Kennen Sie den beliebten Witz? “Den Zusammenhang zwischen einer Musikkassette und einem Bleistift werden junge Leute nie verstehen.” Kein Wunder, erscheint Bandsalat in der digitalen Ära doch wie ein Relikt aus grauer Vorzeit. Doch was ist mit den musikalischen Schätzen, die Sie mühsam aus dem Radio aufgenommen haben? Mit dem Mix-Tape, das Sie vom ersten Freund, der ersten Freundin geschenkt bekommen haben? Der Aufnahme der Kinderstimmen Ihres Nachwuchses? Mit den UPDATED-Tipps bringen Sie diese wertvollen Erinnerungen auf den PC, das Smartphone, den mp3-Player.

Darf ich Aufnahmen aus dem Radio digitalisieren?

Die Musikkassette war lange Zeit das meistgenutzte Speichermedium, noch vor den klanglich überlegenen Schallplatten. Denn die Kassette hatte einen Vorteil: Auf ihr konnte man Musik aus dem Radio mitschneiden. Doch hatte man sich damit womöglich strafbar gemacht? Und wäre eine Digitalisierung eine unzulässige Vervielfältigung?

Für beide Fälle gilt: nein! Musik aus dem Radio dürfen Sie unbesorgt aufnehmen, das gilt übrigens auch für das Internetradio. Allerdings dürfen Sie diese Aufnahmen nur für den Privatgebrauch nutzen, digitalisieren und kopieren. Wer diese Musik verkauft oder öffentlich zugänglich macht – zum Beispiel in Tauschbörsen –, macht sich strafbar.

Die einfachste Möglichkeit: Benutzen Sie einen Kassetten-Digitalisierer

Die Hersteller wissen, dass ein Kassettenspieler ohne Anschlussmöglichkeiten an moderne digitale Geräte kaum noch gebraucht wird. Entsprechend gibt es eine Vielzahl von Kassettenspielern mit USB-Anschluss auf dem Markt. Sie heißen Kassettendigitalisierer, USB-Kassettenspieler oder USB-Kassettenrekorder und sie sind bereits ab rund 30 Euro zu haben. In der Regel erwerben Sie gleich eine Software-CD dazu, mit deren Hilfe Sie die Musik aufnehmen, speichern und bearbeiten können. Solche Kassettendigitalisierer gibt es in zwei Varianten.

  •  Variante 1: Zum Digitalisieren Ihrer Kassetten schließen Sie das Gerät mit einem USB-Kabel an den PC an. Legen Sie die Software-CD ein und installieren Sie das Programm. Das führt Sie durch die weiteren Schritte, wie Sie die Musik vom Kassettenspieler auf dem PC aufnehmen können.
  • Variante 2: Manche Geräte ermöglichen eine Aufnahme ohne PC oder Notebook, indem Sie einfach einen USB-Stick anschließen, auf dem die digitalisierten Musiktitel gespeichert werden. Anschließend können Sie den USB-Stick an den PC oder das Notebook anschließen, die Dateien einspielen und von dort aus überall nutzen, in der Cloud speichern oder mit der Software, die in der Regel beiliegt, in einzelne Musiktitel aufteilen optimieren.

Natürlich können Sie die Kassettendigitalisierer auch als ganz “normale” Kassettenspieler benutzen. Fast alle Geräte bieten einen Anschluss für den Kopfhörer und/oder lassen sich an die Stereoanlage anschließen.

Musikkassetten digitalisieren Bandsalat
Sind die Musikkassetten erst einmal digitalisiert, gehören Reparaturarbeiten mit dem Bleistift bei Bandsalat der Vergangenheit an. (© 2017 LucaLorenzelli/Thinkstock)

Die günstigste Möglichkeit: Musikkassetten digitalisieren mit eigenem Kassettenspieler

Wenn Sie noch einen Kassettenspieler besitzen, können Sie ihn direkt an den PC oder das Notebook anschließen und die Digitalisierung durchführen. Im Gegensatz zu Plattenspielern, bei dem ein Vorverstärker dazwischen geschaltet werden sollte (Näheres dazu erfahren Sie im Ratgeber “Schallplatten digitalisieren: So kommen Ihre Vinyl-Schätze auf den PC”), geht das mit einem Kassettenspieler ganz einfach.

