Wenn ein Foto auf den ersten Blick überbelichtet wirkt, dann aber doch erstaunlich viele Details offenbart, steckt vermutlich High-Key-Fotografie dahinter. Ebenso wie ihr Gegenstück, die Low-Key-Fotografie, spielt diese Art mit Helligkeit und Dunkelheit und sorgt so für kunstvolle Bilder. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie mit dem Licht spielen können.

So hilft Ihnen das Histogramm die richtigen Einstellungen zu finden

Viele Kameras zeigen auf dem Display wahlweise das sogenannte Histogramm. Dieses gibt Auskunft über die hellen und dunklen Bildanteile. Befinden sich die Balken überwiegend links, wird das Foto von dunklen und schwarzen Bildbereichen dominiert. Bei der High- und Low-Key-Fotografie hilft es, verstärkt auf das Histogramm zu schauen. Die Balken sollten dann so aussehen:

Das obere Histogramm zeigt die Helligkeitswerte der Low-Key-Fotografie. Das untere sollte für ein High-Key-Foto auf dem Display der Kamera erscheinen. (© 2017 mejn/fotolia)

Der richtige Hintergrund für High- oder Low-Key Fotografie

High- und Low-Key-Fotos zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass der Fokus auf dem Motiv liegt. Während High-Key-Bilder den Hintergrund klassischerweise als weiße, konturlose Fläche halten, dominiert beim Gegenstück das Schwarz im Hintergrund. Um diesen Effekt zu erreichen, müssen Sie mit einem geeigneten Hintergrund nachhelfen. Optimal für beide Fotografie-Richtungen ist ein gleichfarbiger Hintergrund. Bei Low-Key-Fotografie kann dieser hell oder dunkel sein, für High-Key-Bilder eignet sich hingegen nur ein heller Hintergrund. Denkbar ist etwa eine einfarbige Wand, ein großer Kleiderschrank, eine Tür oder ein Papierbogen. Vorsicht gilt bei Stoffen: Werfen sie Falten, könnten diese auf dem Foto als Streifen sichtbar sein.

Für die High-Key-Fotografie ist es zudem besser, je heller der Hintergrund ist, denn dieser reflektiert das Licht besser. Bei Low-Key-Bilder kann der Hintergrund auch etwas dunkler und sogar komplett schwarz sein.

High-Key- & Low-Key-Fotografie Ratgeber Papierbogen
Damit Boden und Wand fließend ineinander übergehen, sollte ein Papierbogen wie in einem Fotostudio genutzt werden. (© 2017 dolgachov/Thinkstock)

Kameraeinstellungen für High-Key und Low-Key Fotos

Als ersten Schritt ist es diesmal zwingend, die Kamera in den manuellen Modus zu stellen. Dazu stellen Sie das Modusrad auf M. Andernfalls lassen sich die nötigen individuellen Einstellungen nicht vornehmen. Wie Sie Blende, Belichtungszeit & Co. genau einstellen, können Sie im Handbuch Ihrer Kamera nachlesen. Hilfreiche Informationen finden Sie auch in unserem Ratgeber “Grundlagen der digitalen Fotografie”. Außerdem sollten Sie Ihre Fotos im RAW-Format aufnehmen, so können Sie später eine bessere Bildbearbeitung vornehmen. Wie genau Sie die Fotos später bearbeiten, können Sie in unserem Ratgeber “RAW-Bilder bearbeiten” nachlesen.

