Vielen berühmten Fotografen sagt man nach, dass auf ihren Portraitfotos nicht einfach nur ein Gesicht abgebildet ist. Sie es schaffen mit ihren Fotos die Seele des Menschen abzubilden und wecken dadurch Emotionen. Unsere folgenden Tipps und Ideen für Portraitfotos sollen Ihnen helfen an die Skills der Meister anzuknüpfen und nicht nur ein Gesicht auf Ihrem Foto abzubilden, sondern die Persönlichkeit des Menschen der dahinter steckt einzufangen.

Die Natürlichkeit des Menschen auf dem Foto einfangen

Mann mit Bart
Bloß kein gestelltes Lächeln: Lassen Sie Ihre Modelle genau so sein, wie sie eben sind. (© 2017 Pexels)

Die richtigen Kameraeinstellungen für Portraits

Sie können Ihre Kamera natürlich jederzeit in den Porträt-Modus stellen. Dazu drehen Sie das Modusrad einfach auf das Symbol mit dem Kopf. Möchten Sie alle Einstellungen lieber selbst vornehmen, gehen Sie in den manuellen Modus und drehen das Rad bei den Einstellungen auf M. Wir empfehlen für Portraitfotografie folgende Einstellungen:

  • Blende: Das Zauberwort lautet hier “Offenblende”. Die Blende sollte sehr weit geöffnet sein. Wie weit das überhaupt geht, unterscheidet sich von Objektiv zu Objektiv. Grundsätzlich gilt, je kleiner die Zahl, desto weiter ist die Blende geöffnet. Und je weiter Sie die Blende öffnen, desto mehr Unschärfe erhalten Sie im Hintergrund. Man spricht dabei vom “Bokeh”. Hinweis: Bei einer Blende unter f/2.2 kann es sein, dass nicht mal mehr das ganze Gesicht scharf abgebildet wird, sondern nur der Fokuspunkt, der Rest verschwimmt. Dies kann auch als Stilelement genutzt werden.
  • ISO-Wert: Fotografieren Sie draußen, sind 100 oder 200 ISO ein guter Richtwert. In geschlossenen Räumen sind 400 ISO empfehlenswert. Gehen Sie höher, kann es zu einem Bildrauschen und grobkörnigen Bildern kommen.

Belichtungszeit: Passen Sie diese an die Lichtverhältnisse an, wie erfahren Sie in unserem Ratgeber “Belichtungszeit richtig einstellen – die Anleitung für perfekte Fotos”. Eine leichte Unterbelichtung ist dabei nicht schlimm, diese kann in der Nachbearbeitung einfach ausgeglichen werden. Belichten Sie hingegen über, verlieren Sie Bildinformationen, die auch in der Nachbearbeitung am Rechner nicht zurückgeholt werden können.

Wie Sie die Einstellungen genau vornehmen, können Sie im Handbuch Ihrer Kamera nachlesen. Bei den meisten Spiegelreflexkameras gibt es entsprechend gekennzeichnete Knöpfe am Gehäuse und einen Menüpunkt, den Sie über das Display anwählen können. Noch mehr zu diesem Thema können Sie auch in unserem Ratgeber Grundlagen der digitalen Fotografie nachlesen.


Gerade sitzen, in die Kamera schauen, nett lächeln – so entstehen ganz sicher keine schönen Porträtbilder. Gute Portraitfotos leben von ihrer Natürlichkeit. Diese einzufangen, ist gar nicht so schwer. Die folgenden Tipps & Tricks helfen Ihnen und Ihrem Modell sich zu entspannen und natürlicher auf den Fotos zu wirken:

