Einen Moment haben Sie beim Arbeiten am PC nicht aufgepasst und getan, was Sie nie tun wollten: Daten gelöscht, die eigentlich erhalten bleiben sollten. So etwas kann nicht nur mit einzelnen Dateien, sondern sogar mit kompletten Festplattenbereichen passieren. Aber noch ist nichts verloren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Windows-Bordmitteln und speziellen Rettungsprogrammen gelöschte Dateien erfolgreich wiederherstellen können.

Wichtigste Regel der Datenrettung: sofort handeln

Ist das Unglück mit der unbeabsichtigten Datenlöschung passiert, gilt es, den Schaden sofort zu begrenzen. Das bedeutet: Sie müssen sofort aufhören, mit der betroffenen internen oder externen Festplatte, dem USB-Stick oder sonstigem Speichermedium zu arbeiten. Wenn Sie das nicht tun, steigt die Gefahr des Überschreibens der gelöschten Informationen und damit droht der endgültige Verlust.

Windows kann selber Daten retten

Wiederherstellen aus dem Papierkorb

Der leichteste Fall zur Wiederherstellung gelöschter Daten liegt vor, wenn Sie Bilder, Texte oder andere Dateien mit dem Windows Explorer oder einem anderen Dateiverwaltungsprogramm von internen Festplatten gelöscht haben. Dann werden diese in den sogenannten Papierkorb verschoben. Sie kennen das entsprechende Symbol, das sich standardmäßig links oben auf der Windows-Schreibtischoberfläche befindet.

  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Papierkorb-Symbol.
  2. Wählen Sie aus dem sich öffnenden Kontextmenü Öffnen.
  3. Klicken Sie nun auf Wiederherstellen und die gelöschte Datei erscheint wieder am ursprünglichen Speicherort.

Vorgängerversionen nutzen

Nicht die aktuelle, aber zumindest eine vorherige Version der verlorenen Datei können Sie mit der Funktion Vorgängerversionen wiederherstellen zurückbringen.

  1. Wählen Sie dazu unter Windows 7, 8 und 10 das Symbol des Ordners, in dem die Datei abgelegt wurde, mit einem einfachen Klick auf die linke Maustaste an.
  2. Öffnen Sie mit einem rechten Mausklick den Punkt Vorgängerversionen wiederherstellen. Es erscheint ein kleines Fenster mit den Ordner-Versionen.
  3. Nun wählen Sie die gewünschte Version aus und klicken auf Öffnen oder Wiederherstellen.

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(© 2017 UPDATED)

Praktisch bei unabsichtlich gelöschten Dateien: Windows bietet die Möglichkeit, frühere Dateiversionen wiederherzustellen.Achtung: Bei Windows 7 ist diese Funktion standardmäßig aktiviert, bei Windows 8 und 10 nennt sich die steuernde Funktion Dateiversionsverlauf und muss erst einmal eingerichtet werden. Dafür brauchen Sie ein zweites Laufwerk, beispielsweise eine USB-Festplatte oder einen USB-Stick. Gehen Sie dann in Systemsteuerung > Alle Systemsteuerungselemente > Dateiversionsverlauf, schalten Sie den Dateiversionsverlauf ein und wählen Sie die gewünschten Sicherungsoptionen aus.

So funktionieren Datenrettungsprogramme

Wie können die Datenrettungsprogramme gelöschte Dateien wiederherstellen? Das hängt mit dem Löschmechanismus des PCs zusammen. Alle Dateien sind im System in einer Verzeichnistabelle registriert, damit sie gefunden werden. Beim Löschen wird zunächst nur dieser Verweis in dem Sinne geändert, dass die bisher belegten Zuordnungseinheiten als „frei“ markiert werden. Tatsächlich bleibt die Datei also auch nach dem Löschen zunächst erhalten – deswegen lässt sie sich von Rettungsprogrammen finden und wiederherstellen. Doch sobald neue Daten hinzukommen, überschreibt das System die alte Datei und zerstört sie damit. Daher ist es so wichtig, nach dem Datenverlust umgehend den Gebrauch des betroffenen Laufwerks zu stoppen.

Datenrettungsprogramme helfen bei schwierigen Fällen

Sind die Daten von einem USB-Speichermedium einer Wechselfestplatte oder von einer Speicherkarte gelöscht worden, wurde der Papierkorb bereits geleert oder hat es mit der Vorgängerversion nicht funktioniert, müssen Sie spezielle Datenrettungsprogramme einsetzen. Nutzen Sie wenn möglich ein Hilfsprogramm, das ohne Installation einsetzbar ist, und speichern es auf einem externen USB-Laufwerk oder einer CD/DVD. Von dort lässt es sich wie gewohnt mit einem doppelten Mausklick starten. Ist eine Installation erforderlich, dann diese ebenfalls auf einer externen Festplatte oder einem USB-Stick durchführen, damit das betroffene Medium nicht unnötig beschrieben wird.

Im Folgenden nennen wir einige Notfallprogramme, die gute Erfolge bei der Wiederherstellung erzielen können. Die Programmbeispiele sind grundsätzlich kostenlos, bei einigen handelt es sich um Versionen zum Testen mit eingeschränktem Leistungsumfang. Sie alle durchsuchen den betroffenen Datenträger nach verlorenen Dateien, listen die Ergebnisse auf und bieten dann Wiederherstellungsoptionen an.

