Sie stehen beim Wandern vor einem beeindruckenden Bergmassiv oder einer weitläufigen Küstenlandschaft. Mit einer Standardaufnahme können Sie wahrscheinlich nicht den gesamten Landschaftsabschnitt abbilden, doch Panoramaaufnahmen machen genau das möglich. Die Panoramafotografie mit Kamera und Smartphone ist nicht schwer, wenn Sie sich ein wenig mit den Spezifikationen Ihrer Geräte, dem notwendigen Equipment und den Möglichkeiten von Softwares und Apps beschäftigen. UPDATED fasst für Sie die wichtigsten Punkte zusammen, die Sie bei der Aufnahme von Panoramabildern beachten sollten.

Verschiedene Arten der Panoramabilder

Der Begriff des Panoramas stammt aus der Malerei, etablierte sich mit der Zeit darüber hinaus auch in der Fotografie und hat heute viele Ableger hervorgebracht:

  • Das 360-Grad-Panorama ist der klassischen Rundumansicht nachempfunden und am einfachsten digital zu betrachten, da man die Darstellung hier mit der Maus weiterziehen kann.
  • Kugelpanoramen sind auf eine (digitale) dreidimensionale Kugel angepasste Darstellungen, die den berühmten “Fischaugeneffekt” plastisch veranschaulichen. Betrachten Sie ein Kugelpanorama hingegen über eine VR-Brille, so befinden Sie sich quasi “in” der Kugel und haben eine 360-Grad-Ansicht auf das Bild.
  • Vertikalpanoramen werden in der Regel für die Darstellung hoher Gebäude wie Wolkenkratzer genutzt.
  • Anspruchsvolle Gigapixelpanoramen setzen sich aus hunderten oder tausenden Einzelbildern zu einem großen Panorama zusammen, das selbst bei höchsten Zoomstufen scharfe Details erkennen lässt.

Panoramabilder mit der Kompaktkamera, Systemkamera oder DSLR machen

Man unterscheidet bei der Panoramafotografie in der Regel zwischen zwei Methoden: Einerseits können Sie mehrere Einzelaufnahmen zu einem Panoramabild zusammenfügen, wozu in der Regel eine Software nötig ist (einige Beispiele listen wir Ihnen weiter unten auf). Auf der anderen Seite verfügen manche Kameras bereits über einen speziellen Panorama-Modus, der Ihnen einen Großteil der Arbeit abnimmt. Besonders bei kleinen Kompaktkameras kommt Letzterer gern zum Einsatz, denn er erstellt schnell und einfach ein Panoramabild. Bei größeren DSLRs und Systemkameras werden aber besonders wegen der höheren Auflösung Einzelaufnahmen bevorzugt.

Mehrere Einzelbilder für ein späteres Panoramafoto aufnehmen:

Ein Panoramabild erstellen Sie, indem Sie eine Aufnahme tätigen, die Kamera ein Stück weiter drehen und die nächste Aufnahme machen. Dabei können Sie verschiedene Arten einer Panoramaaufnahme erzielen, je nachdem, wie weit Sie die Kamera drehen und wie viel des umgebenden Raumes Sie abbilden. In unserem Infokasten finden Sie eine Auflistung verschiedener Panoramatypen.

Egal, ob sie mit Kompaktkamera, Systemkamera oder DSLR fotografieren – die folgenden Tipps sollten Sie auf jeden Fall berücksichtigen:

