Im Dämmerlicht verwackelt das Foto, der helle Hintergrund verschluckt jedes Detail im Bild, und die Mittagssonne wirft harte Schatten aufs Gesicht – es gibt Situationen, da kann nur ein Blitz ein Foto retten. Wie Sie diesen richtig einsetzen, typische Fehler vermeiden und wann sich ein Aufsteckblitz lohnt, erklären wir Ihnen hier.

Wann der Blitz für bessere Fotos sorgt

Eine zusätzliche Lichtquelle in Form eines Blitzgeräts kann aus einem schlechten ein gutes Foto machen. Dies sind die wichtigsten Einsatzmöglichkeiten eines Blitzgeräts im Alltag:

  • Dunkelheit: Ohne Licht kann es keine Fotos geben. Wenn Sie den ISO-Wert bereits hochgestellt, die Blende geöffnet und die Belichtungszeit verkürzt haben, die Bilder aber trotzdem noch zu dunkel sind, hilft der Blitz. Wie Sie die genannten Einstellungen richtig vornehmen, erklären wir in unserem Ratgeber Belichtungszeit richtig einstellen.
  • Mittagssonne: Hier gibt es zwar genügend Licht, da es jedoch genau von oben kommt, sorgt es vor allem bei Porträts für ungünstige Schatten unter den Augen. Um diese zu vermeiden, nehmen Sie den Blitz zu Hilfe.
  • Mischlicht: Insbesondere vor einem hell beleuchteten Hintergrund, etwa einer Werbetafel oder einer Sehenswürdigkeit, benötigen Sie eine zusätzliche Ausleuchtung für Personen oder Objekte im Vordergrund.
Blitz sorgt für perfekte Ausleuchtung von Fotos
Dank des Kamerablitzes ist das Gesicht gut ausgeleuchtet. (© 2017 Thinkstock/Julie)

Aufsteck- vs. Einbaublitz

TTL und Systemblitz – was steckt hinter den Begriffen?

Beim Kauf eines Blitzgeräts werden Sie auf den Begriff Systemblitz und die Abkürzung “TTL” stoßen. Ein Systemblitz ist ein auf die jeweilige Kamera zugeschnittenes Gerät. Dadurch kann die Kamera die Einstellungen am Aufsteckblitz steuern. Die heutzutage dafür verwendete Technik nennt sich TTL: “Through The Lens” beziehungsweise “durch das Objektiv”. Das Kameraobjektiv misst dabei direkt Blitz- und Umgebungslicht und übermittelt sie an das Blitzgerät, wo dann die optimale Ausleuchtung eingestellt wird.

Das bietet den entscheidenden Vorteil, dass Sie sich um die meisten Einstellungen am Blitz nicht selbst zu kümmern brauchen. Achten Sie beim Kauf eines Systemblitzes darauf, dass das jeweilige Gerät mit Ihrer Kameramarke kompatibel ist.


Eine Kamera verfügt in der Regel über einen eingebauten Blitz. Im Automatik-Modus schaltet sie diesen selbstständig hinzu, sobald ihr zu wenig Licht zur Verfügung steht. Alternativ nutzen Sie ein externes Blitzgerät. Dieses montieren Sie entweder auf die Kamera oder verwenden es von ihr getrennt. Spiegelreflex- und spiegellosen Kameras lassen sich in der Regel mit einem externen Blitz verbinden. Für welche Alternative Sie sich entscheiden, hängt vom gewünschten Einsatz ab.

Im Folgenden haben wir die Vor- und Nachteile beider Modelle aufgelistet:

Einbaublitz

+ Bereits vorhanden, verursacht weder zusätzliche Kosten noch Gewicht und ist schnell einsatzbereit.
+ Die Kamera übernimmt die Steuerung.
- Lässt sich nicht ausrichten oder anpassen.
- Belichtet das Motiv immer frontal.
- Belastet die Batterie der Kamera.
- Geringe Leistung, bei Weitwinkelobjektiven kann es zu dunklen Rändern kommen.

Aufsteckblitz

+ Individuell einstellbar und somit vielseitig einsetzbar.
+ Verfügt über eine eigene Energiequelle.
- Zusätzliche Anschaffungskosten und Gewicht.