  • 7-Data Recovery Suite: Allzweck-Datenwiederherstellungs-Software zur Rettung verlorener/gelöschter Fotos, Dateien, Partitionen von Festplatten, Speicherkarten und USB-Sticks. Mit der kostenlosen Edition kann ein Datenumfang von 1 GB wiederhergestellt werden.
  • Auslogics File Recovery: Stellt Dateien aller Art wieder her und das von praktisch allen Datenträgern. Das Programm gibt es in einer kostenlosen 30-Tage Testversion.
  • EaseUS Data Recovery Wizard Free: Die kostenlose Version rettet bis zu 2 GB an Daten, beispielsweise Fotos, Dokumente, Videos, Audio, E-Mails oder komprimierte Dateien. Außerdem lassen sich verlorene Festplattenbereiche (Partitionen) wiederfinden.
  • Glary Undelete: Das kostenlose Programm unterstützt die Dateisysteme FAT12/16/32 und NTFS/NTFS5. Es ist leicht zu bedienen und verfügt unter anderem über Filtermöglichkeiten nach Name, Dateigröße oder Erstellungsdatum.

Datenrettung kompakt mit Notfallmedien

Sehr praktisch speziell für komplexere Datenrettungsmissionen sind sogenannte Notfallmedien. Mit diesen können Sie selbst dann eine Datenrettung vornehmen, wenn das PC-Betriebssystem streikt und dadurch eigentlich überhaupt kein Datenzugriff möglich ist. Ihr besonderer Vorteil: Sie haben ein eigenes kleines Betriebssystem und sind deswegen bootfähig, können also selbst als Startmedium dienen. Darüber hinaus bringen die Notfallmedien ein ganzes Paket unterschiedlicher Analyse- und Rettungswerkzeuge mit. Teilweise ist sogar die Wiederherstellung gelöschter Partitionen möglich. Es sind Varianten auf CD, DVD oder bootfähigen USB-Sticks/Festplatten möglich.

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Allzweckwerkzeug: Notfallmedien wie diese “Ultimate Boot CD” haben viele Möglichkeiten für Analysen und Datenrettungen an Bord. (© 2017 UPDATED)

Notfallmedium zur Wiederherstellung von Daten erstellen

Als erstes brauchen Sie das Programmpaket an sich. Einige Beispiele haben wir für Sie zusammengestellt:

  • SystemRescueCd: Kostenloses Paket für CD oder USB-Stick mit Linux-Betriebssystem. Mehr als zehn Programme für Analysen, Reparaturen und Datenrettungen sind eingebunden.
  • Paragon Rescue Kit free: Das kostenlose Paragon Rescue Kit bietet starke Sicherungs- und Wiederherstellungsfunktionen sowie professionelle Rettungsassistenten. Auf USB-Sticks, CD und DVD nutzbar.
  • Ultimate Boot CD: Ein sehr mächtiges Paket mit zahlreichen Programmen, trotzdem kostenlos.

Die Pakete liegen in der Regel als Image-Dateien vor, das sind Abbilder eines fertig konfigurierten Datenträgers. Laden Sie sich so ein Image herunter.
Mit dem Brennprogramm Ihres CD-/DVD-Laufwerkes und der Funktion CD/ DVD aus Image brennen erstellen Sie die Notfall-CD/-DVD. Das Erstellen eines USB-Mediums verläuft ähnlich, richten Sie sich hier nach den jeweiligen Installationsvorgaben.

Notfallmedium einsetzen

  1. Öffnen Sie das DVD-Laufwerk und legen Sie das Notfallmedium ein beziehungsweise schließen Sie das USB-Medium an und starten Sie den PC neu.
  2. Meistens erkennt der Rechner dieses als Startlaufwerk und fährt entsprechend hoch. Wenn Sie mit einer CD/DVD arbeiten, müssen Sie nun ein zusätzliches Speichermedium, beispielsweise einen USB-Speicher, anschließen, auf das Sie die geretteten Daten übertragen können. Arbeiten Sie mit einem USB-Rettungssystem, prüfen Sie, ob ausreichend Speicherplatz vorhanden ist. Das erfahren Sie bei der Laufwerksanzeige unter Windows-Symbol > Dieser PC. Sonst schließen Sie auch hier einen weiteren Speicher an.
  3. Wählen Sie nun aus den Programmen des Notfallmediums eine Datenrettungslösung aus und gehen Sie programmgemäß vor.

Hinweis: Manchmal startet der PC nicht vom Notfallmedium, weil es nicht als erstes Startlaufwerk erkannt wird. Dann müssen Sie die Startreihenfolge anpassen. Starten Sie den PC und warten Sie auf die Anzeige, welche Taste das Bootmenü aufruft. Bekannte Bootmenü-Tasten sind je nach Hersteller F2, F8, F9, F10, F11, F12, Escape, Tab und Alt. Drücken Sie die angezeigte Taste, noch während die Auflistung zu sehen ist. Jetzt sollte das BIOS erscheinen, das Betriebssystem der Hauptplatine. Wählen Sie mit den Pfeiltasten und der Enter-Taste den Reiter Boot und dort Boot Device Priority. Stellen Sie als 1st Boot Device Ihr Notfallmedium ein, sichern Sie die Wahl mit der F10-Taste und starten Sie neu. Jetzt sollte das Booten vom Notfallmedium klappen.

Regelmäßiges Sichern beugt dem Verlust gelöschter Daten vor

So gut die vorgestellten Rettungsmöglichkeiten auch funktionieren mögen: Eine absolute Sicherheit, gelöschte Daten in vollem Umfang wiederherzustellen, können sie nicht geben. Wir empfehlen Ihnen daher, regelmäßig Sicherungen Ihrer Daten durchzuführen. Das ist im Notfall immer noch der beste Weg, gelöschte Informationen ohne großen Aufwand zurückzuholen.

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