  1. Grundlegend sollten Sie darauf achten, dass der Autofokus Ihrer Kamera deaktiviert ist. Andernfalls wird das Objektiv beim Verschieben des Bildausschnitts selbstständig die Fokusbereiche auswählen. Dies führt in der Regel zu unterschiedlichen Fokusbereichen und zu einem uneinheitlichen Bild, wenn Sie Ihre Aufnahmen später zusammenfügen. Den Autofokus stellen Sie in der Regel über einen Schalter direkt am Objektiv aus, also von A(F) (automatischer Fokus) auf M(F) (manueller Fokus). Objektive, die vom selben Hersteller stammen wie Ihre Kamera, sind meist auch über einen entsprechenden Schalter am Gehäuse bedienbar.
  2. Wir empfehlen, die Einstellungen für Blende, Belichtungszeit, ISO und Weißabgleich ebenfalls manuell vorzunehmen, unser Ratgeber zur manuellen Fotografie bietet hier zusätzliche Hilfe. Unterschiedliche Einstellungen durch die Automatik können zu verschiedenen Schärfegraden und Farbsättigungen auf den Einzelbildern für die Panoramaaufnahme führen – dadurch wirkt das zusammengefügte Panoramabild später uneinheitlich. Stellen Sie Ihr Moduswahlrad daher auf M und nehmen Sie die Einstellungen abhängig von Ihrem Motiv und Ihrer Vorliebe vor.
  3. Des Weiteren ist ein Stativ für eine erfolgreiche Panoramaaufnahme fast unabdingbar. Sie können zwar auch versuchen, Ihre Körper- und Kamerahaltung bei der Aufnahme der einzelnen Bilder stabil zu halten und nicht Ihren Körper, sondern die Kamera um die eigene Achse zu bewegen. Das kann aber zu Verzerrungen führen, die später beim Zusammensetzen der Bilder deutlich hervortreten. Solche Schwenkfehler vermeiden Sie mit einem Stativ in der Regel komplett.
  4. Fotografieren Sie die Einzelaufnahmen für Panoramabilder immer im Hochformat und machen Sie mehrere Bilder in dieser vertikalen Ausrichtung. Im Hochformat erhalten Sie nämlich mehr Bildinformationen in der Vertikalen, was sich positiv auf Qualität und Format des Endprodukts auswirkt. An Ihrem Stativ gibt es in der Regel ein Stellscharnier, mit dem Sie den Stativkopf in der Senkrechten arretieren können, sodass Ihre Kamera hochformatige Bilder aufnimmt.
  5. Damit Sie nicht auf den Millimeter genau immer den Ansatzpunkt des nächsten Bildes suchen müssen, fotografieren Sie am einfachsten immer einen Teil des vorherigen Bildes mit. Suchen Sie sich bei Ihrem Motiv (am besten senkrecht stehende) Anhaltspunkte wie Bäume oder Laternen, um sich zu orientieren. Als grobe Faustregel lässt sich aber folgendes nutzen:
  6. Achten Sie besonders bei Naturaufnahmen auf einen geraden Horizont. Das ist vor allem bei Aufnahmen von flachen, weitläufigen Landschaften wichtig, weil ein schiefer Horizont hier besonders stark ins Auge fällt. Die Horizontlinie sollte bei flachen Landschaften am linken und rechten Bildrand auf der gleichen Höhe liegen. Verfügt Ihre Kamera über eine Wasserwaage (digital oder analog) oder ein entsprechendes Raster im Display, an dem Sie sich orientieren können, dann sollten Sie diese Hilfsmittel unbedingt nutzen. Sie erleichtern Panoramaaufnahmen vor allem in hügeliger Umgebung oder wenn die Bildränder zum Beispiel durch Bäume verdeckt sind. Alternativ benutzen Sie gegebenenfalls die Wasserwaage am Stativ, über die die meisten Kamerastative verfügen. Andernfalls sollten Sie sich mit Probeaufnahmen behelfen. Mit etwas Übung bekommen Sie schnell ein Gefühl dafür, wie Sie Ihre Kamera richtig ausrichten.

Bei Kameras mit Wechselobjektiven benutzen Sie für Panaromaaufnahmen in der Regel ein Weitwinkelobjektiv, um einen größeren Bildausschnitt als Normalobjektive ablichten zu können. Damit erhalten Sie beim Zusammenfügen der Aufnahmen ein in der Höhe wesentlich breiter abgebildetes Panorama. Das heißt aber nicht, dass Sie mit Ihrem Standardobjektiv gar keine Panoramabilder machen können: Auch mit Ihrem Kit-Objektiv – also dem Objektiv, das Sie beim Kauf Ihrer DSLR im “Kit” mit dazu erhalten – sind Sie in der Lage, ein Panoramabild zu erstellen.

Den Panorama-Modus an der Digitalkamera richtig nutzen
Wenn Sie einen Großteil der Arbeit an Ihre Kamerasoftware abtreten möchten, schauen Sie in den Einstellungen Ihres Geräts nach einem Panorama-Modus. Oft ist dieser über ein Symbol zu erkennen, das wie eine gebogene Kinoleinwand aussieht und meist mit “Panorama/Panorama-Bild/-Modus” bezeichnet. In der Regel machen Sie hier zunächst ein einzelnes Bild und die Kamerasoftware wird für die nächste Aufnahme am linken oder rechten Bildrand einen Umrissschatten des vorherigen Bildes einblenden, damit Sie hier nahtlos ansetzen können. Je nach Software nimmt dieser Schatten in der Regel etwa ein Drittel des Bildes ein. Achten Sie beim Ansetzen darauf, dass sich die Schatten und entsprechenden Elemente im Bildausschnitt deckend überlagern und dass Sie den Winkel des Bildausschnitts nicht verändern.
Diese Funktion ist normalerweise auf drei bis fünf solcher Bilder beschränkt. Anschließend verarbeitet die Software das Bild bereits zu einem fertigen Panorama und versucht, Anschlussfehler und Verzerrungen auszugleichen.

