für Fotografie und möchtest schon länger interessante, neue Nischen erkunden? Dann shootet gemeinsam elegante und sinnliche Boudoir-Fotos. UPDATED gibt dir Tipps, wie du das Posing in Unterwäsche ästhetisch einfängst – und was dein Model zum Shooting mitbringen sollte.

Was ist Boudoir-Fotografie?

Um Verwechslungen zu vermeiden: Boudoir-Fotografie ist nicht dasselbe wie Aktfotografie. Die Bilder unterscheiden sich vor allem durch ihr Setting und ihre Atmosphäre. Während der Akt den nackten Körper in Szene setzt, zielt Boudoir auf sinnliche Posen in Unterwäsche vor meist mondäner Kulisse ab.

Hintergrund ist die Bedeutung des Wortes Boudoir. Im Frankreich des 18. und 19. Jahrhunderts bezeichnete es den Ankleideraum einer Dame von Stand. Entsprechend finden Boudoir-Shootings gern in luxuriös eingerichteten Hotelzimmern voller Antiquitäten statt. Das Model trägt reizvolle Unterwäsche und auffällige Accessoires wie Schmuck oder High Heels.

Die Fotos können das Model im Ganzkörperporträt oder auch nur einen Ausschnitt zeigen, beispielsweise ein Bein, über das gerade ein halterloser Nylon-Strumpf gezogen wird. Es soll erotisch sein, aber nie plump. Für den Fotografen bedeutet diese Situation: Fingerspitzengefühl und ein Spiel mit dem richtigen Licht.

Frau bei einem Boudoir-Shooting in einem hellen Zimmer mit weißem Himmelbett
Weiches Licht und eine schöne Kulisse: Boudoir-Fotografie lebt von ihrer speziellen Atmosphäre. (© 2019 Oksana_Bondar / Getty Images)

So wird der Boudoir-Stil abgelichtet

Für dich als Fotografen hält das Boudoir-Shooting einige Herausforderungen bereit. Das Model muss sich mit dir wohlfühlen und darf sinnliche Blicke und Posen vor der Kamera nicht scheuen. Das Setting sollte möglichst luxuriös und mondän wirken. Und dann ist da noch die Sache mit dem Licht. Orientiere dich an den folgenden Tipps, um wirklich ästhetische Unterwäsche-Bilder einzufangen.

Die passende Location

Informiere dich spätestens zwei bis drei Wochen vor dem angedachten Shooting-Termin über eine passende Location. Besonders Hotelzimmer, die mit Antiquitäten, Barock- oder auch Jugendstil-Möbeln eingerichtet sind, eignen sich ideal. Aber auch eine Suche nach einer Ferienwohnung oder einem einzelnen Zimmer mit entsprechendem Interieur lohnt sich.

Tipp: Weise dein Model darauf hin, dass für das Shooting möglicherweise ein Raum gebucht wird und dafür Kosten entstehen. Ist die Foto-Session ein Dienst unter Freunden und hat sie für euch beide einen persönlichen Nutzen, können die Kosten 50:50 geteilt werden. Falls das Model besondere Ansprüche hat, solltet ihr besprechen, ob es die Kulisse selbst auswählen will und auch die Kosten dafür trägt.

Antikes Sofa im Barock-Stil als Hintergrund für ein Boudoir-Shooting
Antik wirkende Polstermöbel wie Barock-Sofas eignen sich ideal, um das Boudoir-Feeling authentisch in die Fotos einzubauen. (© 2019 Studio-54-foto / Getty Images)

Das richtige Licht

Wenn du möglichst professionelle Fotos schießen möchtest, organisiere rechtzeitig vor dem Shooting die geeignete Beleuchtung. Wichtig für ein Boudoir-Shooting ist weiches Licht, das den Körper des Models besonders geschmeidig wirken lässt.

Dafür eignet sich neben natürlichem Tageslicht vor allem Licht, das per Softbox sanft gestreut wird. Falls du keine Softbox besitzt, kannst du sie für wenig Geld beispielsweise beim Kameraverleih mieten oder ein günstiges Modell kaufen. Auch eine Ringleuchte, die besonders auf Beauty-Fotografie ausgelegt ist, zeigt sich hier äußerst vorteilhaft.

