Beeindruckend türmen sich die Bergkämme am Horizont auf. Das Panorama, das sich Ihnen bietet, könnte mit jeder Postkarte mithalten – das schnell geknipste Foto hingegen nicht. Statt die Mächtigkeit der Bergformation einzufangen, stimmen die Proportionen nicht so richtig. Woran das liegt und wie Ihre Fotos ebenso beeindruckend werden wie die Landschaft vor der Linse, zeigen wir Ihnen in diesem Ratgeber.

Die richtige Kameraausrüstung für Landschaftsfotografie

Kameraausrüstung für Landschaftsfotografie
Auf einem Stativ steht die Kamera am sichersten. Außerdem können Sie die Kamera für Landschaftsfotografie darauf in Ruhe ausrichten. (© 2017 Pexels)

Kamera:

Landschaftsbilder können grundsätzlich mit jeder Kamera gemacht werden. Auch ein Smartphone kann dabei gute Ergebnisse erzielen. Mit einer Spiegelreflexkamera, bei der Sie ISO-Werte, Belichtungszeit und Blende selbst einstellen können, werden Sie aber die besten Bilder aufnehmen können. Denn dank der vielen Einstellungsmöglichkeiten können Sie für jede Foto-Situation das Beste aus Ihrer Kamera herausholen.

Objektiv:

Beim Objektiv wird Ihnen ein Zoom-Objektiv die besten Dienste erweisen. Mit einer Brennweite von etwa 18 bis 100 Millimetern können Sie sowohl Aufnahmen im Weitwinkel-Format machen als auch den Bildausschnitt durch Heranzoomen verkleinern. Welche Blendenöffnung das Objektiv maximal zulässt, ist hingegen unwichtig. Denn in der Regel werden Sie die Blende bei Landschaftsfotografie ohnehin eher geschlossen haben und selten über f5.6 öffnen, da sonst nicht die gewünschte, gleichmäßige Schärfe im Bild erreicht werden würde.

Zubehör:

  • Stativ: Unerlässlich für die Landschaftsfotografie. Egal ob Sie Ihre Kamera optimal ausrichten oder im schwindenden Tageslicht fotografieren möchten, das Stativ sorgt für Stabilität.
  • Objektivfilter: Die kleinen Objektivfilter werden auf das Objektiv geschraubt. Sie geben physischen Schutz und sorgen je nach Art für bessere Bilder. Der Polarisations-Filter sorgt etwa für schöne Kontraste und stellt die Farben kräftiger dar. Der ND-Filter ist hingegen wie eine Sonnenbrille für die Kamera und erlaubt auch bei Tag eine längere Belichtungszeit. Ein UV-Filter schützt außerdem den Sensor. Mehr zu den einzelnen Filtern erfahren Sie in unserem Ratgeber Kamera Filter-Arten im Überblick: Was können UV, ND & Polfilter?
  • Gegenlichtblende: Die Kunststoff-Abdeckung wird vorn aufs Objektiv geschraubt und verhindert, dass seitlich Licht auf die Linse trifft. Dies könnte sonst dazu führen, dass sogenannte Streuflecken auf dem Foto sichtbar sind.

    ND-Filter
    Ein ND-Filter ist wie eine Sonnenbrille für die Kamera, er bewirkt, dass weniger Licht durch die Linse kommt und somit auch bei Sonnenschein länger belichtet werden könnte. (© 2017 Pexels)


Was ist eigentlich Landschaftsfotografie?
Wiesen, Berge oder das Meer? Was genau darf eigentlich aufs Bild, wenn es ein Landschaftsfoto sein soll? Die Antwort ist ganz einfach: alles. Denn Landschaftsfotografie heißt lediglich, dass kein Stillleben im Fotostudio abgelichtet wird, sondern der Fotograf zu seinem Fotomodell hingeht: nämlich raus in die Natur. Wenn sich dabei ein Haus, ein Dorf oder sogar eine ganze Stadt ins Bild mogelt, dann ist es so gesehen immer noch Landschaftsfotografie.

Den richtigen Ort und die richtige Zeit wählen

Für ein richtig gutes Landschaftsfoto sollten Sie im wahrsten Sinne des Wortes zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Aber fast noch wichtiger: Sorgen Sie auch dafür, dass Sie genügend Zeit haben. Denn ein Bild, das hektisch und nebenbei geschossen wird, ist allenfalls ein Schnappschuss. Lassen Sie vielmehr das Motiv erstmal auf sich wirken, gehen Sie auch mal einen Schritt vor und zurück, um den richtigen Bildausschnitt zu finden. Bauen Sie dann Ihre Kamera auf und richten Sie diese aus. Viele Kameras haben bereits eine eingebaute Wasserwaage. Nutzen Sie diese, um den Horizont genau waagerecht aufs Bild zu bekommen.

