Fotografieren ist kein Hexenwerk. Allerdings sollten Sie ein paar Regeln einhalten, damit Ihre Bilder gut werden. Diese elf Tipps sind professionellen Fotografen längst in Fleisch und Blut übergegangen – und werden Ihnen immer wieder helfen, dass Ihre Fotos besser gelingen.

Was ist bei den Kameraeinstellungen wichtig?

Ganz egal, welche Qualität Ihre Kamera hat: Sie allein sorgt auf keinen Fall dafür, dass Ihnen gute Fotos gelingen. Dafür gibt es einige Tipps, die Ihnen bei den Einstellungen der Kamera helfen, optimal für die jeweilige Aufnahmesituation gerüstet zu sein. Die Basics finden Sie hier: Grundlagen der digitalen Fotografie: Tipps für Einsteiger.

1. Blende acht bei hellem Licht

Der Spruch „Die Sonne lacht, nimm Blende acht“ hat nach wie vor seine Gültigkeit. Der Hintergrund stammt aus alten Zeiten: Für einen Film mit damals üblichem Empfindlichkeitswert war die Belichtung mit Blende 8 bei einer 1/125 Sekunde so etwas wie die beste Empfehlung für Bilder bei direkter Sonneneinstrahlung.

Noch heute sorgt diese Blendeneinstellung dafür, dass bei hellem Licht möglichst viele Details erhalten bleiben. Wählen Sie dagegen ein automatisches Belichtungsprogramm Ihrer Kamera, werden in vielen Fällen die Farben verfälscht.

2. Offene Blende bei Bewegung

Wollen Sie ein Motiv in Bewegung fotografieren, sollten Sie eine möglichst offene Blende wählen. Es gilt: desto offener die Blende, desto kleiner die Blendenzahl und desto kürzer die Verschlusszeit.

Kurze Verschlusszeiten wiederum sorgen dafür, dass Bewegungsunschärfen vermieden und selbst schnelle Bewegungen eingefroren werden. Das Ergebnis: Auf Ihren Fotos werden Objekte in Bewegung scharf dargestellt.

Ein Basketballspiel perfekt eingefrohren
Eine kleine Blendenzahl friert selbst schnelle Bewegungen zuverlässig ein. Diese Szene wurde mit einer Blende von 3,2 aufgenommen. (© 2017 Pixabay/Pexels)

3. Offene Blende, verschwommener Hintergrund – geschlossene Blende, große Schärfentiefe

Umso offener die Blende und umso kleiner damit die Blendenzahl ist, zum Beispiel 2,8, desto mehr verschwimmt der Hintergrund. Ein Effekt, der sich für viele Motive anbietet, zum Beispiel Portraits. Umgekehrt nimmt die Schärfentiefe immer mehr zu, je geschlossener die Blende und größer die Blendenzahl ist, etwa 8 bis 11.

Benutzen Sie eine große Blende, sollten Sie entsprechend die Verschlusszeit oder die ISO-Zahl erhöhen. Gehen Sie mit der Verschlusszeit nach oben, fällt mehr Licht auf den Sensor. Erhöhen Sie die ISO-Zahl, wird die Lichtempfindlichkeit Ihres Bildsensors gesteigert.

4. Vorsicht bei der ISO-Zahl

Wenn Sie gern auf den Blitz verzichten, greifen Sie – nach dem Öffnen der Blenden und Erhöhen der Verschlusszeit – auf höhere Werte bei der ISO-Einstellung zurück. Vergessen Sie nicht: Je nach Kamera beginnt es ab ISO 800 bis 1600 kräftig zu rauschen, und das Bild wird körniger.

5. RAW-Format nutzen

Wenn Ihnen Ihre Digitalkamera ermöglicht, die Bilder unkomprimiert im RAW-Format zu speichern, sollten Sie diese Option nutzen. Das braucht zwar mehr Speicherplatz, dafür verlieren die Bilder nicht an Qualität.