  1. Fotografieren Sie die Personen in einer vertrauten Umgebung. Das wirkt authentischer.
  2. Keine gestellten Posen: Verknotete Beine oder kantig zur Seite geknickte Hüften sehen zwar bei Models gut aus, bei normalen Menschen wirkt das in der Regel nur albern. Besser ist es, wenn Ihr Foto-Objekt sich möglichst natürlich bewegt: Etwa gegen eine Wand lehnt, auf die Kamera zuläuft, in die Luft springt oder auch einen Gegenstand in der Hand hält oder diesen benutzt. Was auch immer sehr gut funktioniert: Wenn zwei oder mehrere Personen für das Foto zusammen posieren und sich dabei etwa aneinander lehnen oder den Arm um den anderen legen.
  3. Reden Sie mit der Person vor Ihrer Linse und bringen Sie sie zum Lachen. Das entspannt.
  4. Wenn Sie merken, dass das Modell verkrampft und sich schwer tut beim “natürlich wirken”, geben Sie der Person den Tipp seine Zungenspitze kurz an den Gaumen zu drücken. Das entspannt den Kiefer, die Person kann sich darauf konzentrieren und verliert somit die Angst vor der Linse.

Bildkomposition – was kommt wie aufs Bild?

Die eine klare Regel zur Bildkomposition gibt es bei Porträts gar nicht. Je nachdem, wie Sie die Person im Bild platzieren, hat das verschiedene Auswirkungen:

  • Je näher Sie mit der Kamera an das Modell rangehen, desto intimer wirkt das Foto. Jedes Fältchen und jede Mimik wird so eingefangen, das macht die Person verletzlicher. Hier können Sie als Fotograf entscheiden, ob das Gesicht bildfüllend oder sogar über den Bildrand hinausreicht. Wichtig hierbei: Nutzen Sie ein Objektiv mit einer Brennweite von 50 Millimeter oder höher, sonst müssen Sie für solche Bilder mit der Kamera zu dicht ans Gesicht ran – das empfinden viele Personen als störend und verkrampfen.
  • Wenn Sie neben der Person noch etwas Hintergrund auf dem Bild zeigen, können Sie die Persönlichkeit der Person unterstreichen und sogar eine kleine Geschichte erzählen. In diesem Fall sollten Sie die Drittel-Regel beachten. Das Gesicht wird dann nicht genau in die Mitte des Fotos abgebildet. Vielmehr wird das Bild mit zwei imaginären vertikalen Linien in drei gleiche Teile geteilt. Platzieren Sie nun die Person auf eine der gedachten Linien.
  • Interessant ist es auch, wenn Sie die Person auf etwas außerhalb des Fotos schauen lassen. Das wirkt geheimnisvoll. Wichtig hierbei: Platzieren Sie die Person so, dass der Großteil des Fotos in Blickrichtung liegt. Wie auf diesem Bild:
Junge Frau von der Seite fotografiert
Am liebsten würden wir ihrem Blick folgen – durch die Bildkomposition gewinnt das Foto an Spannung. (© 2017 Pexels)

Das Licht als Stilelement bei Portraits nutzen

“Der Fotograf sollte das Licht immer im Rücken haben.” Fast jeder hat diese Regel schon einmal gehört – und sollte sie für Porträtbilder lieber sofort wieder vergessen. Aus zwei Gründen: Steht die Sonne zu tief, wird die zu fotografierende Person geblendet und kneift die Augen zusammen. Außerdem berauben Sie sich einiger wundervoller Bilder, denn gerade das Gegenlicht zaubert eine sanfte Stimmung und sorgt für schöne Porträts. Diese Punkte sollten Sie zum Licht beachten:

  • Wählen Sie lieber bewölkte Tage. Grelles Sonnenlicht verursacht zu viele starke Schatten. Scheint die Sonne, gehen Sie zum Fotografieren in den Schatten.
  • Ausnahme: Die goldene Stunde. Jeweils in der Stunde nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang taucht die Sonne alles in ein wundervoll goldenes Licht. Für das Fotografieren gibt es kaum etwas Schöneres. Weiterer Vorteil: Sie können gegen das Licht fotografieren, da die Sonne nicht so stark ist, dass sie die Bilder komplett überbelichten würde.
  • Ziehen Sie in jedem Fall das natürliche Licht vor. Kunstlicht oder Blitzlicht verändern die Hautfarben und leuchten das Gesicht zu stark oder zu schwach aus.
Junge Frau im Gegenlicht fotografiert
Gegenlicht zaubert eine weiche und etwas geheimnisvolle Stimmung auf die Bilder. (© 2017 Sjale/Thinkstock)

