Morgens das perfekte Bild vom Milchkaffee schießen, mittags ein Eichhörnchen im Park aufnehmen und abends den Strand samt Sonnenuntergang perfekt einfangen – doch welches Objektiv zaubert jeweils die schönsten Fotos? Die Auswahl an Modellen ist riesig und verwirrend. Wir zeigen Ihnen, mit welchen Objektiven Ihnen die besten Bilder gelingen.

Blenden, Brennweiten und Durchmesser – das 1x1 der Objektive

Die verschiedenen Objektiv-Arten im Überblick

Blenden, Brennweiten und Durchmesser – das 1x1 der Objektive

Brennweite

Bei der Suche nach dem richtigen Objektiv stellt sich zuerst die Frage: Welche Brennweite wird benötigt? Die Brennweite bestimmt, welchen Bildausschnitt der Fotograf abbilden kann. Eine kleine Brennweite von 17 Millimetern sorgt beispielsweise dafür, dass ein Haus mitsamt Garten auf dem Foto landet. Eine hohe Brennweite von 300 Millimetern ermöglicht aus der Ferne sehr detailreiche Aufnahmen, etwa vom Türknauf. Obwohl der Fotograf an derselben Stelle stehen bleibt, kann er mit zwei verschiedenen Brennweiten also komplett unterschiedliche Bilder machen.

Grundsätzlich gilt: Je höher die Brennweite, desto näher wird das abgebildete Objekt herangezoomt. Die Brennweite verändert außerdem den Bildwinkel der Aufnahme. Umso niedriger die Brennweite, umso größer ist auch der Aufnahmewinkel. Bei Brennweiten unter 50 Millimetern spricht man daher auch von “Weitwinkel”. Bei einer Brennweite von 50 bis 70 Millimetern entspricht der Aufnahmewinkel dem normalen Blickwinkel eines Menschen.

Lichtstärke und Blende

Die zweite Frage, die bei der Objektivwahl geklärt werden sollte, ist die Lichtstärke. Sie sagt aus, wieviel Licht die Kamera bei maximaler Blendöffnung durchlässt. Hier gilt: je kleiner die Zahl der Blende, desto lichtstärker ist das Objektiv. All diese Werte stehen auf dem Objektiv. Wo genau, sehen Sie hier:

Objektiv mit einer Festbrennweite
Dieses Objektiv hat eine Blende von f/1,4 und eine Brennweite von 17 - 40 mm. (© 2016 seb_ra/Thinkstock)

Dieses Objektiv hat eine Brennweite von 17 bis 40 Millimetern. Es ist somit ein Weitwinkelobjektiv. Die Zahl daneben gibt die Blende an, 1:4. Dieses Objektiv lässt sehr viel Licht ein. Die Blende bleibt auch beim Zoomen konstant. Man spricht dann von einem Objektiv mit fester Blende.

Zoom-Objektiv
Bei diesem Objektiv variiert die Blende zwischen f/1,4 und f/5,6. (© 2016 sergeyryzhov/Thinkstock)

Vor- und Nachteile von hoher Lichtstärke

+ Die Bilder verwackeln nicht so schnell
+ Gute Fotos auch bei schlechten Lichtbedingungen
+ Der Autofokus ist schneller und exakter
+ Das Sucherbild ist heller. Sie sehen also mehr, wenn Sie durch die Kamera schauen.
+ Ideal für Bilder, bei denen eine geringe Schärfentiefe gewünscht ist, etwa Porträtaufnahmen.

- Der Preis: Hat ein Objektiv eine Blende von f/1,4, kostet es etwa dreimal so viel wie ein Modell mit einer Blende von f/1,8. Je niedriger die Werte, desto höher der Preis.
- Da eine hohe Lichtstärke einen größeren Linsendurchmesser erfordert, sind lichtstarke Objektive größer und schwerer als lichtschwache Modelle.

Dieses Zoomobjektiv hat eine Brennweite von 55 bis 200 Millimetern. Die Blende variiert dabei zwischen 1:4 und 5:6, dieser Wert wird in der Regel als f/1,4 bis f/5,6 angegeben. Je weiter Sie das variable Objektiv ausfahren, desto weniger öffnet sich die Blende. Dieses Objektiv ist demnach nur in den niedrigen Brennweite-Werten lichtstark, wird stärker gezoomt, lässt es nicht so viel Licht auf den Sensor.