Kameraeinstellungen für High-Key-Fotos

  • ISO-Wert: 100-400. Versuchen Sie so viel Licht wie möglich auf Ihren Sensor zu lassen. Fotografieren Sie drinnen, wird es besser sein, einen höheren Wert zu wählen. Über 400 sollten Sie dennoch nicht gehen, da dies die Bildqualität schmälern könnte.
  • Blende: Hier müssen Sie eine Gratwanderung hinlegen. Denn einerseits wollen Sie so viel Licht wie möglich auf den Sensor lassen, was für eine offene Blende (unter f/5.6) spricht, andererseits möchten Sie unter Umständen nicht nur die Nasenspitze der fotografierten Person scharf gestellt haben, während die Ohren bereits unscharf sind. Das wiederum spricht gegen eine zu offene Blende, etwa f/1.4. Beginnen Sie Ihr Shooting mit einer möglichst offenen Blende, sprich stellen Sie diese auf die niedrigste Zahl, und schließen Sie die Blende gegebenenfalls schrittweise, wenn Ihnen das Bild zu wenig Schärfe hat.
  • Belichtungszeit: Auch hier heißt es Fingerspitzengefühl zu zeigen. Denn grundsätzlich brauchen Sie eine recht lange Belichtungszeit, um die gewünschte Helligkeit auf dem Bild zu erreichen. Auf der anderen Seite soll das Bild aber auch nicht komplett überbelichtet sein. Details wie Gesicht und insbesondere die Augen sollen klar erkennbar sein. Stellen Sie die Belichtung daher so ein, dass sie nur minimal über der optimalen Belichtung (0) liegt. Und erhöhen Sie die Zeit schrittweise, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.
  • Stativ: In der Regel wird die Belichtungszeit relativ lang sein. Benutzen Sie daher ein Stativ, um die Aufnahmen nicht zu verwackeln. Grundsätzlich gilt: Ist die Belichtungszeit länger als der Kehrwert aus der Brennweite vom Objektiv, lässt sich das Foto nicht mehr mit der Hand schießen. Fotografieren Sie also mit einem 50mm Objektiv, sollten Sie die Kamera ab einer Belichtungszeit von 1/50 Sekunde auf ein Stativ stellen.

Kameraeinstellungen für Low-Key-Fotos

  • ISO-Wert: 100 bis 200. Wählen Sie in keinem Fall höhere Werte, das könnte dazu führen, dass die schwarzen Stellen auf Ihrem Foto verrauscht und grau aussehen.
  • Blende: Steuern Sie über die Blende, wie viel Tiefenschärfe Sie im Bild haben möchten. Möchten Sie etwa nur ein Gesicht fotografieren, können Sie die Blende auf f/5.6 oder einen niedrigeren Wert stellen. Je niedriger die Zahl ist, desto weiter ist die Blende geöffnet und desto stärker verschwimmt alles, was sich um den Fokuspunkt befindet. Daher müssen Sie, wenn Sie lieber einen größeren Teil des Bildes scharf stellen möchten, die Blende weiter schließen. Etwa auf f/11. Grundsätzlich regelt die Blende auch, wie hell ihr Foto wird, da eine offene Blende sehr viel mehr Licht durchlässt als eine fast geschlossene. Diese Einstellung nehmen Sie in der Low-Key-Fotografie aber ausschließlich über die Belichtungszeit vor. Deshalb können Sie die Blende rein nach der gewünschten Tiefenschärfe steuern.
  • Belichtungszeit: Die Belichtungszeit richtet sich, wie immer in der Fotografie, nach dem vorhandenen Licht. Sie sollte aber so kurz wie möglich gehalten werden. Grundsätzlich wird das Bild leicht unterbelichtet. Dafür schauen Sie durch den Sucher Ihrer Kamera und achten auf die keine Skala im unteren Sichtfeld. Regeln Sie nun die Belichtung solange herunter, bis der kleine Zeiger unterhalb der 0 ist. Eine genaue Faustregel für die richtige Belichtung gibt es nicht. Verkürzen Sie die Zeit einfach so lange, bis Sie den gewünschten Effekt erreicht haben.
  • Blitz: Platzieren Sie den externen Blitz oder die Lichtquelle so, dass Ihr Motiv seitlich angestrahlt wird. Den eingebauten Kamera-Blitz können Sie daher nicht benutzen. Statt eines externen Blitzes können Sie aber auch einfach eine Lampe zur Hilfe nehmen.