Was den richtigen Zeitpunkt betrifft, so sorgen die frühen Morgen- oder späten Abendstunden für die schönsten Bilder. Dann zaubert die sogenannte Goldene Stunde ein sanftes Licht. Da die Sonne jetzt tief am Horizont steht, fallen die Schatten länger und machen das Foto interessanter. Hinzu kommt, dass zu diesen Tageszeiten nicht selten Nebel über den Wiesen, Seen und Feldern liegt, der den Bildern erst recht eine geheimnisvolle Note gibt. Weiterer Pluspunkt: Wenn Sie sogar noch ein paar Minuten früher kommen oder länger bleiben, können Sie den Sonnenaufgang oder -untergang gleich mit ablichten.

Landschaftsfotografie goldene Stunde
Kurz vor Sonnenuntergang wird das Licht golden und färbt auch die Landschaft so. (© 2017 Pexels)


Ausnahme Langzeitbelichtung

Möchten Sie ein Bild länger belichten, gehen Sie folgendermaßen vor: Legen Sie zunächst die Belichtungszeit fest und ändern dann die weiteren Einstellungen. Wollen Sie tagsüber lange belichten, können Sie etwa die Blende sehr weit, etwa auf f/ 11, schließen. Oft reicht das bereits aus, um nicht zu viel Licht durchzulassen. Wäre das Bild auch bei einer Blende von f/ 22 und dem niedrigsten ISO-Wert von 100 noch überbelichtet und können Sie die Belichtungszeit aber nicht verringern, weil Sie dann einen bestimmten Effekt nicht mehr erzielen würden, etwa fließendes Wasser wie Nebel aussehen zu lassen, dann benötigen Sie einen ND-Filter. Diesen gibt es in verschiedenen Stärken. Je höher die Stärke, desto weniger Licht lässt er durch und desto länger können sie belichten.

So stellen Sie die Kamera für Landschaftsfotografie ein

Möchten Sie sich möglichst wenig mit den Einstellungen befassen, wählen Sie einfach den Landschaftsmodus aus. Diesen erkennen Sie auf dem Modusrad am Piktogramm einer Berglandschaft. Wenn Sie aber das Beste aus Ihrer Kamera herausholen wollen, dann stellen Sie das Modusrad auf M für “Manuell” und nehmen Sie alle Einstellungen selbst vor. So geht’s:

  1. ISO-Wert: Stellen Sie den ISO-Wert auf 100. Die Einstellung lässt sich im Menü über das Display oder über einen entsprechend beschrifteten Knopf am Kameragehäuse vornehmen. Bei diesem niedrigsten Wert nimmt der Kamerasensor zwar nicht so viel Licht auf, es besteht aber auch nicht die Gefahr, dass auf den Fotos ein Bildrauschen zu sehen ist. Dann würden insbesondere dunklere Farben nicht klar, sondern unsauber dargestellt. Bei Aufnahmen im Freien steht bei Tageslicht ohnehin genügend Licht zur Verfügung. Wenn Sie den Sonnenaufgang oder -untergang fotografieren möchten, stellen Sie den ISO-Wert auf maximal 400.
  2. Blende: Die Blende regeln Sie über das Menü oder ein Rädchen am Kameragehäuse. Wählen Sie eine Blende zwischen f5,6 und f22. Je höher die Zahl, desto weiter wird die Blende geschlossen und desto weniger Licht kommt folglich durch das Objektiv. Die Blende regelt aber auch die Tiefenschäfte des Bildes. Bei einer Blende von f22 ist das ganze Bild vollständig scharf. Wird die Blende weiter geöffnet, also die Zahl reduziert, bleibt nur der Fokuspunkt des Bildes scharf, während der Rest immer mehr verschwimmt.
  3. Belichtungszeit: Stellen Sie die Belichtungszeit erst ein, nachdem Sie alles andere bereits fertig eingestellt haben. Denn in den allermeisten Fällen bestimmt sich die richtige Belichtungszeit nach den weiteren Faktoren. Schauen Sie nun durch Ihre Kamera und beobachten Sie die kleine Strichleiste am unteren Ende des Blickfeldes. Wenn Sie ganz leicht den Auslöser antippen, ohne ihn vollständig zu drücken, dann sehen Sie, wie ein kleiner Strich auf dieser unteren Leiste anzeigt, wie die Belichtung sich auf das Foto auswirkt. Ziel ist es, den Strich auf die 0 in der Mitte der Zeile zu bekommen. Alles darüber wäre Überbelichtung, alles darunter folglich eine Unterbelichtung.
    Landschaftsfotografie Wasser
    Wird fließendes Wasser länger belichtet, wirkt es wie Nebel. Bei kurzer Belichtung wirkt es hingegen wie eingefroren. Die Belichtungszeit betrug hier 6/10 s bei einer Blendeneinstellung von f/9.0. Fotografiert wurde mit einem 16mm Objektiv. (© 2017 Pexels)