Welche Vor- und Nachteile ein lichtstarkes Objektiv hat, erklärt der Infokasten.

Durchmesser und Adapter

Die letzte Frage, die sich beim Objektivkauf stellt, ist jene nach dem Durchmesser. Damit das Objektiv auch auf Ihr Kameragehäuse passt, brauchen beide denselben Durchmesser. Dieser wird ebenfalls in Millimetern angegeben und steht auf dem Objektiv und der Kamera beziehungsweise in den jeweiligen Handbüchern. Alternativ kaufen Sie einen Adapter, der die Unterschiede ausgleicht.

Die verschiedenen Objektiv-Arten im Überblick

Für welche Brennweite Sie sich entscheiden, hängt davon ab, was Sie fotografieren möchten. Im Folgenden stellen wir Ihnen die einzelnen Arten vor: Tele-, Standard-, Makro- und Weitwinkel- beziehungsweise Fischauge-Objektiv.

Die verschiedenen Brennweiten:

Unter 14 mm – Fisheye (Inneneinrichtung, Architektur)
14 – 50 mm – Weitwinkel (Große Gruppen, Landschaften)
50 – 70 mm – Standard (Schnappschüsse, Porträts)
70 – 100 mm – Mittel Tele (Porträts, Kinder)
100 – 300 mm – Tele (Sport, Tiere aus der Nähe)
300 – 600+ mm – Super-Tele (Weitentferntes, Vögel)

Zoom-Objektive

Verschiedene und variable Brennweiten

Egal ob nah dran oder weit weg, ein Zoom-Objektiv bietet Ihnen viel Spielraum, denn die Brennweite bestimmen Sie je nach Bedarf selbst. Wenn Sie sich also auf eine Brennweite nicht festlegen, aber nur ein Objektiv mitnehmen möchten, ist ein Zoom-Objektiv die richtige Wahl. Welche Brennweiten dieses abdecken sollte, hängt wiederum davon ab, was Sie fotografieren wollen. In dem folgenden Infokasten finden Sie eine erste Orientierung. Die einzelnen Objektiv-Formen erklären wir im Folgenden. Für den Einstieg eignet sich ein Zoom-Objektiv mit einem Brennweitenbereich von 18 bis 270 Millimetern sehr gut.

verschiedene Kamera Objektive
Mehr Größe, mehr Zoom: Die in Millimeter angegebenen Werte zeigen, in welchen Brennweiten Sie mit diesen Objektiven fotografieren können. (© 2016 Zedcor Wholly Owned/Thinkstock)

Hinten rechts auf dem Bild ist ein Zoom-Objektiv mit 35 bis 105 Millimetern. Vorn findet sich hingegen ein Objektiv mit einer Festbrennweite von 28 Millimetern, erkenntlich daran, dass bei der Brennweite nur ein Wert angegeben ist.

Standard-Objektive

Brennweite 50 bis 70 Millimeter

Standard-Objektive kommen dem natürlichen Seheindruck des Menschen am nächsten. In der Regel sind diese Objektive sehr lichtstark und als Festbrennweiten-Objektiv verfügbar. Sie erzeugen einen angenehmen Unschärfeeffekt im Hintergrund. Der Blick wird also automatisch auf das Motiv im Vordergrund geführt. Die Bilder wirken insgesamt sehr natürlich.

Mit offener Blende fotografiert
Der Blick fällt auf die Personen, der unscharfe Hintergrund lenkt den Betrachter nicht ab. (© 2016 Pexels)

Tele-Objektive

Brennweite 70 bis 600+ Millimeter

Es gibt Situationen, da wollen oder können Sie nicht so nah ans Motiv heran. Dafür eignet sich ein Tele-Objektiv. Dieses ist meist als Zoomobjektiv verfügbar. Je höher die Brennweite, desto weiter dürfen Sie vom Motiv entfernt stehen. In der Regel büßen diese Objektive etwas an Lichtstärke ein, je weiter Sie zoomen können.
Wenn Sie lieber etwas Abstand halten: Mit einem Teleobjektiv können Sie solch ein Foto auch aus 50 Metern Entfernung schießen.

