Eigentlich wollten Sie nur kurz das Sofa abrücken, um ordentlich sauber zu machen – da fällt Ihnen diese schwarzgraue Verfärbung an der Wand auf, die sich nicht wegwischen lässt. Ein deutlicher Hinweis auf Schimmel in der Wohnung. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern kann die Gesundheit der Bewohner nachhaltig schädigen und greift sowohl die Bausubstanz als auch die Einrichtungsgegenstände an. UPDATED erläutert Ihnen, wie Schimmel in der Wohnung entsteht und welche Gefahren er mit sich bringt.

Fünf Bedingungen für Schimmelbildung

Damit Schimmel wachsen kann, müssen fünf Bedingungen erfüllt sein: Der Pilz braucht…

  1.     organisches Material als Nahrung, zum Beispiel Tapeten, Staub oder Kunststoff,
  2.     Sauerstoff,
  3.     Temperaturen über zehn Grad Celsius,
  4.     eine relative Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent oder mehr und
  5.     fünf bis sechs Tage Zeit, um auszusporen.

Auf Tapeten, Luft zum Atmen und mollige Wärme möchte der Mensch besonders in seinen eigenen vier Wänden nicht verzichten. Um den Pilz zu bekämpfen, bleibt daher nur die Möglichkeit, die Luftfeuchtigkeit zu verringern. Wie hoch die relative Luftfeuchtigkeit ist, können Sie ganz einfach mit einem Hygrometer messen. Werte zwischen 40 und 50 Prozent sind optimal. Auch digitale Wetterstationen haben in der Regel einen Luftfeuchtemesser eingebaut.

Mögliche Quellen für erhöhte Luftfeuchtigkeit

Kondenswasser sammelt sich an kalten Flächen wie Fenstern. Hier kann Schimmel entstehen.
Kondenswasser sammelt sich an kalten Flächen wie Fenstern. Hier kann Schimmel entstehen. (© 2017 HotHibiscus / thinkstock)

Bevor Sie sich daran machen, den Schimmel zu beseitigen, sollten Sie als Erstes die Quelle für die Feuchtigkeit finden. Zwei Ursachen kommen in Frage:

  1.  Mangelhaftes Heizen und Lüften: Kochen, Waschen, Duschen – viele Haushaltsgeräte produzieren Wasserdampf. Dieser schlägt sich oft als Kondenswasser in den Wohnräumen nieder, bevorzugt an kalten Flächen. Wird der Feuchtigkeit nicht durch ordnungsgemäßes Heizen (siehe unten) und Lüften entgegengewirkt, kann Schimmel entstehen. In den kalten Monaten funktioniert der Luftaustausch besser, da reichen fünf bis zehn Minuten. Im Sommer sollten Sie die Fenster mindestens für 20 Minuten geöffnet halten. Am effektivsten ist Querlüften. Dabei werden gegenüberliegende Fenster weit geöffnet. Beachten Sie: Stoßlüften ist immer ratsamer, als die Fenster nur auf Kipp zu stellen.

Feuchte Wohnung: 4 Ursachen, die Sie leicht vergessen

Dass beim Kochen und Duschen Feuchtigkeit entsteht, ist klar. Andere Feuchtigkeitsquellen sind weniger auffällig:

    • Wäscheständer: Trockene Wäsche, feuchte Wohnung – wer nasse Wäsche in Innenräumen trocknet, erhöht die Luftfeuchtigkeit und damit auch das Schimmelrisiko. Besser ist es, wenn Sie Ihre Wäsche draußen, auf dem Dachboden oder im Waschkeller trocknen.
    • Aquarium: Ein Aquarium enthält Wasser. Wird es ohne Abdeckung betrieben, gelangt dieses langsam aber sicher als Dampf in die Luft.
    • Blumenerde: Zu viel Wasser schadet nicht nur den Blumen, sondern auch dem Raumklima. Ist die Erde im Blumentopf zu nass, gelangt nicht nur Feuchtigkeit in die Luft – auch die Erde kann anfangen zu schimmeln!
    • Schweiß: Ein durchschnittlicher Mensch schwitzt in einer Nacht rund einen Viertel Liter Flüssigkeit aus. Insofern sollten Sie das Schlafzimmer am Morgen einmal gut stoßlüften.

 

  1.  Bauliche Mängel: Feuchtigkeit kann auch von außen in die Wohnräume eindringen. Prüfen Sie, ob Risse im Mauerwerk, ein defektes Dach oder beschädigte Dachrinnen und Fallrohre die Ursache für den Schimmel sein können. Außerdem kann in einem Neubau oder nach einem Wasserschaden eine ungenügende Bautrocknung Ursache für Schimmelbefall sein – wenn die Feuchtigkeit, die während des Baus oder des Schadens in die Wohnräume gelangt ist, nicht vollständig entwichen ist. Haben Sie den Verdacht, dass bauliche Mängel die Ursache für einen Schimmelbefall sein könnten, ziehen Sie auf jeden Fall einen Fachmann zurate.

Falsches Heizen als Ursache für Schimmel

Die Energiekosten steigen Jahr für Jahr an – da entscheiden sich viele Menschen, die Räume nicht mehr so stark zu heizen, um Geld zu sparen. Oder sie lassen ihre Behausung tagsüber, wenn sie arbeiten, komplett auskühlen. Das trägt jedoch dazu bei, dass sich der Schimmel massiv ausbreiten kann. Denn wird ein Raum nur noch spärlich beheizt, schlägt sich auf den kalten Wänden unweigerlich die Feuchtigkeit nieder, die beim ganz normalen Wohnen entsteht.