Software zum Erstellen von Panoramabildern am Computer

Wenn Sie die manuelle Vorgehensweise gewählt haben und nun Ihre Einzelaufnahmen zusammenfügen wollen, gibt es verschiedene kostenlose Bildbearbeitungsprogramme, die einfach zu handhaben sind. Im Folgenden finden Sie zwei praktische Tools:

Microsoft Image Composite Editor

Der Microsoft Image Composite Editor (kurz: ICE) erstellt aus mehreren überlappenden Aufnahmen ein hochauflösendes Panoramabild. Beim Umgang mit ICE sollten Sie Englisch können, denn eine deutsche Version des Programms gibt es bisher nicht. Bilder fügen Sie per Drag & Drop in ICE ein. Die Software erkennt automatisch die Bildreihenfolge und nimmt gegebenenfalls auch Korrekturen an Helligkeitsunterschieden vor, die beim Ablichten der Einzelbilder entstanden sein können. Das fertige Endprodukt speichern Sie anschließend als JPG, PNG oder auch in einem der Microsoft-eigenen Bildformate (HD View, Silverlight Deep Zoom) ab.

Der Download des Microsoft Image Composite Editors erfolgt über die Microsoft-Research-Seite.

Panoramabilder erstellen Microsoft Image Editor
Der Microsoft Image Editor leitet Sie Schritt für Schritt durch die Panorama-Erstellung. (© 2017 Autor/Microsoft)

Vor- und Nachteile des Image Composite Editor:

+ Einfaches Drag & Drop, um mehrere Bilder automatisch verarbeiten zu lassen
+ Viele Dateiformate zum Speichern
- Nur in Englisch verfügbar

Hugin

Die Software Hugin ist ebenfalls kostenlos und ermöglicht unter anderem ein Erstellen von sogenannten Kugelpanoramen. Hierbei rechnet das Programm die Bildinformationen auf eine dreidimensionale Kugel um, sodass Sie einen interessanten Look erhalten, der dem berühmten „Fischaugeneffekt“ ähnelt, nur eben ohne Verzerrungen am Bildrand. Je weiter gefasst ihre Panoramaaufnahme ist (180 Grad und mehr), desto beeindruckender sieht das Ergebnis aus.

Bei der Arbeit mit Hugin werden dazu in den Vorschauansichten regelmäßig Tipps eingeblendet, die Ihnen dabei helfen, Ihr Bild noch interessanter zu gestalten. Außerdem gibt es Hugin auf Deutsch, was die Bedienung extrem erleichtert.

Hugin laden Sie einfach über den Downloadbereich der Entwicklerseite herunter.

Panoramabilder erstellen Hugin
Hugins Benutzeroberfläche ist strukturiert und intuitiv. (© 2017 Hugin)

Die Vorteile von Hugin im Überblick:

+ Schneller Einstieg durch Hilfeeinblendungen
+ Ideal für Kugelpanoramen
+ Auf Deutsch verfügbar

Panoramaaufnahmen mit dem Smartphone erstellen

Auch mit dem Smartphone können Sie Panoramabilder aufnehmen. Die meisten Kamera-Apps aller Mobilgerätehersteller verfügen mittlerweile über einen Schwenkpanorama-Modus. Hierbei tippen Sie den Auslöse-Button an und schwenken oder ziehen Sie die Kamera entlang des geplanten Panoramamotivs, wie Sie es auch bei einer Videoaufnahme tun würden. Ein sich füllender Balken im Display zeigt Ihnen an, wie weit Sie noch schwenken können. Gehen Sie hierbei langsam vor, sonst kann die Software die Bildinformationen nicht korrekt verarbeiten und wird den Vorgang eventuell mit einer Fehlermeldung abbrechen.

Zusätzlich gibt es einige Apps, die das Zusammenfügen mehrerer Einzelaufnahmen zu einem Panoramafoto übernehmen. Allerdings gilt auch beim Smartphone: Nutzen Sie am besten ein Stativ (ein reines Smartphonestativ oder ein Kamerastativ mit einem Halterungsaufsatz für Smartphones), um Verzerrungen und Anschlussfehler zu vermeiden. Eine hochauflösende Bildqualität wie bei einer Spiegelreflexkamera (Beispiel: Die Canon EOS 5D Mark III löst mit 5.760 x 3.840 Pixeln auf) ist bei Smartphone-Aufnahmen natürlich nicht unbedingt zu erwarten (in der Regel zwischen 1.920 x 1.080 und 2.560 x 1.440 Pixeln) . Für das Anschauen auf dem Handy-Display eignen sich die Bilder aber optimal.

