Grell und unscharf: Hast du dich schon einmal gefragt, was es mit diesen überbelichteten und körnigen Bildern auf sich hat, die immer häufiger bei Instagram und Co. auftauchen? Nein, die Fotografen haben ihr Smartphone nicht falsch bedient – sie sind einfach “Lomographer”, die mit einer besonderen Methode analoge Fotos schießen. In diesem Ratgeber liest du, was es mit dem Trend “Lomografie” auf sich hat, wie die bunten Bilder entstehen und wie du sie selbst ebenso farbintensiv knipsen kannst.

Definition: Was ist Lomografie?

Lomografie ist eine bestimmte Foto-Aufnahmetechnik, die stark von künstlerischen Überlegungen geprägt ist. Im Fokus der Fotografien sollen sich alltägliche Motive befinden, die per Zufall – also als Schnappschuss – entstehen. Fotografiert wird ausschließlich mit analogen Kameras und Foto-Filmen.

Die Fotos dürfen dabei, typisch analog, etwas verschwommen oder unscharf sein. Dafür sollen scharfe Kontraste und intensive Farben im Vordergrund stehen. Der Vorteil dabei: Alles kann, nichts muss. Da Lomografie gern als künstlerische Bewegung angesehen wird, gibt es kein “Richtig” und kein “Falsch” – erlaubt ist, was gefällt.

Dabei ist es genau diese Lockerheit, die Lomografie auf sozialen Foto-Sharing-Plattformen wie Instagram, Pinterest und Tumblr immer beliebter werden lässt. Die Fotos müssen nicht perfekt oder gestochen scharf sein wie künstlich aufgehübschte Smartphone-Bilder – sie dürfen das “gewisse Etwas” des Makels haben.

Spülmittel mit einer Lomo Fisheye fotografiert
Aufgenommen mit einer “Lomo Fisheye”: Selbst Spüli kann ästhetisch in Szene gesetzt werden. (© 2019 katie chao and ben muessing / Flickr)

Beschreibung: Wie entsteht Lomografie?

Lomografie ist also irgendwie alles und irgendwie nichts. Du darfst fotografieren, was du willst, darfst das Bild “schlecht” aufnehmen, die falsche Belichtung wählen, das Motiv unscharf darstellen und Farben vollkommen unnatürlich in der Dunkelkammer erzeugen. Aber wie entsteht dieser Lomo-Effekt eigentlich? Ganz einfach: Über das Zusammenspiel von Kamera, Film und Entwicklung.

5 Grundregeln für Lomographer

Willst du dich ein wenig “lomografisch” ausprobieren? Dann beachte folgende fünf Grundregeln:

  1. Nimm deine Kamera überall hin mit und fotografiere zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Hemmungen.
  2. Denk nicht zu viel über das Motiv nach. Hol die Kamera raus und knips drauf los.
  3. Geh so nah wie möglich an das Motiv heran.
  4. Hab keine Angst vor schlechten Fotos. Die gibt es bei Lomografie nicht.
  5. Spar nicht am Film oder der Entwicklung – Lomografie ist nicht umsonst, dafür aber einzigartig.

Die Kamera

Ausschlaggebend für den knalligen Effekt der Farben ist neben dem gewählten Film vor allem die Kamera. Nicht jede Kamera kann Nuancen so satt erzeugen wie spezielle Lomo-Modelle.

Für den Anfang eignen sich Kameras mit Kleinbild-Format (35mm): Diese Filme kannst du in jeder Drogerie problemlos kaufen und entwickeln lassen. Entsprechend sind folgende Modelle ideale Einsteiger-Lomo-Kameras:

  • Diana Mini
  • Holga 135 (BC)
  • LOMO LC-A(+)
  • Supersampler
  • Actionsampler
  • Oktomat
  • Colorsplash Kamera

Die LOMO LC-A(+) gilt als die beste Einsteigerkamera. Mit ihr lässt sich jedes Bild perfekt belichten, es entstehen besonders weich wirkende Aufnahmen. Zusätzlich kannst du zwischen zwei Formaten auswählen: quadratisch und Halbformat (= zwei Fotos auf einem Bild).

Foto aufgenommen mit Lomo-Einsteigerkamera
Mit der LOMO LC-A(+) knipsen: Für den Lomo-Einstieg ideal. (© 2019 Silence / Flickr)

Etwas schwieriger wird es mit Kameras wie …

  • … Holga 120
  • … Diana F+
  • … Lubitel
  • … Lomo Fisheye
  • … Spinner 360!
  • … Sprocket Rocket

Diese Modelle verlangen durch das Mittelformat des Films (120mm) eine besondere Entwicklungstechnik. Großlabore, wie die, mit denen Drogerien zusammenarbeiten, liefern hier keine zufriedenstellenden Abzüge. Lediglich spezielle Foto-Fachgeschäfte können die gewünschten Ergebnisse sicherstellen. Entsprechend ist die Entwicklung eines Films recht kostenintensiv. Pro Bild können bis zu 50 Cent anfallen.

Foto von Straßenkreuzung mit Lomo Fisheye aufgenommen
Schwieriges Format: Fotos mit der Lomo Fisheye kosten in der Entwicklung relativ viel Geld. (© 2019 Victor U / Flickr)

Der Film

Hast du dich für eine Lomo-fähige Kamera entschieden, geht es an die Auswahl des richtigen Speichermediums. Du benötigst auf jeden Fall einen analogen Foto-Film. In der Regel findest du in jedem Drogeriemarkt eine kleine Auswahl an Filmen.