Beim RAW-Format bleiben die Bilder im unveränderten Zustand und sämtliche aufgenommene Licht- und Farbwerte werden ohne weitere Bearbeitung durch die Kamerasoftware auf der Karte gespeichert.

Anders zum Beispiel beim JPG-Format. Hier übernimmt die Kamera die Einstellungen und speichert das Bild komprimiert ab. Sind Sie später mit Farbwahl und Dynamik nicht zufrieden und korrigieren die Bilder, führt das zum Datenverlust einzelner Pixel.

Für das RAW-Format gilt allerdings auch: Es ist stets eine Nachbearbeitung notwendig. Wie diese funktioniert, lesen Sie hier: RAW-Bilder bearbeiten: Tipps und Programme.

Was sollte ich beim Thema Licht beachten?

Licht und Fotos gehören zusammen wie eineiige Zwillinge. Sie werden auf unzählig viele unterschiedliche Lichtbedingungen treffen, die Ihnen ein gutes Bild entweder erleichtern oder erschweren. Diese Tipps sollten Sie dabei beachten.

Der Himmel in verschiedenen Farben beim Sonnenuntergang
Die Lichtstimmung bestimmt den Charakter des Fotos wie kaum ein anderer Aspekt. (© 2017 Instagram Publishing/Thinkstock)

6. Goldene Stunde, Mittagspause und Blaue Stunde

Die Stunde nach Sonnenaufgang und vor dem Sonnenuntergang wird in der Fotografie als Goldene Stunde bezeichnet. In dieser Phase steht die Sonne tief, die Schatten sind lang und alles wird in ein orange-rötliches Licht getaucht, das viel Atmosphäre schafft. In der Mittagszeit hingegen, wenn die Sonne am höchsten steht, herrscht oft zu starkes Licht. Dieses kann dunkle Bereiche des Bildes verschlucken und helle Zonen überbelichten.

Machen Sie bei solchen Bedingungen lieber Mittagspause und fotografieren Sie erst anschließend weiter. Die Blaue Stunde bezeichnet die Zeit, in der die Sonne untergeht. Hier ist der Himmel besonders blau, die Kontraste sind abgemildert und das Licht sorgt für eine besonders weiche, angenehme Stimmung. Um herauszufinden, wann in der jeweiligen Region die genannten Zeitabschnitte beginnen und enden, lassen sich mittlerweile entsprechende Apps nutzen.

7. Blitz sparsam benutzen

Zunächst mal gilt: Benutzen Sie nur den Blitz, wenn es gar nicht anders geht. Der Grund: Mithilfe des Blitzes gute Fotos zu machen, ist eine echte Kunst. Insbesondere beim direkten Blitz werden Motive wie zum Beispiel Gesichter heftig überbelichtet. Versuchen Sie, einen Blitz zu benutzen, mit dem sich indirekt blitzen lässt. So lassen sich zum Beispiel kleine Aufsteck-Reflektoren mit wenig Aufwand selber bauen. Üben Sie diese Vorgehensweise, damit Sie im Ernstfall die richtige Lichtstimmung erzeugen können.

Was ist maßgeblich für Perspektive und Hintergrund?

Wer bei Perspektive oder Hintergrund zu unaufmerksam ist, wird kaum je ein Foto produzieren, das hohen Ansprüchen standhalten kann. Es lohnt sich, bei diesen beiden Aspekten viel Energie zu investieren, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erhalten.

Ein Wald von unten fotografiert
Die Perspektive von unten nach oben lässt das Motiv meist mächtig und dynamisch erscheinen. (© 2017 Instagram Publishing/Thinkstock)

8. Perspektive und Hintergrund wertschätzen

Eine wirkungsvolle Perspektive muss in vielen Fällen erst erarbeitet werden. Prüfen Sie sämtliche Aufnahmepositionen, ob von oben, aus den Knien, liegend oder aus schwierigem Gelände heraus. So sollten Sie zum Beispiel beim Fotografieren von Kindern immer in die Knie gehen und sich mit der Kamera auf Augenhöhe des Kindes befinden. Auch wenn es je nach Motiv anstrengend sein kann: Am Ende wird sich dieser Einsatz lohnen und Sie erhalten einen Blickwinkel, aus dem Sie Ihr Motiv faszinierend fotografieren können.