Hartes und ungefiltertes Licht kann hingegen Spiele mit Licht und Schatten begünstigen. Sei dir aber darüber bewusst, dass es einen anderen, eventuell ungünstigen Effekt auf die Haut des Models hat. So wird jeder noch so kleine Makel stark betont und bedarf gegebenenfalls am PC einer umfassenden Retusche.

Tipp: Steht dir nur ungefiltertes Licht – etwa direktes Sonnenlicht oder eine Nachttischlampe – zur Verfügung, kannst du versuchen, es mit einem dünnen weißen Bettlaken abzuschwächen. So imitierst du kurzerhand eine Softbox.

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Das ideale Paar: Kamera + Objektiv

Das perfekte Licht ist eine Sache – wie du es einfängst, eine andere. Wichtig ist vor allem, dass du eine hochwertige Spiegelreflexkamera verwendest, um alle Details der komplexen Szene einzufangen. Dafür reicht aber schon ein Einsteigermodell aus, das bei ISO-Werten bis 400 relativ rauschfreie Bilder erzeugt.

Noch wichtiger ist das Objektiv: Es sollte lichtstark sein und eine möglichst geringe Brennweite besitzen, damit selbst in der Enge eines Zimmers ein weiter Abbildungswinkel möglich ist. Wenn möglich, wähle ein Objektiv mit 14 mm oder 18 mm. Eine Porträt-Linse mit 35 mm sollte die Obergrenze darstellen. Die Maximalblende sollte etwa f/5.6 erreichen – Blenden bis zu f/1.4 oder f/1.8 sind bei Detailaufnahmen vorteilhaft, aber kein Muss.

Für das Model: Tipps für das Boudoir-Shooting

Als Model solltest du dich genauso sorgsam auf das Boudoir-Shooting vorbereiten wie der Fotograf. Wichtig sind für dich vor allem:

  • Outfits: Bring mehrere Outfits mit, in denen du dich absolut wohlfühlst. Je mehr Auswahl du hast, desto mehr Möglichkeiten bieten sich dem Fotografen. Denk dabei auch an Accessoires wie Schmuck und High Heels.
  • Requisiten: Willst du wie eine Lolita mit der Unschuld spielen und mit einem Blumenstrauß posieren? Oder soll es ein etwas düsteres Motiv mit einem schwarzen Tuch aus Samt werden? Überlege dir vorab, in welche Rollen du schlüpfen willst und bring entsprechende Requisiten zum Shooting mit.
  • Haare + Make-up: Für das Boudoir-Shooting darfst du ruhig etwas dicker auftragen. Haare und Make-up sollen verführerisch sein. Scheu den Gang zum Friseur oder Visagisten nicht und lass dir gern ein aufsehenerregendes Abend-Make-up verpassen.

Die nötigen Einstellungen

Die besten Foto-Ergebnisse erzielst du, wenn du die Einstellungen an der Kamera von Hand vornimmst. Der Automatikmodus ist tabu, da er alle Teile des Bilds ausgewogen belichtet. Da die Boudoir-Fotografie ihren besonderen Reiz durch das Spiel mit Licht und Schatten entfaltet, ist dieser Modus hier die falsche Wahl.

Wähle den manuellen Modus (meist durch M an deinem Modus-Rad gekennzeichnet) und richte deine Einstellungen individuell nach der Umgebung und dem Licht, das in die Location einfällt, aus. Du kannst dich grob an folgenden Settings orientieren:

  • ISO: Wähle idealerweise einen ISO zwischen 200 und 400, abhängig von der Menge an Licht, die in das Zimmer einfällt. Bei einer großen Fensterfront, die ungefiltert Sonnenlicht einlässt, ist auch ein ISO 100 möglich. Sehr dunkle Räume können Werte bis 800 nötig machen – allerdings sollte dieser Wert nicht weiter überschritten werden.
  • Blende: Wähle eine Blende zwischen f/8 und f/12, wenn du das Model und die Kulisse scharf darstellen willst. Für Detailaufnahmen ist auch eine Blende ab f/5.6 bis f/2.8 in Ordnung. Allerdings sollten dann auch ISO und Belichtungszeit geändert werden, damit das Bild nicht überbelichtet wird.
  • Belichtungszeit: Für die Belichtungszeit gibt es keine allgemeingültige Angabe. Sie richtet sich ganz nach dem Umgebungslicht, deinem gewählten ISO und der eingestellten Blende. Versuche die Belichtungszeit so zu wählen, dass der angezeigte Wert an der Belichtungsskala (diese siehst du meist rechts unten, wenn du durch den Sucher schaust) knapp unter 0 rutscht.