    High-Key- & Low-Key-Fotografie Ratgeber Beleuchtung
    Noch kein klassisches Low-Key-Foto, da der Hintergrund zu gut erkennbar ist. Dank der seitlichen Beleuchtung und des großen Schwarz-Anteils wirkt es aber auch schon geheimnisvoll. Kameraeinstellungen: Blende f/3,5, Belichtungszeit 1/30 Sekunde, ISO 200, Brennweite des Objektivs 21 mm. (© 2017 Unsplash/Pexels)

Diese Effekte haben High Key Fotos – und so erreichen Sie ihn

Traumhaft und engelsgleich wirken die hellen High-Key-Bilder. In der Regel, wenn auch nicht zwingend, werden diese Bilder schwarz-weiß gehalten. Farben sind zwar grundsätzlich möglich, die Bilder erhalten ohne sie aber eine höhere Ausdruckskraft. Entscheidend für diesen Stil ist Licht. Viel Licht. Stehen ausreichend Fenster zur Verfügung, können diese als Lichtquelle genutzt werden. Andernfalls helfen Lampen (am besten sogenannte Tageslichtlampen) oder ein Blitz nach. Dieser sollte jedoch mit Hilfe von sogenannten Softboxen möglichst weich gehalten werden. Wenn Sie den aufklappbaren Kamera-Blitz nutzen, können Sie diesen mit hellem Butterbrotpapier umwickeln, so wird das ansonsten harte Blitzlicht ebenfalls weich gemacht und statt kantiger Schatten, zaubert der Blitz eine sanfte Beleuchtung.

High-Key- & Low-Key-Fotografie Ratgeber Landschaft
Ungewöhnlich, aber möglich: Bei einem grauen Himmel lässt sich die High-Key-Fotografie auch von Landschaftsmotiven machen. (© 2017 Unsplash/Pexels)

Diese Effekte haben Low Key Fotos – und so verstärken Sie ihn

Dunkel, düster, bedrohlich, geheimnisvoll – die dunklen Bilder haben oft eine starke Ausdruckskraft. Aufnahmen im Low-Key-Stil werden von dunklen Bildbereichen dominiert. Die Fokuspunkte werden meist mit Hilfe eines oder mehrerer externer Lichtquellen (Lampen oder Blitz) beleuchtet. Ein dunkler Hintergrund und schwarze Bekleidung des Models unterstützen den gewünschten Effekt zusätzlich.

Um ein solches Bild zu machen, wird in der Regel in einem völlig abgedunkelten Raum vor einem schwarzen Hintergrund fotografiert. Die Lichtquelle wird dann so platziert, dass sie das Motiv von der Seite anleuchtet. So vermeiden Sie, dass der Hintergrund ebenfalls ausgeleuchtet wird. In der Regel werden Low-Key-Fotos auch in Schwarz-Weiß fotografiert, das verstärkt den Effekt zusätzlich.

High-Key- & Low-Key-Fotografie Ratgeber Low-Key-Beispiel
Das klassische Low-Key-Foto: Das Licht trifft von der Seite aufs Model, die dunklen Haare und der ebenfalls schwarze Bart verschwinden scheinbar im schwarzen Hintergrund. Kameraeinstellungen: Blende f/22, Belichtungszeit 1/125 Sekunde, ISO 6400, Brennweite des Objektivs 42 mm. (© 2017 ritesh saini/Pexels)

Helden und Schurken – der Ursprung von High- und Low-Key-Fotografie

Angeblich stammt diese Fotografieform noch aus den Anfangszeiten des Films. Mangels Ton musste damals auf andere Möglichkeiten zurückgegriffen werden, um “Gut” und “Böse” voneinander zu unterscheiden. Dafür wurde auf Licht gesetzt: Schurken und Bösewichte, wie etwa Dracula, wurden im Dunkeln gezeigt. Helden bildete man hingegen im hellen Licht ab. Seine Wirkung hat diese Abgrenzung bis heute nicht verloren. Da Sie nun die Tricks aber kennen, können Sie sich immerhin für eine der beiden Seiten entscheiden. Oder einfach beide ausprobieren.

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