Gehören Sie zu den Menschen, die gern überall im Haus oder in der Wohnung Musik genießen? Dann kann ein Multiroom-System interessant sein, das zwar zentral gesteuert wird, in jedem Zimmer jedoch individuelle Anpassungen und Einstellungen ermöglicht. Wir sagen Ihnen, wie das funktioniert und was Sie dafür brauchen.

Was ist ein Multiroom-System?

Schon die klassische analoge Stereoanlage bot in der Regel die Möglichkeit, mehrere Lautsprecher anzuschließen und diese in unterschiedlichen Räumen aufzustellen. Allerdings spielt dann überall dieselbe Musik, und das Regeln oder Wechseln von Musik geht nur von dort, wo die Anlage steht.

Multiroom-System Komponenten vernetzt
In einem Multiroom-System sind alle Komponenten miteinander vernetzt, in den meisten Fällen per WLAN. (© 2017 Samsung)

Multiroom-Systeme gehen weiter. Das Geheimnis dieser Technik ist der digitale Ansatz. Ein Multiroom-System fasst alle Ihre Musikdateien als Bibliothek zusammen und ergänzt diese mit dem Zugriff auf Online-Angebote.

Die einzelnen Zonen/Zimmer können über eigene Musik-Clienten kommunizieren. Das sind netzwerkfähige Lautsprecher und andere Komponenten, die miteinander verbunden sind. In den meisten Fällen ist das eine kabellose Verbindung auf WLAN-Basis. Diese komplette Vernetzung ermöglicht es, alle Funktionen zentral über eine Fernbedienung oder eine App zu steuern. Über eine entsprechende Schnittstelle lässt sich übrigens auch eine analoge Stereoanlage in das Netz einbinden.

Komponenten eines Multiroom-Systems
Komfortabel: Über eine zentrale Steuereinheit, in der Regel eine App, lassen sich alle Komponenten konfigurieren und individuell ansteuern. (© 2017 Yamaha)

Zwei Netzwerktypen für die Komponentenverbindung

Kabel brauchen Sie für die Verbindung zwischen den Komponenten einer Multiroom-Anlage nicht mehr. Alle Anbieter setzen hier auf kabellose (wireless) Lösungen. Dabei sind zwei Grundtypen zu unterscheiden:

  • Klassisches WLAN: WLAN findet sich heute in allen Haushalten, die einen kabellosen Internetzugang besitzen. Diese vorhandene Infrastruktur nutzen die meisten Hersteller. Die Lautsprecher und sonstigen Komponenten sind mit WLAN-Technik ausgestattet und werden einfach am vorhanden WLAN-Router angemeldet.

    Funktion des Multiroom-Systems mit WLAN und Mesh-Netzwerk
    Strukturunterschiede: Klassisches WLAN basiert auf einem Router, der alle Netzteilnehmer verbindet. Beim Mesh-Netzwerk (rechts), wie es beispielsweise von Sonos, LG und Samsung genutzt wird, kommunizieren alle Komponenten miteinander. (© 2017 LG)
  • Mesh-Netzwerke: Wenn Sie bereits Ihr Netzwerk stark nutzen, beispielsweise viele Mobilgeräte wie Smartphones oder Tablets darin betreiben, viel im Internet surfen oder darüber datenintensive Filme ansehen (Video-Streaming), kann das zusätzliche Multiroom-System im WLAN-Netzwerk zu Überlastungen führen. Darum setzen einige Hersteller auf ein separates Mesh-Netzwerk, das anders aufgebaut ist: Während es beim WLAN nur einen Zugangspunkt (den Router) gibt, der alles miteinander verbindet, sind beim Mesh-Netzwerk alle Komponenten Zugangspunkte, weil sie gleichzeitig als Sender und Empfänger dienen. Die Übertragungstechnik entspricht der des WLAN`s.

So bauen Sie ein Multiroom-System auf

WLAN-System: Für das Multiroom-System brauchen Sie:

  • Internetzugang, damit Streamingdienste, Internetradios und dergleichen genutzt werden können.
  • WLAN-Router
  • Systemkomponenten, insbesondere die Multiroom-Lautsprecher und die Fernbedienung beziehungsweise Fernbedienungs-App.
  • Als Musikquelle können Sie alle Mediendateien nutzen, auf die das Netzwerk Zugriff hat. Das kann ein spezieller Player mit Netzwerkfestplatte sein, ein NAS-Server (Netzwerkserver, der per Ethernetkabel an Ihr Netzwerk angeschlossen wird), ein Cloud-Speicher (Online-Speicher wie Google Drive) oder Musikdateien auf Smartphone, Tablet oder stationärem Rechner, sofern diese im selben WLAN-Netz angemeldet sind.

Optional können Sie einen Multiroom-Receiver einbinden, mit dem sich die bisherige Stereoanlage integrieren lässt oder ein streamingfähiger Multiroom-Verstärker, an den sich klassische Lautsprecher anschließen lassen.

  1. Schließen Sie eine Komponente direkt an den Router an (zum Beispiel einen Multiroom-Lautsprecher, -Receiver, -Verstärker). Das System erkennt die im Netz verfügbaren Audioinhalte und sammelt sie in seiner Bibliothek.
  2. Stellen Sie nach Bedarf weitere Multiroom-Lautsprecher auf und schließen Sie diese für den Betrieb des eingebauten Verstärkers und der WLAN-Einheit an das Stromnetz an.
  3. Nun noch nach Herstellervorgaben die Komponenten in das gemeinsame Netz einbinden und konfigurieren. Das erfolgt über die kostenlose App des Anbieters.