     

  4. Fokus: Am Objektiv Ihrer Kamera befindet sich ein kleiner Schalter, den Sie zwischen M(F) und A(F) hin und her schieben können. So wechseln Sie zwischen automatischem (A) und manuellem (M) Fokus. In der Regel ist der Autofokus sehr zuverlässig. Wollen Sie aber einen bestimmten Teil des Bildes scharf stellen, Ihre Kamera fokussiert jedoch stets eine andere Stelle, dann schalten Sie auf den manuellen Fokus um und drehen so lange am Objektiv, bis genau das scharf gestellt ist, was Sie auch fokussieren möchten.

    In der Landschaftsfotografie gilt die Drittel-Regel. Das heißt:

    Teilen Sie das Bild mit zwei horizontal verlaufenden Linien in drei Teile. Platzieren Sie nun den Horizont auf einer der beiden (gedachten) Linien. Ob Sie dadurch zwei Drittel des Bildes mit Himmel füllen, oder stattdessen der Landschaft mehr Platz einräumen, können Sie davon abhängig machen, was jeweils beeindruckender aussieht. Fotografieren Sie etwa einen Gewitterhimmel, können Sie den Horizont auf die untere Linie setzen, so dass der Himmel zwei Drittel des Fotos einnimmt. Ist Ihr Motiv hingegen eine bunte Blumenwiese vor einem wolkenlosen blauen Himmel, wird das Bild mehr beeindrucken, wenn Sie der Wiese zwei Drittel vom Platz einräumen.

    Landschaftsfotografie Drittel-Regel
    Drittel-Regel wie aus dem Lehrbuch: Der Horizont befindet sich auf der gedachten oberen Linie, der Steg endet am Schnittpunkt zweier Linien. (© 2017 Pexels)

    Gibt es im Bild andere wichtige Punkte, etwa einen Steg oder einen Weg, so bietet es sich an, die Bildaufteilung nach diesen aufzubauen. Dazu denken Sie sich zwei vertikale Linien, die das Foto ebenfalls in drei gleichgroße Teile gliedert. Lassen Sie nun den Steg bis zu einer der beiden Linien ins Bild hineinragen oder lichten Sie den Weg so ab, dass er auf einer der zwei vertikalen Linien endet. Sie können auch alle Linien kombinieren, sodass ein Gitter entsteht. Setzen Sie wichtige Punkte des Bildes, etwa eine Bergspitze, einen Kirchturm oder das einsame Boot auf dem See genau auf einen der vier Punkte, an denen sich die Linien jeweils überschneiden. Viele Kameras haben dieses Gitternetz übrigens auch integriert und zeigen es auf Wunsch auf dem Display oder auch beim Blick durch den Sucher an.

    Achten Sie auf Ihre Umgebung

    Sie haben das Motiv quasi schon vor Augen? Perfekt. Doch sollten Sie trotzdem Ihre Umgebung nicht ganz aus den Augen verlieren bei der Landschaftsfotografie. Denn manchmal tut sich ein Stückchen neben dem vermeintlichen Traum-Motiv das eigentliche Wunder der Natur auf. Deshalb: Nehmen Sie die Welt nicht nur durch den Sucher Ihrer Kamera wahr, lassen Sie Ihren Blick auch mal schweifen, Sie werden überrascht sein, was Sie dabei noch alles entdecken.

    Landschaftsfotografie Sonnenstrahl
    Ein Sonnenstrahl, der sich seinen Weg durch das dichte Blätterdach der Bäume bahnt – nur wer mit offenen Augen durch die Natur wandert, nimmt auch solche kleinen Wunder wahr. (© 2017 Pexels)

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