Schnell mal den Computer hochfahren. Eigentlich keine große Sache, doch dann drücken Sie auf den Einschaltknopf und es passiert: nichts. Alles bleibt still und dunkel. Oder auf dem Monitor erscheint eine seltsame Anzeige, Windows bleibt im Startvorgang stecken oder statt des gewohnten Geräusches beim Hochfahren gibt es nur Pieptöne zu hören. Zum Glück lassen sich viele derartige Störungen relativ leicht eingrenzen und teilweise auch beheben. Wir zeigen Ihnen drei der wichtigsten Ursachen für einen PC-Streik und geben Tipps, wie Ihr Rechner wieder in Schwung kommen kann.

Störungsursache 1: Kein Strom

Wenn Sie das Gerät einschalten und es passiert gar nichts – kein Licht leuchtet, kein Geräusch ist zu hören, der Monitor zeigt nichts an –, dann sollten sie zuerst die Stromzufuhr überprüfen . Um das Problem aufzudecken, arbeiten Sie sich am besten von der allgemeinen zur speziellen möglichen Fehlerquelle vor.

  • Hat die Steckdose Strom? Um das festzustellen, schließen Sie ein anderes Gerät an dieselbe Steckdose an oder den PC an eine andere Steckdose. Hat die fragliche Wandsteckdose keinen Strom, ist sehr wahrscheinlich die Sicherung herausgesprungen. Überprüfen Sie diese am Sicherungskasten und schalten Sie die Sicherung gegebenenfalls wieder ein. Testen Sie nun, ob der PC startet. Manche Geräte sind auch an Mehrfachsteckdosen mit eigenem Ein-/Aus-Schalter angeschlossen. Überprüfen Sie, ob dieser eingeschaltet ist.
  • Funktioniert das Netzkabel? Prüfen Sie den korrekten Sitz des Kabelsteckers in der Steckdose sowie des Steckers aufseiten des PC. Hilfreich wäre an dieser Stelle auch ein zweites Netzkabel. Dann können Sie durch einen Austausch prüfen, ob der fehlende Strom möglicherweise durch einen Schaden des Originalkabels verursacht wird.
  • Ist der Netzschalter eingeschaltet? Stationäre Computer haben auf der Rückseiten einen kleinen, zumeist schwarzen Kippschalter mit einer O/I-Kennzeichnung. Das ist der Schalter für das Netzteil des Geräts. Für den Betrieb muss die Seite mit dem „I“ heruntergedrückt sein.

Wenn diese Schritte nicht zum gewünschten Erfolg führen, haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Defekt im Netzteil. In diesem Fall ist in der Regel ein Austausch des Bauteils erforderlich. Manchmal ist auch das Mainboard, also die Hauptplatine, das Problem. In seltenen Fällen ist ein defekter Prozessor der Verursacher.

Störungsursache 2: BIOS- und Betriebssystemfehler

Bios-Fehler: Eine weitere häufige Störung ist, dass der PC zwar startet, aber nicht das Betriebssystem. Stattdessen bleibt der Startvorgang im BIOS hängen. Das BIOS ist das “Betriebssystem” der Hauptplatine des Computers. Es startet als Erstes und initiiert die nächsten Vorgänge und Funktionen. Sie erkennen das Problem daran, dass der Monitor zwar die BIOS-Startseite anzeigt (zu erkennen an der Anzeige der BIOS-Version und der F-Tastenauflistung für bestimmte BIOS-Funktionen) , es danach aber nicht weitergeht. Prüfen Sie folgende Punkte:

  • Versucht der PC von einem eingesteckten USB-Stick oder einer eingelegten CD/DVD zu starten, die nicht startfähig sind? Entfernen Sie diese und machen Sie einen neuen Startversuch.
  • Versucht der PC von einem internen Laufwerk zu starten, das kein Startlaufwerk ist? Um das festzustellen, müssen Sie das BIOS aufrufen:
  1. Wenn der PC hochfährt, wird ein paar Sekunden angezeigt, welche Taste das Bootmenü aufruft. Hier ist festgelegt, in welcher Reihenfolge das BIOS Laufwerke startet. In diesem Zeitraum müssen Sie diese Taste drücken. Bekannte Bootmenü-Tasten sind je nach Bios-Hersteller F2, F8, F9, F10, F11, F12, Escape, Tab und Alt. Notieren Sie sich im Zweifel die richtige Taste und starten Sie noch einmal, um sie rechtzeitig drücken zu können.
  2. Suchen Sie die Einstellungen für die Startreihenfolge der Laufwerke. Meist findet sich diese unter dem Reiter Boot beim Punkt Boot Device Priority. Der BIOS-Aufbau und die Bezeichnungen unterscheiden sich etwas von Hersteller zu Hersteller. Da der Aufbau aber nicht sehr groß und klar gegliedert ist, findet sich der richtige Bereich schnell.
    Screenshot BIOS Reiter
    (© 2017 UPDATED)