Auch den Hintergrund sollten Sie nicht vernachlässigen. Meistens ist dieser genauso wichtig wie Ihr Motiv selbst. Es sollte einerseits nicht ablenken und das Hauptmotiv unterstützen. Andererseits ist der Hintergrund - etwa ein wolkenverhangener Himmel - ein wichtiger Teil des Gesamtbildes, der entscheidend die Gesamtwirkung beeinflussen kann. Fotografieren Sie beispielsweise ein Schiffswrack, trägt ein düsterer Himmel zur gespenstischen Atmosphäre bei.

Mit welcher Vorgehensweise gelingen bessere Fotos?

Viele Fotografen stecken bisweilen so sehr im Schaffensprozess, dass sie selbst einfache Grundregeln über Bord werfen oder schlichtweg vergessen. Hier drei wichtige davon, die Sie stets im Hinterkopf haben sollten.

9. Haben Sie Geduld

Profis nehmen sich im Allgemeinen sehr viel mehr Zeit für Ihre Bilder als Amateure. Versuchen auch Sie, dem Drang zu widerstehen, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu knipsen. Gute Bilder brauchen oft das entscheidende Quäntchen Geduld, damit sie gelingen. Wenn Sie etwa eine Straßenszene fotografieren wollen, wählen Sie den für Sie relevanten Ausschnitt und die für Ihr Motiv perfekte Perspektive. Haben Sie anschließend genügend Geduld, bis sich die besten Bedingungen, etwa eine gehende Person oder ein fahrendes Auto, für Ihr Motiv ergeben.

Weshalb sollte ich Menschen fotografieren?

Fotografien von ruhenden Objekten, Landschaftsaufnahmen zum Beispiel, sind für die meisten Fotografen recht leicht zu bewerkstelligen. Der Klassiker etwa, ein Sonnenuntergang, ist schon von Abermillionen von Profi- oder Amateurfotografen exzellent festgehalten worden. Wer dagegen Menschen fotografieren will, hat bei den meisten Gelegenheiten weitaus weniger Ruhe und Kontrolle. Versuchen Sie dennoch, sich dieser Situation auszusetzen. Arbeiten Sie daran, trotz aller Erschwernisse Motive für gute Bilder mit Personen zu finden und diese zu fotografieren. Sie werden feststellen, dass Sie eine Entwicklung machen, die spannende und außergewöhnliche Fotos von Menschen hervorbringt.

10. Machen Sie viele Aufnahmen

Versuchen Sie nicht, beim Speicherplatz zu sparen. Lichten Sie ein und dasselbe Motiv ruhig mehrmals ab und nutzen Sie dabei unterschiedliche Aufnahmemöglichkeiten. Das kann eine andere Perspektive, ein anderer Ausschnitt oder eine andere Einstellungen an Ihrer Kamera sein. So wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass am Ende eins der Bilder eines bestimmten Motivs die Kreativität und Gestaltungskraft zeigt, die Sie sich erhoffen.

11. Weglassen ist wichtig

Versuchen Sie nicht, permanent die gesamte Szenerie zu erfassen und möglichst viel auf Ihr Bild zu bekommen. Konzentrieren Sie sich möglichst oft auf einen bestimmten Teil. Dieser wird umso mehr Wirkung entfalten und kann oft viel mehr über eine Stimmung aussagen, als es das eher fade Ablichten eines Gesamtbildes tut. Wollen Sie beispielsweise einen Jahrmarkt fotografieren, wird in den meisten Fällen das Pferd eines Karussells weitaus mehr Atmosphäre verbreiten als der Versuch, das gesamte Fahrgeschäft samt angrenzenden Buden aufs Bild zu bekommen.

Die Saiten einer Gitarre
Ein Detail hat in vielen Fällen eine stärkere Wirkung als das gesamte Objekt. (© 2017 w.rattana-aree/Thinkstock)

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