Löwin mit einem Zoom-Objektiv fotografiert
Wenn Sie lieber etwas Abstand halten: Mit einem Teleobjektiv können Sie solch ein Foto auch aus 50 Metern Entfernung schießen. (© 2016 James_Jester/Pexels)

Makro-Objektive

Verschiedene und variable Brennweiten

Diese Objektive ermöglichen einen Abbildungsmaßstab von 1:1. Dadurch können Sie sehr nah an ein Motiv herangehen und es trotzdem in der gleichen Größe wie in der Realität abbilden. Normale Objektive haben hingegen einen Maßstab von 1:10 oder höher. Makro-Objektive gibt es in verschiedenen Brennweiten. Dabei gilt: Mit der Höhe der Brennweiten steigt auch der Preis.

In der Regel hat eine Digitalkamera einen Makro-Modus. Dieser ist durch das Symbol einer kleinen Blume gekennzeichnet. Er sorgt dafür, dass Sie mit Ihrer Kamera sehr dicht an das Motiv herangehen können und trotzdem ein scharfes Bild erhalten. Häufig sorgt der Modus für eine zusätzliche Farbsättigung. Der Makro-Modus kann jedoch den Abbildungsmaßstab nicht auf 1:1 verringern.
Das Blatt wird auf dem Sensor der Kamera in der gleichen Größe eingefangen, in der es am Ast hängt – das klappt am besten mit einem Makro-Objektiv.

Makro-Fotografie Wassertropfen an einem Blatt
Das Blatt wird auf dem Sensor der Kamera in der gleichen Größe eingefangen, in der es am Ast hängt – das klappt am besten mit einem Makro-Objektiv. (© 2016 Jagoda Pucilowska/Pexels)

Weitwinkel- und Fischaugen-Objektive

Brennweite 5 bis 50 Millimeter

Sobald die Brennweite weniger als 50 Millimeter beträgt, wird das Foto in einem mehr oder weniger verzerrten Winkel aufgenommen. Dann spricht man von Weitwinkel-Bildern. Je niedriger die Brennweite beim Weitwinkel-Objektiv, desto stärker ist die Verzerrung. Für eine extreme Verzerrung sorgen Fischaugen-Objektive. Sie nehmen im Regelfall einen 180-Grad-Winkel auf, im Extremfall sogar 220 Grad. Gerade Linien, die durch die Bildmitte laufen, erscheinen auf diese Weise gekrümmt. Für Porträtbilder ist diese Verzerrung eher unvorteilhaft, Tierbilder können hingegen sehr niedlich aussehen durch diesen Effekt

Fisheye Objektiv
Ein Fischaugen-Objektiv lässt sich an dem gewölbten Glas an der Vorderseite erkennen. (© 2016 frantic00/Thinkstock)
Fisheye Fotografie
Fischaugenobjektive stellen den Horizont als gebogene Linie dar – und erlauben ein größeres Sichtfeld. (© 2016 lzf/Thinkstock)

Ein neues Objektiv ist wie eine neue Kamera

Ein gutes Objektiv kann aus einem mittelmäßigen Motiv ein erstklassiges Foto zaubern. In der Regel sind Spiegelreflexkameras bereits mit einem einfachen Modell ausgestattet. Stocken Sie Ihr Equipment nach Ihren fotografischen Bedürfnissen auf, und kaufen Sie weitere Objektive oder leihen Sie sie zunächst im Fotofachgeschäft. Achten Sie unbedingt darauf, dass das Objektiv vom Durchmesser her auf Ihre Kamera passt. Darüber hinaus gibt es beim Objektivkauf keine Grenzen. Egal, welchen Bereich der Fotografie Sie in Zukunft näher entdecken wollen, mit dem richtigen Objektiv knipsen Sie optimale Bilder – und werden Ihre Kamera kaum wiedererkennen.

Übrigens: Noch mehr Informationen und Tipps für beste Aufnahmen finden Sie im Ratgeber
Grundlagen der digitalen Fotografie: Tipps für Einsteiger

Bajonettanschluss an Kamera
Das Objektiv wird mit einem sogenannten Bajonettanschluss am Gehäuse der Kamera verankert. (© 2016 sergeyryzhov/Thinkstock)

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