Aufsteckblitz für professionelle Fotos
Ohne Aufsteckblitz geht’s in der professionellen Fotografie nicht. Durch seine Einstellmöglichkeiten lässt er sich vielseitig einsetzen. (© 2017 Thinkstock/blackday)

Die richtigen Einstellungen beim Aufsteckblitz

Der eingebaute Blitz mag im Notfall praktisch sein, denn grundsätzlich gilt: Lieber einmal auf das passende Licht verzichten, als den perfekten Augenblick für ein Foto verpassen. Greifen Sie trotzdem, wenn möglich, lieber auf den Aufsteckblitz zurück. So setzen Sie ihn ein:

Den Blitz ausrichten

Durch die Ausrichtung des Blitzes lässt sich sein Effekt entscheidend beeinflussen.

  • Mittels Scharnier kann man ihn nach vorn, oben oder hinten kippen. Diese Ausrichtung bestimmt die Beleuchtung des Motivs.
  • Wird der Blitz “entfesselt” (siehe Kasten), kann er auch von der Seite oder von hinten das Motiv beleuchten.

Den Blitz entfesseln – so geht’s

Wird der Aufsteckblitz nicht aufgesteckt, sondern von der Kamera abgelöst benutzt, spricht man vom Entfesseln des Blitzes. Dieser wird in der Regel über ein Kabel mit der Kamera verbunden, sodass sich die Steuerung wie gewohnt automatisch oder manuell vornehmen lässt. Das Motiv kann der Nutzer somit auch von der Seite oder von der Rückseite aus beleuchten. Das sorgt besonders bei Porträts für schönere Effekte, da eine frontale Beleuchtung die Gesichter zu flach und breit wirken lassen würde.

Entfesselter Blitz vermeidet flache Fotos
Die seitliche Ausleuchtung des Modells gibt dem Foto mehr Tiefe. (© 2017 Thinkstock/Ridofranz)

  • Für eine indirekte Ausleuchtung richten Sie den Blitz nach oben oder hinten, sodass das Licht zunächst an die Decke oder eine Wand trifft und dann reflektiert wird.
  • Beachten Sie bei der Ausrichtung die Entfernung zum Blitz: Je weiter ein Objekt weg ist, desto weniger hell wird es ausgeleuchtet.

Den Blitz einstellen

Bei einem Systemblitz können Sie die Blitzsteuerung der TTL-Blitzmessung überlassen. Hier erfasst die Kamera die Lichtmenge und stoppt den Blitz, sobald er genügend Licht abgegeben hat. Achten Sie darauf, dass auf dem Display des Blitzgeräts nur TTL (je nach Hersteller auch I-TLL oder E-TTL) steht. Steht dort hingegen -1EV oder +1EV, ist die Automatik nicht eingestellt.

Manuell lässt sich bei einem Blitz die Blitzleistung auch in Stufen regeln. 1/1 bietet dabei die maximale Blitzleistung, 1/2 die halbe, 1/64 stellt in der Regel die kleinste dar. Hier wird die Leuchtdauer des Blitzes entsprechend verkürzt, was auch die Lichtmenge verringert, die auf dem Kamerasensor ankommt. Sind Ihnen die Bilder zu hell, regeln Sie hier also einfach eine Stufe herunter.

Die Kamera einstellen

Versuchen Sie grundsätzlich, alle Einstellungen so vorzunehmen, dass Sie auch ohne Blitz ein gutes Foto erhalten würden. Das gilt insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen. Denn gelangt auch außer dem Blitz viel Licht auf den Kamerasensor, tritt der Blitz in den Hintergrund und das vorhandene Licht in den Vordergrund. Das sorgt für natürliche Bilder. Wie genau Sie die Einstellungen im manuellen Modus vornehmen, erfahren Sie ausführlich in unserem Ratgeber Belichtungszeit richtig einstellen. Hier die Kurzform für schlechte Lichtverhältnisse:

  • Stellen Sie den ISO-Wert so hoch wie möglich ein, ohne dass das Bild grobkörnig wird. In der Regel ist das 800.
  • Öffnen Sie die Blende möglichst weit. So dringt viel Licht durch das Objektiv. Bedenken Sie aber, dass ab einer Einstellung unter f/3,6 nur der Fokuspunkt scharf ist, während der Rest zunehmend verschwimmt.
  • Eine lange Belichtungszeit bringt zusätzlich viel Licht auf den Kamerasensor. Hier die Faustregel: Halten Sie die Kamera in der Hand, darf die Belichtungszeit maximal den Umkehrwert der Brennweite betragen. Mit einem 50-mm-Objektiv können Sie also eine Belichtungszeit von 1/50 Sekunde ohne Stativ fotografieren, bei einer längeren Belichtungszeit verwackelt hingegen das Bild.

