Schnappschüsse mit dem Smartphone – gut und schön, aber nun soll es eine “richtige” Kamera sein? Für professionelle, spektakuläre Bilder in Top-Qualität? Mit der Möglichkeit zum Objektivwechsel und vielen Einstellungsoptionen? Dann haben Sie auf dem Kameramarkt die Qual der Wahl. Entscheidung Nummer eins: Den Klassiker, eine Spiegelreflexkamera? Oder eine digitale spiegellose Systemkamera? UPDATED sagt Ihnen, was Sie von den kleinen Spiegellosen erwarten dürfen.

Das sind spiegellose Systemkameras

Im Gegensatz zu Kompaktkameras, die alle Komponenten wie Objektiv und Blitz fest installiert an Bord haben, werden als Systemkameras alle Fotoapparate bezeichnet, bei denen die Zubehörteile ausgetauscht werden können. Obwohl dies auch auf die klassische Spiegelreflexkamera zutrifft, wird der Begriff mittlerweile fast ausschließlich für die Fotoapparate benutzt, die ohne Spiegel im Inneren des Gehäuses auskommen.

Der Spiegel bot in der Frühzeit der Fotografie erstmals die Möglichkeit, im Sucher der Kamera exakt den Ausschnitt zu sehen, den auch die Kamera erfasst und der später auf dem Foto zu sehen sein wird – mit diesem Vorteil wurde die Spiegelreflexkamera seit ihrer Erfindung im 19. Jahrhundert zum Standard in der Fotografie.

Kleiner Junge fotografiert einen Hund aus nächster Nähe
Das geringere Gewicht der Systemkameras erleichtert auch den Kleinsten den Einstieg in die Fotografie. (© 2016 Chalabala/Thinkstock)

Doch mit der Digitaltechnik wurde es plötzlich möglich, das Bild, das die Kamerasensoren erfassen, auf elektronischem Weg auf ein Display zu übertragen: die Geburtsstunde der spiegellosen Systemkameras, kurz DSLM (mehr zu den Abkürzungen finden Sie im Kasten). Diese sind kompakter, kleiner und leichter als Spiegelreflexkameras, kurz DSLR. Denn sie kommen ohne den Spiegel und die Vorrichtung aus, die ihn beim Knipsen zur Seite klappt und damit dem Licht den Weg auf den Film beziehungsweise den Bildsensor freigibt. Teilweise bringen die Systemkameras deshalb ein paar Hundert Gramm weniger auf die Waage. Auf ausgedehnten Fotosafaris macht sich eine solche Gewichtsersparnis schon bemerkbar. Ansonsten aber liegt der größte Unterschied im digitalen Display, das vor allem Foto-Anfängern große Vorteile bietet.

Vorteile des digitalen Displays bei DSLM Kameras

SLR, DSLM & Co.: Was ist was?

Spiegelreflexkameras werden in der Fotobranche auch SLR bezeichnet. Die Abkürzung steht für das englische single-lens reflex, sprich eine Einzellinse mit Spiegel-Vorrichtung, die das Bild der Linse zum Sucher leitet. Der Spiegel klappt bei der Aufnahme zur Seite, das Licht trifft auf den Film beziehungsweise den Sensor. Kameras mit einem zweiten Objektiv, eines für die Aufnahme und einem unabhängigen zweiten für das Bild im Sucher, nennt man dagegen TLR, das steht für twin-lens reflex.

Spiegellose Kameras tragen die Abkürzung SLM, für single-lens mirrorless, sprich Einzellinse ohne Spiegel.

Wenn es sich – wie meistens – um Digitalkameras handelt, wird den Abkürzungen auch häufig ein D für digital vorangestellt. Digitale Spiegelreflexkameras sind also auch als DLSR zu finden, digitale spiegellose Systemkameras als DSLM.

Die spiegellosen Systemkameras verfügen statt über einen Sucher über sogenannte digitale Displays. Hier wird nicht das abgebildet, was sich dem Auge des Fotografen beziehungsweise der Fotolinse darbietet, sondern das, was später auf dem Bild zu sehen sein wird. Und zwar inklusive aller Effekte, die durch die Einstellungen der Kamera hervorgerufen werden, zum Beispiel dem Weißabgleich, den ISO-Einstellungen oder Spezialprogrammen. Während der erfahrene Fotoprofi verinnerlicht hat, welche Auswirkungen die jeweilige Einstellung mit sich bringt, sieht sie der Laie bei einer Systemkamera direkt im Display.