Mesh-System: Der Aufbau eines Mesh-Systems ist sehr ähnlich, denn immerhin ist es trotz der anderen Vernetzungsstruktur auch ein WLAN-System. Sie brauchen lediglich zusätzlich eine sogenannte Bridge erwerben. Diese Komponente wird an den Router angeschlossen und bildet den Grundstein für das separate Netzwerk.

Konfiguration des Multiroom-Systems mit dem Smartphone
Das Konfigurieren des Systems ist einfach über eine App der Hersteller zu erledigen. (© 2017 Teufel/Raumfeld)

Ausgewählte Hersteller von Multiroom-Systemen

Um sicherzugehen, dass alle Komponenten problemlos miteinander funktionieren, ist eine einheitliche Lösung von einem Hersteller empfehlenswert.

So finden Sie die passende Multiroom-Lösung

  • Woher soll die Musik kommen? Wenn Sie einen zentralen Ablage- und Abrufort schätzen, sollte das System beispielsweise NAS-Server oder USB-Festplatte einbinden können oder einen eigenen Musikserver bieten.
  • Welche Musikdateien sollen abgespielt werden können? Das weit verbreitete MP3-Format verarbeiten alle Anlagen. Wenn Sie andere Formate bevorzugen, sollte die Kompatibilität geprüft werden.
  • Wie qualitätsbewusst sind Sie? Das Abspielen sehr hoch auflösender Dateien (High Resolution Audio) bietet nicht jedes System. Überlegen Sie auch die gewünschte Klangqualität. Anspruchsvolle Hörer sollten bereit sein, in hochwertige und damit teurere Technik/Lautsprecher zu investieren.
  • Nutzen Sie Streaming-Dienste? Viele Musikliebhaber sind Abonnenten von Diensten wie Spotify, Deezer, Amazon Prime Music und ähnlichen. Gehören Sie dazu, muß darauf geachtet werden, dass Ihre Dienste vom System unterstützt werden.
  • Wollen Sie später expandieren? Manchmal reicht nach einiger Zeit ein Basissystem nicht mehr aus und Sie möchten weitere Komponenten wie ein Heimkino-System einbinden. Dann sollten Sie einen zukunftssicheren Hersteller mit entsprechend großem Programm bevorzugen.
  • Wie komfortabel soll die Bedienung sein? Alle Hersteller bieten die Steuerung per App auf Smartphone oder Tablet, einige haben zusätzlich praktische konventionelle Fernbedienungen.
  • Sonos ist ein Vorreiter auf diesem Gebiet und benutzt ein Mesh-Netzwerk. Zum Programm gehören Lautsprecher in verschiedenen Größen, eine Komponente für die Integration vorhandener (analoger) Anlagen und eine Einheit, die normale Passiv-Lautsprecher in aktive Multiroom-Lautsprecher verwandelt. Eine Besonderheit ist die Trueplay-Abstimmung. Die Technik misst mit der Sonos App und dem Mikrofon im Smartphone/Tablet, wie Wände, Möbel und andere Oberflächen in einem Raum den Klang reflektieren. Dann passt es die Akustik der Lautsprecher für optimalen Klang an.
  • Samsung setzt ebenfalls auf Mesh-Vernetzung und bietet neben der notwendigen Bridge mehrere dazu passende Lautsprechermodelle an.
  • Raumfeld ist ein deutsches Unternehmen, das zum Lautsprecher- und Heimkino-Spezialisten Teufel gehört. Das Produktspektrum ist breit aufgestellt und umfasst komplette Systeme mit Lautsprechern, Connectoren für Analog-Anlagen oder Optimierer für das Streamen von Musik.
  • Bose ist seit vielen Jahren bekannt für ausgezeichnete Lautsprecher und bietet entsprechend gut klingende Lösungen auch für Multiroom-Konzepte. Ein Streaming-Adapter für kabelgebundene Lautsprecher und ein netzwerkfähiger Verstärker werden ebenfalls geboten. Praktisch ist die den Boxen beigelegte Fernbedienung.
  • Denon verfügt über eine große Geräteauswahl für unterschiedliche Bedürfnisse. Mehrere Lautsprechergrößen sowie Verstärker, Vorverstärker und ein spezieller Receiver sind im Programm.
  • Harman/Kardon bietet kabellose Multiroom-Lösungen, die neben der WLAN-Verbindung auch eine Bluetooth-Verbindung ermöglichen.
  • Yamaha nutzt die breite Erfahrung aus der „klassischen“ HiFi-Technik und rüstet diese mit WLAN-Technik auf.

Multiroom-Systeme brauchen genaue Planung und Komponenten aus einer Hand

Neben den vorgestellten Herstellern gibt es noch weitere. Jeder hat seine Vor- und Nachteile. Wie eingangs schon gesagt, ist ein reibungsloser Betrieb nur dann gesichert, wenn alle Komponenten aus einem Haus stammen. Die Anschaffung sollte daher wohl überlegt sein. Wir haben Ihnen gezeigt, was das Besondere an Multiroom-Systemen ist und wie sie im Prinzip aufgebaut sind. Damit haben Sie das notwendige Grundwissen, ob so etwas für Sie in Frage kommt.

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