Knipse einige Testfotos und ändere die Einstellungen individuell ab, bis du mit dem Ergebnis deiner Arbeit zufrieden bist. Fotografiere das Model aus mehreren Winkeln und ändere deine eigene Position immer wieder, um eine Reihe an verschiedenen Fotos zur Auswahl zu erhalten.

Bedenke dabei, dass sich mit dem Ändern deiner Position auch ein anderes Licht einstellen könnte. Entsprechend sollten die Einstellungen an der Kamera fortlaufend angepasst werden.

Frau zieht halterlose Strümpfe und Strapse für Boudoir-Shooting an
Mit einer geschlossenen Blende von f/11 wird auch eine Detailaufnahme großflächig scharf. (© 2019 Dmitry Belyaev / Getty Images)

Fotos bearbeiten: Boudoir-Stil verstärken

Ist das Shooting erfolgreich verlaufen, hast du eine Reihe an Fotos, die du am Computer sortierst und bestenfalls etwas bearbeitest. Der Boudoir-Stil lässt sich durch einige, wenige Anpassungen problemlos verstärken. Das sorgt für zusätzliche optische Reize.

Schwarz-Weiß mit hohem Kontrast

Tiefes Schwarz, reine Haut, leuchtende Rundungen: Indem du jegliche Farbe aus den Boudoir-Bildern tilgst, wirken sie besonders sinnlich. Beachte allerdings, dass dein Foto von vornherein Unterschiede in der Lichtgebung aufweisen sollte, um den vollen Effekt zu erzielen.

Tipp: Lies im Ratgeber Monochromes Arbeiten in Photoshop: Schwarz-weiße Bilder erstellen, wie du Bilder per Photoshop auf verschiedene Weisen schwarz-weiß “färbst”.

Schwarz-weißes Boudoir-Bild von Frau in Unterwäsche und Kniestrümpfen
(© 2019 javi_indy / Getty Images)

Leichte Entsättigung mit filigranem Grauschleier

Wer es etwas subtiler mag, kann dezent ein wenig Farbe aus seinem Foto nehmen und per Photoshop ein wenig am Versatz oder der Gamma-Korrektur schrauben. So fügst du einen zarten Grauschleier hinzu, der das Foto besonders märchenhaft wirken lässt.

Frau sitzt auf einem Bett und schließt ihren BH
(© 2019 bowie15 / Getty Images)

Vignettierung für Detailaufnahmen

Detailaufnahmen profitieren vor allem von einer leichten bis starken Vignettierung, abhängig davon, wie dramatisch der Effekt wirken soll. Ein dunkles Setting kann durch eine starke Vignette noch aufreizender wirken, ein helles Foto dagegen wird von einer leichten Vignette zart umspielt.

Tipp: Lies im Ratgeber Vignette: So erzielst du den coolen Effekt mit Photoshop wie du eine Vignette schnell und unkompliziert erzeugst.

Boudoir-Bild-Ausschnitt einer Frau in roter Corsage
(© 2019 Asian / Getty Images)

Mit Kreativität und guter Chemie zu schönen Boudoir-Fotos

Mit dem richtigen Licht, einem selbstsicheren Model und einem Schuss Kreativität entstehen in der intimen Atmosphäre eines Boudoir-Shootings einzigartige Aufnahmen. Achte als Fotograf dabei vor allem auf eine lockere Atmosphäre, spezielle Lichtquellen – weich oder hart – und deine eigene Position. Mit dem gewissen Auge für das Sinnliche entstehen so elegante und erotische Bilder der Extraklasse. Das freut das Model und dein Fotografen-Herz.