Zudem kann er noch weitere Unterstützung in Anspruch nehmen. Denn im Display erscheinen auf Wunsch zusätzliche Hilfselemente wie eine Wasserwaage für die korrekte Ausrichtung oder ein Gitterraster für eine gelungene Bildkomposition. Und während bei preisgünstigen Spiegelreflexkameras auf dem fertigen Foto schon mal die eine oder andere Ecke fehlen kann, die im Sucher noch zu sehen war, zeigt das Display einer Systemkamera den Bildausschnitt immer zu 100 Prozent.

Ein weiterer Vorteil: Das Display lässt sich bei den meisten modernen Systemkameras in verschiedene Richtungen ausklappen. Sie müssen sich also nicht unbedingt daneben legen, wenn die Kamera mal auf dem Boden steht und Sie ermitteln wollen, was auf dem Foto zu sehen sein wird. Ein Dreh in Ihre Richtung, und Sie können das Motiv bequem von oben betrachten.

Fotografin knipst auf em Boden liegend eine Blume
Während Fans von Spiegelreflexkameras für solche Aufnahmen Grasflecken in Kauf nehmen, bieten die meisten Systemkameras drehbare Displays für den bequemen Blick im Sitzen. (© 2016 AntonioGuillem/Thnikstock)

Spiegelreflex oder spiegellos?

Spiegelreflexkamera

+ Größere Auswahl an Objektiven und Zubehör
+ Schnellerer Autofokus
+ Umfangreicher Gebrauchtmarkt
- Vergleichsweise schwer
- Leichte Verzögerung durch Hochklappen des Spiegels

Spiegellose Systemkamera

+ Kompakter und leichter
+ Bild im Sucher wie auf späterem Foto sichtbar
+ Features wie Gitterraster, Wasserwaage etc. können im Display eingeblendet werden
- Display benötigt zusätzlichen Strom
- Für Spiegelreflex-Objektive ist in der Regel ein Adapter notwendig

Viele Features mit an Bord

Eine moderne Systemkamera bietet so ziemlich alles, was Sie auch von einer hochwertigen Spiegelreflexkamera erwarten können. Dazu gehören je nach Modell verschiedene Bildformate wie RAW oder TIFF, mit dem entsprechenden Objektiv lassen sich auch Tiefenschärfe- und ähnliche Effekte erzielen. Auch bei der Bildqualität stehen DSLM den DSLR nicht mehr nach. Allenfalls die Top-Modelle der DSLR ermöglichen eine noch brillantere Bildqualität durch Vollformat-Sensoren, die in Systemkameras kaum zu finden sind.

Beim Autofokus, kurz AF, nutzen die beiden Kameratypen jeweils unterschiedliche Systeme. Der sogenannte Phasen-AF, der in Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommt, arbeitet etwas schneller als der Kontrast-AF einer Systemkamera. Dafür wird die Fokussierung beim Hochklappen des Spiegels im Moment des Auslösens für einen kurzen Moment unterbrochen. Dadurch sind bei einer DSLM schnellere Bildfolgen möglich mit mehr Bildern pro Sekunde, da sich der Autofokus nicht jedes Mal neu einstellen muss. Bei so gut wie allen Digitalkameras gehört eine Videofunktion zum Standard. Systemkameras bieten dabei häufig sogar schon die höchste Auflösung von 4K.

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Bei der Auswahl an Objektiven und weiterem Zubehör haben die Spiegelreflexkameras derzeit noch die Nase vorn. Doch das Angebot für DSLM wächst ständig, außerdem lassen sich per Adapter die meisten Objektive auch für Systemkameras nutzen.

Auswahl verschiedene Kameraobjektive
Mithilfe von Adaptern lassen sich die Objektive einer Spiegelreflexkamera auch mit Systemkameras nutzen. (© 2016 Kuzmik_A/Thnikstock)

Fazit: Eine vollwertige Kamera vor allem für Einsteiger

Spiegellose Systemkameras sind mittlerweile vollwertige Fotoapparate und liefern Ergebnisse, wie man sie bislang nur mit Spiegelreflexkameras erzielen konnte. Bei der Bildqualität sind Unterschiede heute mit dem bloßen Auge nicht mehr auszumachen, und auch das Angebot für Objektive wächst ständig. Außerdem lassen sich per Adapter auch Objektive nutzen, die für Spiegelreflexkameras entwickelt wurden. Foto-Einsteiger wissen vor allem das Display zu schätzen, das bei der Anzeige alle Einstellungen und Effekte berücksichtigt. Denn damit gelingen auch ihnen beeindruckende Bilder wie vom Profi.

Wie Sie Ihre gekaufte Kamera richtig reinigen lesen Sie in unserem Ratgeber "Kamera reinigen: So wird Ihre Spiegelreflex wieder sauber".

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