Android: Panorama 360

Die App Panorama 360 für Android bietet einen sehr einfach und intuitiv zu bedienenden Panorama-Modus. Nach der Installation öffnen sich in der App einige Hinweise zu den einzelnen Funktionen (etwa die Platzierung des Auslösebuttons) und vor der ersten Aufnahme werden Sie durch eine ausführliche Einführung geleitet. Das Arbeitsprinzip der App ist einfach: Egal, ob im Hoch- oder Querformat – über den Kamerasensor rechnet die App Bildpunkte und -mitte aus und zeigt Ihnen beim langsamen Schwenken immer genau den nächsten Punkt, zu dem Sie schwenken müssen, um ein nahtloses Panorama zu erhalten. Dadurch erstellen Sie recht schnell Panoramen von bis zu 360 Grad. Leider arbeitet die Software schon bei den kleinsten Schwenkfehlern nicht ganz sauber, was besonders bei Innenaufnahmen an einem Bildversatz erkennbar ist. Dem können Sie aber auch hier mit dem Benutzen eines Stativs entgegenwirken.

Panoramabilder erstellen Panorama 360
Mit der App Panorama 360 können Sie Panoramabilder im 360°-Winkel erstellen. (© 2017 Google Play Store / TeliportMe Inc.)

Panorama 360 laden Sie kostenlos im Play Store herunter.

Die Vor- und Nachteile von Panorama 360:

+ Sehr intuitive und einfache Bedienung
+ Kostenlos
- Bildversatz und unnatürliche Objektkrümmung bei Schwenkfehlern

iOS: 360 Panorama

Für iOS-Geräte empfiehlt sich die fast gleichnamige App 360 Panorama. Die Anwendung startet unmittelbar mit der Aufnahmemaske. In der Live-Ansicht haben Sie nicht nur die Möglichkeit, ein “normales” Panorama mit Rundumansicht zu erstellen – Sie können den gesamten Raum um sich herum abbilden lassen. Schießen Sie einfach in jede Richtung Bilder, die aneinander angrenzen. Die App fügt diese anschließend zusammen. Damit erstellen Sie ein ganzheitliches Abbild des Raums, der Sie umgibt, ähnlich einer Kuppel, in deren Mitte Sie stehen – im Prinzip erstellen Sie damit ein invertiertes Kugelpanorama “von innen”.
Dieses Feature eignet sich aber in der Regel nur zum Anschauen auf dem Smartphone: Bedenken Sie, dass die Auflösung Ihrer Smartphone-Kamera eventuell nicht ausreicht, um mit dieser Methode gestochen scharfe Panoramabilder abzuliefern, die auch auf größeren Bildschirmen als dem Handydisplay noch detailreich aussehen. Ein Nachteil der App: Sie ist nicht kostenlos (1,99 Euro).

360 Panorama steht zum Download im App Store bereit.

Vor- und Nachteile der App 360 Panorama:

+ Leichte Bedienung
+ Modus für “invertiertes” Kugelpanorama...
- … der allerdings meist nur auf dem Smartphone schön aussieht
- Kostenpflichtig

Panoramabilder erstellen Panorama 360 iOS
Rundumansicht mal anders: Der Innenhof dieses Gebäudes lädt zur Aufnahme einer spannenden Panorama-Perspektive ein. (© 2017 Apple/Occipital Inc.)

Die abschließende Frage: Kamera oder Smartphone?

Die Panoramafotografie gehört sicher zu den beliebtesten Techniken, wenn es um das Erstellen von beeindruckenden Bildern geht. Während leistungsstarke Spiegelreflexkameras die qualitativ hochwertigsten Bilder ermöglichen, dafür aber teurer in der Anschaffung sind, liefern Smartphones mit ihren zahlreichen Apps schnell brauchbare Ergebnisse für das Handy-Display und punkten dazu noch mit ihrer Handlichkeit. Dafür müssen Sie bei Panoramaaufnahmen vom Smartphone in der Regel kleinere Fehler in den Panoramabildern in Kauf nehmen.

Unabhängig davon, ob Sie sich für Panoramaaufnahmen mit dem Smartphone oder mit der Kamera entscheiden – die Erinnerungen an atemberaubende Landschaften oder Skylines können Sie mit dieser Methode auf beeindruckende Weise digital verewigen.

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