  1.  Verbinden Sie den Kassettenspieler mit dem Computer. Hierfür benötigen Sie ein spezielles Kabel beziehungsweise einen Adapter. An dem einen Ende muss das Kabel die beiden Cinch-Stecker in rot und weiß besitzen, die Sie an den sogenannten Line-Out-Anschluss des Kassettenspielers stecken. Am anderen Ende muss sich ein sogenannter 3,5 mm Klinken-Stecker befinden, auch Mini-Klinke genannt. Diesen stecken Sie in den Line-In-Anschluss der Soundkarte Ihres Computers, in der Regel ist er blau gekennzeichnet. Alternativ zur Mini-Klinke können Sie ein Kabel mit USB-Stecker wählen, den Sie in einen der USB-Anschlüsse Ihres Computers stecken. Entsprechende Kabel oder Adapter finden Sie im Fachhandel.
  2. Ein Mikrofon sollten Sie nicht gleichzeitig eingesteckt haben, denn das könnte Störgeräusche hervorrufen.
  3. Achten Sie darauf, dass das Kabel lang genug ist, um die Geräte zu verbinden, aber nicht viel länger, weil sonst Qualitätsverluste auftreten können.
  4. Legen Sie eine Kassette in den Kassettenspieler und spulen Sie diese zurück.
  5. Installieren Sie eine Aufnahme-Software. Das bekannteste kostenlose Programm heißt Audacity, das es sowohl für Windows als auch Mac OS gibt. Für Windows-Nutzer gibt es eine ebenfalls kostenfreie Alternative mit dem No23 Rekorder. Unter den kostenpflichtigen Programmen ist Magix Audio Cleaning Lab für Windows zu empfehlen, das etwa 50 Euro kostet.
  6. Bei Windows müssen Sie eventuell darauf achten, dass unter Systemsteuerung > Hardware und Sound > Audiogeräte verwalten (unter Sound) > Reiter Aufnahme der angeschlossene Kassettenspieler ausgewählt ist.
  7. Öffnen Sie das Aufnahmeprogramm. Bei Audacity geben Sie unter Bearbeiten > Einstellungen > Geräte > Aufnahme die Soundkarte als Quelle an und wählen Stereo (für Musikaufnahmen) oder Mono (genügt bei Sprachaufnahmen). Bei anderen Programmen können die Menübezeichnungen abweichen.
  8. Je nach Programm müssen Sie verschiedene Einstellungen vornehmen, zum Beispiel den Ordner auswählen, wo die Aufnahme gespeichert werden soll. Für jede Software gibt es eine Bedienungsanleitung, für Audacity finden Sie diese zum Beispiel unter Hilfe > Handbuch.
  9. Drücken Sie jetzt im Programm auf Aufnahme oder einen roten Aufnahme-Button.
  10. Starten Sie jetzt mit dem Abspielen der Kassette im Kassettenspieler. Das Aufnahme-Programm zeigt eine Tonspur an.
  11. Achten Sie auf die Ausschläge der Tonspur. Wenn Sie in den roten Bereich geraten oder oben und unten abgeschnitten angezeigt werden, ist die Aufnahme übersteuert. Sehen Sie in der Anleitung nach, wie Sie die Aufnahme aussteuern, damit der Sound klar bleibt. Bei Windows zum Beispiel können Sie dafür unter Systemeinstellungen > Hardware und Sound > Systemlautstärke anpassen > bei Geräte die Lautstärke reduzieren .
  12. Ist die Kassette abgespielt, drücken Sie auf Stopp und hören sich die Aufnahme an. Je nach Programm haben Sie nun verschiedene Möglichkeiten zur Nachbearbeitung, etwa Rauschunterdrückung, Trennen in einzelne Titel, Ein-/Ausfaden und vieles mehr.
  13. Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit, speichern Sie die Aufnahme im gewünschten Format beziehungsweise in dem Format, das Ihnen das Aufnahme-Programm zur Verfügung stellt. Ihre Kassette ist jetzt digital aufbereitet.

Musikkassetten digitalisieren Audacity
Bleiben alle Pegel-Ausschläge innerhalb des angezeigten Bereichs, ist die Aufnahme anschließend nicht übersteuert. (© 2017 Audacity)

Die professionelle Möglichkeit: Kassetten digitalisieren lassen

Das Digitalisieren Ihrer Kassetten müssen Sie nicht selbst übernehmen, sondern können es auch Profis überlassen. Zahlreiche Anbieter haben sich darauf spezialisiert, die Inhalte von analogen Speichermedien auf CD oder USB-Stick zu übertragen. Das gilt also auch zum Beispiel für Videokassetten, Tonbänder oder Schallplatten. Dafür senden Sie einfach Ihre Musikkassetten an das Unternehmen und erhalten diese später zusammen mit den digitalen Medien zurück oder können sich die Aufnahmen vom Online-Server des Anbieters herunterladen. Im Internet finden Sie einen solchen Dienstleister, indem Sie etwa nach “Audiokassetten digitalisieren Anbieter” suchen.

Der Vorteil: Ihnen wird alle Arbeit abgenommen. Außerdem bieten fast alle Dienste zusätzliche Features an wie zum Beispiel eine nachträgliche Rauschentfernung oder die Aufteilung der Dateien in einzelne Titel. Der Nachteil: Ein solcher Service ist recht kostenintensiv. Die Digitalisierung einer einzigen Audio-Kassette kostet je nach Länge um die 10 Euro, hinzu kommen Extrakosten für den Versand oder eventuelle Bearbeitungen. Die Digitalisierung einer umfangreichen Sammlung von Kassetten kann also schnell ins Geld gehen. Aber für die wichtigsten Schätze können Sie diese Möglichkeit ins Auge fassen.

Endlich das Mixtape am Rechner hören

Neben der Klanqqualität besteht ein großer Unterschied zwischen analogen und digitalen Dateien darin, dass man analoge Inhalte nur “in Echtzeit” kopieren kann, sprich sie komplett abspielen muss. Das macht ein Übertragen in digitale Formate mühsam und zeitaufwendig – von der Hardware wie einem Kassettendigitalisierer oder den Anschlüssen für Kassettenspieler und Rechner mal abgesehen. Professionelle Digitalisier-Dienste sind zwar praktisch, aber vergleichsweise teuer. Zumal man auch sie erst einmal suchen, ihnen die Kassetten zukommen lassen und die Dateien gegebenenfalls herunterladen muss.

Auf der anderen Seite: Warum haben Sie die alten Kassetten nicht schon längst entsorgt? Vermutlich, weil wertvolle Erinnerungen daran hängen. Weil es vieles davon wert ist, öfter gehört zu werden. Es kann sich also lohnen, die Mühe auf sich zu nehmen. Um die alten Aufnahmen mit den neuesten Abspielgeräten zu genießen.

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