    Screenshot BIOS Boot Device
    Bei diesem BIOS von American Megatrends müssen Sie den Reiter “Boot” auswählen, um die Startreihenfolge einzustellen. Dieser Rechner startet nicht, weil ein externes USB-Laufwerk ohne Betriebssystem als “1st Boot Device” eingestellt ist. (© 2017 UPDATED)
  3. Kontrollieren Sie, ob alle installierten Laufwerke angezeigt werden und in welcher Reihenfolge. Das Startlaufwerk muss als “1st Boot Device” eingestellt sein. Sichern Sie die Einstellung durch Drücken der F10-Taste und starten Sie neu. Achtung: Im Bootmenü ist nicht erkennbar, auf welcher Festplatte das Betriebssystem installiert ist. Wenn Sie das entsprechende Festplattenmodell nicht kennen, müssen Sie den Prozess mit unterschiedlichen Reihenfolgen durchspielen. Da in privaten PCs selten mehr als drei Festplatten eingebaut sind, ist das nicht aufwendig. Falls im Bootmenü nicht alle Festplatten angezeigt werden: Manchmal kann ein Stoß oder eine Erschütterung den Anschluss an die Hauptplatine lockern, die Platte wird dann nicht erkannt. In diesem Fall schalten Sie den PC ab, trennen ihn vom Stromnetz und öffnen ihn. Achtung: Vielleicht sind Sie elektrostatisch aufgeladen, das könnte die empfindlichen Bauteile im Inneren beschädigen. Bevor Sie etwas anfassen, bauen Sie also die Ladung zum Beispiel durch Berühren eines Metallteils, beispielsweise eines Heizkörpers, ab. Prüfen Sie nun den korrekten Sitz des Datenkabels und der Stromversorgung der Festplatten, schließen Sie den PC und kontrollieren Sie die Bootmenü-Anzeige.
  4. Läuft der Rechner immer noch nicht, könnte ein zusätzliches Zurücksetzen des BIOS („BIOS Reset“) auf die Standardeinstellungen nötig sein. Die Einstellung findet sich im BIOS oft unter dem Reiter Exit als Load Setup Defaults.

Betriebssystemfehler: In einigen Fällen passiert der Startvorgang problemlos das BIOS, aber bleibt beim Starten des Betriebssystems hängen. Dann gibt es an dieser Stelle ein Softwareproblem mit Windows, das durch Reparatur oder Neuinstallation des Systems zu lösen ist. Dafür brauchen Sie ein separates Startmedium: Entweder den Datenträger mit den Installationsdateien Ihres Systems (für Reparatur oder Neuinstallation) oder ein sogenanntes Rettungsmedium (nur Reparatur): CDs, DVDs oder USB-Sticks, die eigene kleine Betriebssysteme und Diagnose- und Hilfsprogramme enthalten. Sie finden im Internet verschiedene, auch kostenlose Programm-Zusammenstellungen, die Sie nach dem Herunterladen von einem anderen internetfähigen PC auf einem geeigneten Datenträger installieren können. Beispiele wären Ultimate Boot CD oder Paragon Rescue Kit free. Stellen Sie dafür – wie oben beschrieben – sicher, dass das “Rettungs”-Laufwerk im Bios-Bootmenü als erstes Startlaufwerk eingestellt ist.

Bildschirm Windows Starthilfe
Diese Anzeige will niemand bekommen, weil sie auf ein Problem mit Windows hinweist. (© 2017 UPDATED)

Mit einem Rettungsmedium können Sie nun vorab eine Datensicherung auf einen anderen Datenträger durchführen und dann mit einem der enthaltenen Diagnose- und Reparaturprogramme eine Systemreparatur versuchen. Bei der Neuinstallation brauchen Sie nicht unbedingt Ihre Originaldateien, Sie können sich auch von Freunden einen Installationsdatenträger ausleihen. Wichtig ist aber die Verwendung einer gültigen Produktnummer, die bei der Installation einzugeben ist. Das kann die Ihres bisherigen Systems sein oder eine neu erworbene.