Typische Fehler beim Blitzen vermeiden

Flache Bilder und weiße Gesichter: Ist der Vordergrund des Bildes stark überbelichtet, während der Hintergrund dunkel ist, spricht man von einem starken Helligkeitsabfall und einem flachen Bild. Grund hierfür ist ein sehr heller und frontal auf das Motiv ausgerichteter Blitz. Vermeiden können Sie dies so:

  • Verändern Sie die Kameraeinstellungen, sodass das Blitzlicht in den Hintergrund rückt.
  • Entfesseln Sie den Blitz, und leuchten Sie das Motiv von der Seite aus.
  • Leuchten Sie das Motiv indirekt aus, indem Sie den Blitz auf eine Wand, die Decke oder einen Reflektor zeigen lassen.

Harte Schatten: Licht wirft Schatten. Das ist auch bei einem Blitz nicht zu vermeiden. Möchten Sie weniger dunkle Schatten, können Sie diese Tricks anwenden:

  • Ändern Sie die Position des Modells: Steht eine Person etwa direkt vor einer Wand, wird der Schatten härter sein, als wenn dazwischen etwas Abstand liegt.
  • Leuchten Sie das Motiv mit weiteren Lichtquellen auch von anderen Seiten an, um den Schatten zu neutralisieren.
  • Blitzen Sie indirekt: Indem das Licht zunächst auf eine Wand oder einen Reflektor trifft, kommt es weicher beim Objekt an und wirft somit auch weniger harte Schatten

Spiegelungen: Wird ein Aufsteckblitz direkt auf das Motiv gerichtet, kann es zu Spiegelungen kommen. Dann zeigt sich das Blitzlicht etwa auf der Stirn oder Nasenspitze der Person. So lässt sich dieses Problem vermeiden:

  • Halten Sie den Blitz nicht direkt auf die Person vor der Kamera, sondern leuchten Sie sie indirekt aus.
  • Nutzen Sie eine Softbox. Hierzu können Sie entweder eine kleine Abdeckung aus milchigem Plastik über den Blitz schieben. Oder Sie stecken bei einem entfesselten Blitz eine Art Schirm vor den Blitz. Beides dient dazu, das Licht weicher oder weniger gebündelt abzugeben. Haben Sie weder das eine noch das andere zur Hand, können Sie auch ein Taschentuch über den Blitz legen und mit einem Haargummi befestigen.

Taschensonne für alle Fälle

Der Blitz kann ein Foto retten – oder zerstören. Vielen Fotografie-Einsteigern macht gerade Letzteres Angst. Dabei ist die richtige Nutzung des Aufsteckblitzes nur eine Übungsfrage, so wie eigentlich alles andere in der Fotografie auch. Entscheidend für die richtige Ausrichtung des Blitzes ist es, dass Sie verstehen, wie sich das Licht verhält. Dass es etwa von dunklen Flächen schwächer reflektiert wird als von hellen. Oder dass ein frontal ausgerichteter Blitz etwa so “vorteilhaft” ist wie eine auf ein Gesicht gerichtete Taschenlampe. Machen Sie sich durch einige Probe-Shots mit Ihrem Blitzgerät vertraut, dann werden Sie mit der Zeit ein gutes Gefühl für das Licht entwickeln. Dann haben Sie mit der kleinen Taschensonne immer ein Ass im Ärmel beziehungsweise in der Fototasche. Denn das natürliche Licht kann Ihnen keinen Strich mehr durch ein geplantes Fotoshooting oder einen spontanen Schnappschuss ziehen.

Fotografieren mit Blitz TTL
Kinderleicht: Dank TTL-Technik sind die Systemblitzgeräte ebenso einfach steuerbar wie ein eingebauter Blitz – nur mit besserem Ergebnis. (© 2017 Thinkstock/Primastock)

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