Wer Schimmel draußen und die Energiekosten im Griff behalten will, sollte Folgendes beherzigen: die Temperatur in Wohnräumen am besten bei 19, höchstens 21 Grad halten. Wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, sollten die Heizkörper nicht tiefer als auf Stufe Zwei gedreht werden. Halten Sie das Schlafzimmer oder selten genutzte Räume etwas kühler, schließen Sie die Türen, sodass sich die wärmere und feuchtere Luft aus der übrigen Wohnung nicht an den kalten Wänden niederschlagen kann. Der Temperaturunterschied zwischen Räumen sollte wegen der Schimmelgefahr nicht größer als fünf Grad sein.

Wärmebrücken als Ursache für Schimmel

Mit einem Infrarot-Thermometer können Sie Wärmebrücken aufspüren.
Mit einem Infrarot-Thermometer können Sie Wärmebrücken aufspüren. (© 2017 Suljo / thinkstock)

Aber auch ohne deutliche Baumängel gibt in fast jedem Haus Stellen, die besonders anfällig für Schimmel sind: sogenannte Wärmebrücken an den Außenwänden. Der Begriff bezeichnet all die Bereiche, die besonders luftdurchlässig sind und über die dadurch viel Wärme nach außen verloren geht. Da die Außenwand kälter ist, als andere Wände des Raumes, schlägt sich Wasserdampf hier verstärkt nieder, kondensiert und bietet Schimmelpilzen einen idealen Nährboden. Auch undichte Fugen an einem Fenster fallen in diesen Bereich. Es gibt aber für jede Wärmebrücke das passende Dämmsystem, um sie auszuräumen. Wenden Sie sich dafür an einen Fachbetrieb für Wärmedämmung. Wohnen Sie zur Miete, kontaktieren Sie zunächst Ihren Vermieter.

An kalten Wintertagen lassen sich Wärmebrücken am besten aufspüren. Dafür eignen sich Infrarot-Thermo­meter aus dem Baumarkt am besten. Sie ermöglichen schnelle, berührungs­lose Messungen der Temperatur. Je kälter eine Stelle an der Wand im Vergleich zu anderen Stellen ist, desto problematischer.

Gesundheitliche Gefahren bei Schimmelbefall

Der Grund für einen hartnäckigen Schnupfen kann auch Schimmelpilzbefall sein.
Der Grund für einen hartnäckigen Schnupfen kann auch Schimmelpilzbefall sein. (© 2017 Wavebreakmedia / thinkstock)

Ein Zusammenhang zwischen Schimmelpilzbelastung in Wohnräumen und Atemwegsbeschwerden wurde durch zahlreiche Studien bestätigt. Auch unspezifische Symptome wie Reizungen von Augenbindehaut und Nasenschleimhaut, Kopfschmerzen oder Müdigkeit können eine Folge von Schimmelbefall in geschlossenen Räumen sein. Im schlimmsten Fall können Schimmelpilze den Menschen auch selbst besiedeln. So kann der Grund für einen hartnäckigen Schnupfen auch ein Schimmelpilzbefall sein. Ein Allergietest beim Arzt gibt Aufschluss.

Es sind jedoch nicht alle Schimmelarten gesundheitsgefährdend. Wer es genau wissen will, sollte einen Fachbetrieb zur Bestimmung beauftragen. Die Farbe des Schimmels alleine gibt – anders als früher vermutet – keinen Aufschluss über die potenzielle Gesundheitsgefährdung. Unklar ist auch, ab welcher Konzentration die Pilze negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Der Einzelbefall einer kleinen Fläche von weniger als einem Quadratmeter ist in der Regel unkritisch. Sind Sie jedoch Allergiker oder haben ein schwaches Immunsystem, sollten Sie auf jeden Fall Vorsichtsmaßnahmen treffen und zur Beseitigung des Schimmels folgende Utensilien verwenden:

  • Gummihandschuhe,
  • eine Atemmaske mit der Kennzeichnung P2, die Sie vor dem Einatmen von Schimmelpilzsporen schützt und die Sie im Baumarkt für rund 7 Euro erhalten und
  • eine Schutzbrille.

Um die gesundheitliche Belastung durch Schimmelsporen möglichst gering zu halten, werfen Sie Handschuhe, Maske und Brille nach den Arbeiten weg. Waschen Sie Ihre Kleidung und nehmen Sie eine Dusche.

Wie Sie dem Schimmel am besten zu Leibe rücken, erfahren Sie ausführlich in den beiden Ratgebern “Schimmel im Bad entfernen” und “Schimmel an der Wand und auf Möbeln entfernen - so geht's!

Regelmäßige Kontrolle beugt Schimmelbildung vor

Kontrollieren Sie regelmäßig die Luftfeuchtigkeit und lassen Sie die Räume in Ihrer Behausung nicht zu stark auskühlen, um sich gegen Schimmelbefall bestmöglich zu wappnen. Haben Sie Schimmel entdeckt, verfallen Sie nicht in Panik. Wenn keine großflächigen Bereiche befallen und Sie nicht durch Allergien vorbelastet sind, ist die Gesundheitsgefahr gering.

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