Image-Datei als Datensicherung erleichtert Betriebssystem-Reparatur

Für das Erstellen einer Image-Datei gibt es kostenlose Programme. Sie speichert den gesamten Festplatteninhalt einschließlich aller Strukturen – man könnte sie wie eine Momentaufnahme der Festplatte verstehen. Das Zurücksichern stellt in einem Vorgang den tatsächlichen Zustand der Festplatte zum Zeitpunkt der Dateierstellung her. Mit einem aktuellen Image ist die Betriebssystem-Reparatur also mit minimalem Aufwand möglich. Windows 7, 8 und 10 haben ein ähnliches Programm zur Erstellung eines Wiederherstellungslaufwerks integriert. Die Funktion finden Sie durch Aufrufen der Systemsteuerung unter dem Punkt Wiederherstellung.

Störungsursache 3: Hardwarefehler

Es ist ganz normal, wenn beim Hochfahren des PCs einmal ein Piepton ertönt. Aber wenn der Rechner nicht startet und bei dem Versuch diverse Töne hörbar sind, hat der Computer ein Problem mit einer der eingebauten Komponenten festgestellt. Jede Piepton-Folge hat dabei eine besondere Bedeutung, die auf die Fehlerquelle hinweist. Welche das ist, variiert je nach BIOS-Hersteller. Bekannte Anbieter sind AMI, Award, IBM und Phoenix. Von wem Ihr BIOS stammt, erfahren Sie aus der technischen Beschreibung des PCs, aus einer entsprechenden Anzeige beim Starten oder durch Aufrufen des BIOS selbst. Auslöser der Piepser können die folgenden Bauteile sein:

  • Netzteil
  • Grafikkarte
  • Arbeitsspeicher-Karte
  • Hauptplatine (Motherboard)
  • Prozessor
  • Pufferbatterie (CMOS-Batterie)
  • Lüfter

Eine ausführliche Liste mit allen BIOS-Signaltönen der verschiedenen Hersteller sowie deren Bedeutung finden Sie beispielsweise bei Wikipedia. Prüfen Sie das betroffene Bauteil auf den korrekten Einbau und Anschluss durch vorsichtiges Drücken oder Wackeln an Arretierungen/Steckern. Wenn kein Problem zu erkennen ist und das Piepsen bestehen bleibt, ist meistens ein Austausch des Teils nötig. Bei neueren Geräten sollte das der Verkäufer machen, um etwaige Garantieansprüchen nicht zu gefährden.

Einbau neuer Arbeitsspeicher
Bei einem Hardwarefehler sollte gut überlegt werden, ob die Störung selbst behoben werden kann. (© 2017 Aleksei Lazukov/Fotolia)

Viel Selbsthilfe möglich, aber manchmal ist ein Fachmann sinnvoll

Computer sind heutzutage alltägliche Werkzeuge. Dabei wird leicht vergessen, dass sie sehr komplexe und auch empfindliche Konstruktionen sind. Dementsprechend vielfältig können die Ursachen für eine Fehlfunktion sein. Am leichtesten festzustellen und zu beheben sind die Probleme mit der Stromversorgung und falsche BIOS-Einstellungen. Ein gestörtes Windows-System neu zu installieren, ist dank vorgegebener Schritte einfach. Damit gehen allerdings alle bisherigen Einstellungen, Programme, Systemaktualisierungen und andere Daten verloren. Das wiederherzustellen macht viel Arbeit. Unser Tipp: Erstellen Sie regelmäßig vom funktionierenden Windows-Laufwerk ein sogenanntes Image als Datensicherung. Je kürzer die Intervalle, desto aktueller die Sicherung - aber schon wöchentlich auf einen ausreichend großen USB-Stick oder eine externe Festplatte (ab ca. 50 GB) ist im Notfall sehr hilfreich.

 

Hardwarefehler sind die anspruchsvolleren Probleme. Technisch weniger geübte Nutzer sollten gut überlegen, ob sie die betroffene Komponente selbst austauschen können. Im Zweifel sollte das immer ein Fachmann machen. Aber mit unseren Tipps haben Sie eine gute Chance, den PC auch in Eigenregie wieder zum Laufen zu bringen.

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