Diese bestehen ausschließlich aus dem Kleinformat 35mm – alle weiteren Formate findest du nur in Foto-Fachgeschäften zu leider gesalzenen Preisen. Die Drogerie-Filme unterscheiden sich lediglich in ihrer Lichtempfindlichkeit, dem sogenannten ISO. Er gibt an, wie viele Bildinformationen der Film selbst bei schwachem Licht speichert. Je höher die Zahl, desto dunkler darf die Umgebung sein.

Mann liegt an sonnigem Tag im Gras und wird mit Lomo-Kamera fotografiert
An sonnigen Tagen fotografiert es sich meist am besten. (© 2019 Gilles FRANCOIS / Flickr)

Wähle für deine ersten Lomografie-Versuche einen Film mit ISO 200 und gehe nur an sonnigen und hellen Sommertagen auf Foto-Tour. So sind dir korrekt belichtete Bilder so gut wie sicher.

Wähle höhere ISO-Filme nur für bestimmte Zwecke, etwa wenn du während der Dämmerung oder gar in der Nacht fotografieren willst. Bedenke dabei, dass die integrierten Blitze der Lomo-Kameras nicht auf weite Sicht wirken. Du solltest also möglichst nah an deinem Motiv stehen, um es sichtbar werden zu lassen.

Tipp: Damit die Bilder so richtig knallbunt und lomo werden, wie du es dir erhoffst, benutzt du für das Fotografieren keinen regulären Negativ-Film, sondern einen sogenannten Positiv-Film. Das sind meist Dia-Filme oder Slide Films, die du im Foto-Fachhandel kaufen kannst. Lies weiter unten, wie mit dem Positiv-Film die typischen Lomo-Bilder entstehen.

Welche Filme gibt es für analoge Kameras?

Kein analoges Foto kann ohne Film entstehen. Dabei haben verschiedene Filme verschiedene Charakteristika. Grundsätzlich unterscheidet die Foto-Welt:

  • Schwarzweißfilm (Negativ-Film)
  • Farbfilm (Negativ-Film)
  • Diafilm (Positiv-Film)

Filme können dabei verschiedene Formate einnehmen:

  • Kleinbild (35 mm)
  • Mittelformat (120 mm)
  • Großformat (offiziell “4x5 inch” genannt, etwa 10,5 x 12,7 cm)

Analoge Filme können zusätzlich auf eine bestimmte Körnigkeit, Empfindlichkeit oder einen speziellen Belichtungsspielraum zugeschnitten sein.

Die Entwicklung

Du hast deinen ersten Film mit der Lomo-Kamera vollgeknipst und brennst darauf, deine Ergebnisse endlich in den Händen zu halten? Dann kommt hier eine gute Nachricht für dich: Du kannst den Film – sofern 35mm-Kleinformat – bei jeder Drogerie über ein Großlabor entwickeln lassen.

Negativ-Filme werden normal entwickelt und besitzen die für analoge Fotos typische Unschärfe und Körnung. So richtig lomo ist das Ergebnis aber nicht.

Hast du allerdings einen Positiv-Film verknipst, kannst du diesen besonders knalligen “Lomo-Effekt” erzeugen, indem du einen kleinen Trick anwendest:

  1. Bring den Film wie gewohnt zu einer Drogerie und lass ihn über ein Großlabor wie Fuji oder CEWE entwickeln.
  2. Gib den Film in die vorgesehenen Briefumschläge und füge dem Kuvert eine Nachricht mit einem Extrawunsch bei.
    Inhalt: “Bitte in C-41 entwickeln, Cross-Process. Farbstiche sind erwünscht, bitte Abzüge machen. Vielen Dank!”

Durch den sogenannten Cross-Process wird der Positiv-Film mit Chemikalien entwickelt, die eigentlich für einen Negativ-Film gedacht sind. Diese werden mit der Bezeichnung C-41 abgekürzt. Normalerweise wird ein Positiv-Film mit Chemikalien der Bezeichnung E-6 entwickelt. Durch die Verwendung der “falschen” Chemikalien entstehen die gewünschten, kräftigen Farben und Farbstiche.

Straße mit greller blauer Farbe mit einer Lomo-Kamera fotografiert
Ultra grelle Farben? Dank des Cross-Process kein Problem. (© 2019 pablo korona / Flickr)

Sollten deine Fotos unerwartet nicht vom Großlabor entwickelt werden, hast du immer die Möglichkeit, ein Foto-Fachgeschäft aufzusuchen. Hier werden deine Wünsche auf jeden Fall umgesetzt – wenn auch für etwa den doppelten Preis.

Lomografie für alle!

Mit dem richtigen Equipment, der kreativen Vision und der “falschen” Entwicklung wurde Lomografie zu dem, was sie heute ist: Das Feiern des “schlechten” Fotos. Knipse die einzigartigen und künstlerischen Aufnahmen mit einer Lomo-Kamera doch einfach mal selbst. Anfänger-Modelle und analoge Filme sind schon für kleines Geld verfügbar. Die Fotos lassen sich anschließend sogar in Großlaboren zu günstigen Preisen entwickeln. So entstehen Bilder voller Farben und Flair, die besonders im Zeitalter der perfekten Smartphone-Fotos ihren ganz besonderen Charme versprühen.