Wehmütig fällt Ihr Blick im Keller auf die Kartons mit den alten Schallplatten. Welche Schätze lagern hier, wie viele Erinnerungen sind damit verbunden. Doch dafür extra eine Stereoanlage in Betrieb nehmen? Die Platten einzeln herausziehen, auflegen, nach der Hälfte der Spielzeit umdrehen? Wo man sich doch dran gewöhnt hat, mit ein paar Klicks immer und überall Musik zu hören? Wenn Sie sich den Neukauf aller Platten auf CD sparen wollen oder manche Perlen gar nicht mehr bekommen, können Sie Ihre Musiksammlung digitalisieren. Wie das geht, erfahren Sie hier.

Was darf ich brennen und was nicht?

Die Musik von Schallplatten auf ein anderes Medium kopieren – ist das erlaubt? Ja! Zumindest solange Sie die Schallplatten gekauft haben und die Kopie nur für Ihren Privatgebrauch anlegen. Dies ist Ihnen nach Paragraf 53 Absatz 1 des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) erlaubt. Wenn Sie von Freunden gebeten werden, deren gekaufte Schallplatten zu digitalisieren, ist auch das okay, solange Sie dafür kein Geld bekommen.

Es ist Ihnen allerdings nicht gestattet, Ihre Kopien an andere weiterzugeben, erst recht nicht gegen Bezahlung.

Schallplatten digitalisieren mit einem USB-Plattenspieler

Die Industrie hat auf die Plattensammler reagiert und mit sogenannten USB-Plattenspielern eine bequeme Lösung zum Digitalisieren entwickelt. Denn diese Plattenspieler enthalten einen eigenen USB-Anschluss, den Sie einfach per USB-Kabel mit Ihrem PC oder Mac verbinden können – fertig ist der Anschluss.

Der Vorteil: Der Computer erkennt das Gerät automatisch als neue Hardware und versorgt den USB-Plattenspieler auch mit Strom. In der Regel erhalten Sie zusammen mit dem USB-Plattenspieler auch gleich eine passende Software, die Sie auf dem Computer installieren können, um Ihre Schallplatten aufzunehmen, verschiedene Musiktitel einzeln zu speichern oder zu sortieren. Eine Anleitung finden Sie in diesem Fall entweder in der Verpackung des Plattenspielers oder auf der Installations-CD der Software. Es gibt auch USB-Plattenspieler, an die Sie einen USB-Stick oder eine externe Festplatte anschließen können und die Musik von der Schallplatte direkt darauf speichern können.

Die meisten USB-Plattenspieler verfügen neben einem USB-Anschluss auch über die Möglichkeit, ihn über ein Cinch-Audio-Kabel mit dem roten und weißen Stecker-Paar wie einen klassischen Plattenspieler an einen Verstärker anzuschließen.

Für einen USB-Plattenspieler mit einer Wiedergabe in anspruchsvoller Qualität sollten Sie mit Kosten ab 150 Euro rechnen.

Schallplatten digitalisieren übertragen
Einmal noch müssen Plattenspieler oder Grammofon ans Werk gehen, ab dann ist die Musik digital gespeichert. (© 2017 Comugnero)

So schließen Sie einen Plattenspieler an den Computer an

Wenn Sie keinen USB-Plattenspieler haben oder kaufen wollen, dafür aber noch Ihren alten analogen Plattenspieler besitzen – prima. Bedenken Sie aber, dass sich der Verschleiß der Plattenspieler-Komponenten über die vielen Jahre auf die Abspielqualität auswirkt. Stellen Sie nach den ersten Aufnahmen fest, dass die Musik von verschiedenen Platten stets leiert oder verzerrt klingt, sollten Sie über einen neuen Plattenspieler nachdenken.