Gesichter perspektivisch in Szene setzen

In der Regel wird die Kamera bei Portraitfotos ungefähr auf Augenhöhe gehalten, so ist es gelernt. Die meisten Bilder werden somit in etwa aus der gleichen Perspektive geschossen. Für interessante Porträtfotos lohnt es sich aber, auch mal einen anderen Winkel zu probieren. Etwa von oben herab, wie auf dem Bild unten:

Junge Frau schaut nach oben in die Kamera
Porträts aus einer anderen Perspektive zu fotografieren sorgt für Abwechslung – und Augenringe oder Doppelkinn verschwinden auch. (© 2017 Pexels)

Porträts aus einer anderen Perspektive zu fotografieren sorgt für Abwechslung – und Augenringe oder Doppelkinn verschwinden auch. Credit: Pexels
Über verschiedene Perspektiven lassen sich aber noch viel mehr Effekte erreichen:

  • Frontal: Ein auf Augenhöhe von vorn fotografiertes Gesicht wirkt sehr klar und ehrlich. Makel können so kaum versteckt werden. Mehr Dynamik erhält das Bild, wenn der Kopf zwar frontal zum Fotografen zeigt, der Oberkörper aber gedreht ist.
  • Halbprofil: Das leicht von der Kamera weggedrehte Gesicht versteckt eine leichte Asymmetrie zwischen den beiden Gesichtshälften und bietet sich an, wenn etwa ein Auge kleiner ist als das andere. Das kleinere Auge sollte dann auf der zugewandten Seite sein, dadurch dass es näher an der Kamera ist, wirkt es größer.
  • Dreiviertelprofil: Wird der Kopf noch weiter von der Kamera weggedreht, wir die Asymmetrie sogar noch mehr kaschiert. Achtung: Die Nase sollte nicht über die Umrisse des Gesichts hinausgehen, das würde die Proportionen verzerren.
  • Profil: Eine Person nur von einer Seite abzubilden kann sehr interessant sein. Markante Gesichtszüge werden so allerdings hervorgehoben, was nicht immer vorteilhaft ist.

Portraitfotos in Schwarz-Weiß – so werden sie einzigartig

Portrait Foto in Schwarzweiß
Ob nachträglich mit Filter bearbeitet oder bereits im Schwarz-Weiß-Modus fotografiert – die Bilder punkten nicht mit Farbe, sondern mit Charakter. (© 2017 Pexels)

“Mach’ mal den Schwarz-Weiß-Modus an, das sieht besser aus.” Den Satz hat wohl fast jeder Fotograf schon einmal gehört. Letztlich ist das natürlich Geschmackssache. Beide Arten der Fotografie haben Ihre Vor- und Nachteile. Wichtig ist nur, bereits beim Fotografieren die spätere Farbgestaltung im Hinterkopf zu behalten. Denn für Schwarz-Weiß-Fotos gelten einige Besonderheiten:

  • Lenken Sie den Blick aufs Wesentliche. Ein unruhiger Hintergrund lenkt hier stärker ab, als bei Farbbildern.
  • Achten Sie auf Schatten. Im Gegensatz zur Farbfotografie sind sie hier erwünscht, denn sie geben dem Bild mehr Tiefe und Charakter. Liegt allerdings zu viel im Dunkeln, könnte das Bild ungewollt bedrohlich wirken.
  • Ein zu hoch gestellter ISO-Wert sorgt für Bildrauschen. Das stört in Schwarz-Weiß noch mehr.

Mehr zu diesem Thema können Sie in unserem Ratgeber “Schwarz-Weiß-Fotografie: So spielen Sie mit dem Licht” nachlesen.

Schönheit lässt sich überall finden

Eine ungeschriebene Regel der Fotografie besagt, dass die schönsten Bilder entstehen, wenn der Fotograf die Motive liebt. Nun ist das bei Porträts vielleicht nicht immer praktikabel. Was aber umsetzbar ist: Sich auf die Besonderheiten jeder Person zu konzentrieren. Das kann eine interessante Augenfarbe sein, markante Wangenknochen aber auch ein ansteckendes Lachen. Wenn Sie sich auf diese persönliche Schönheit konzentrieren, kann gar nichts mehr schiefgehen.