Einen analogen Plattenspieler direkt an die Soundkarte des Computers anzuschließen ist zwar möglich, bringt aber keine befriedigenden Ergebnisse, da technisch bedingt die hohen Frequenzen bei der Aufnahme dominanter sind als die tiefen. Es ist deshalb nötig, einen sogenannten Entzerrer-Vorverstärker zwischenzuschalten, der das Phänomen korrigiert. Dafür gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Manche modernen Plattenspieler besitzen bereits einen integrierten Entzerrer-Vorverstärker. Sie können ein solches Gerät im Fachhandel erwerben oder im Handbuch nachsehen, ob Ihr Gerät darüber verfügt. In diesem Fall schließen Sie den Plattenspieler direkt an den Line-IN-Anschluss der Soundkarte Ihres PCs, den Sie meistens an der Rückseite finden und der eine blaue Umrandung aufweist. Beim Mac heißt dieser Eingang Mikrophon. Es ist möglich, dass Ihr Plattenspieler noch ein Cinch-Kabel – das rot-weiße Steckerpaar – besitzt, während die Soundkarte nur ein sogenanntes Klinken-Kabel akzeptiert. In diesem Fall benötigen Sie einen Adapter von Cinch auf Klinke, den Sie dazwischenschalten. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Adapter stereofähig ist.
  2. Auch der klassische Verstärker besitzt in der Regel einen Entzerrer-Vorverstärker. Wenn Sie noch einen besitzen, schließen Sie zunächst wie gewohnt Ihren Plattenspieler am Phono-Eingang an. Daraufhin verbinden Sie den Verstärker und den Computer, indem Sie vom Rec out-Ausgang das passende Kabel (je nach Anschlüssen also Cinch oder Klinke) zum Line-IN- beziehungsweise Mikrophon-Anschluss von PC oder Mac führen. Auch hier benötigen Sie gegebenenfalls einen Adapter.
  3. Sie erwerben im Fachhandel einen externen Entzerrer-Vorverstärker, auch “Phono-Preamp” genannt. Den schalten Sie wie einen klassischen Verstärker dazwischen: das Cinch-Kabel des Plattenspielers verbinden Sie zunächst mit dem Eingang des externen Vorverstärkers, anschließend verbinden Sie per Cinch- beziehungsweise Klinkenkabel den Ausgang des externen Vorverstärkers mit dem Eingang der Soundkarte Ihres Computers, die beim PC mit Line-IN, beim Mac mit Mikrophon gekennzeichnet ist. Auch hier benötigen Sie gegebenenfalls einen Adapter.

Schallplatte auf dem Computer bearbeiten

Um die laufende Schallplatte auf dem Computer mitzuschneiden und die Aufnahme zu bearbeiten, zum Beispiel um Knistern und Knackgeräusche zu entfernen, benötigen Sie eine entsprechende Software. Besonders beliebte, kostenfreie Programme sind die drei folgenden:

  • Audacity (für Windows, Mac, Linux)
  • Audiograbber (für Windows; werbefinanziert oder werbefreie Pro-Version für 9,90 Euro)
  • Vinylstudio (für Windows und Mac; englischsprachig; kostenlose Testversion für fünf Alben, dann rund 25 Euro)

Schallplatten digitalisieren Audacity
Programme wie die kostenfreie Software “Audacity” schneiden die Musik mit und ermöglichen die Nachbereitung. (© 2017 Audacity)

Bei jeder Software finden Sie direkt im Menü, meistens unter dem Reiter Hilfe, eine Anleitung, wie es zu benutzen ist. Alternativ gibt es bei den vorgestellten Programmen auf der jeweiligen Webseite eine Hilfe-Rubrik. Im Wesentlichen sind die wichtigsten Schritte aber stets dieselben:

  1. Sie müssen ein “Projekt”, ein “Album” oder eine “Kollektion” neu anlegen, worin die Aufnahme gespeichert wird. Das können Sie in der Regel entweder direkt auf der Benutzeroberfläche oder in Datei. Häufig erstellen Sie auch zunächst die Aufnahme und erst anschließend die entsprechende Datei, indem Sie die Aufnahme speichern.
  2. Meist erkennt die Software automatisch ein Gerät, das über USB mit dem Computer verbunden ist. Falls nicht, finden Sie ein Auswahlmenü, zum Beispiel mit der Bezeichnung Eingang, in dem Sie den Plattenspieler auswählen müssen. Bedenken Sie, dass das Gerät nicht als “Plattenspieler” angezeigt wird, sondern vielleicht unter einem Markennamen oder als USB Audio Codec.
  3. Starten Sie den Plattenspieler und drücken Sie auf den REC-Button der Software.
  4. Bei so gut wie jeder Software ist jetzt ein Pegel sichtbar, der anzeigt, wie die Aufnahme ausgesteuert wird. Testen Sie die verschiedenen Regler und passen Sie die Aussteuerung so an, dass sich die Pegel innerhalb der angezeigten Toleranzbereiche bewegen beziehungsweise nicht in einen roten Bereich geraten.
  5. Starten Sie die Aufnahme neu mit den angepassten Einstellungen.
  6. Speichern Sie die Aufnahme.
  7. Fast immer können Sie jetzt noch die einzelnen Tracks des Albums automatisch oder manuell voneinander trennen oder Störgeräusche nachträglich entfernen.

Bewahren Sie Ihre musikalischen Schätze für die Ewigkeit

Ob mit einem USB-Plattenspieler, per Direktanschluss an den Computer oder mit der Hilfe von Dienstleistern, die Sie im Internet finden: Wenn Sie Ihre Schallplatten erst einmal digitalisiert haben, stehen Ihre musikalischen Perlen und Erinnerungsstücke endlich auch für den Hörgenuss über PC, Smartphone oder iPod zur Verfügung. Aber Achtung: Denken Sie daran, dass Sie für digitale Stücke auch immer den richtigen Dechiffriercode benötigen. Speichern Sie Ihre Musik deshalb am besten in verschiedenen Formaten und auf verschiedenen Speichermedien wie CD und USB-Stick sowie in einer Cloud. Einmal digitalisiert, geht das sehr schnell. So bleiben Sie von nun an mit Ihrer Musiksammlung immer up to date.

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