Ein kalter Wintertag, schneebedeckte Felder, kahle Bäume, weißer Himmel – das perfekte Motiv für die Schwarz-Weiß-Fotografie. Denn statt auf Farben wird der Blick auf Formen und Kontraste gelenkt. Schwarz-Weiß-Fotografie bildet nicht die Realität ab, sondern schafft ihre eigene. Sie ist mehr Kunst als Fotografie. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Licht und Schatten spielen können.

Die richtige Kameraeinstellung für Schwarz-Weiß-Fotografie

Wenn Sie mit einer Spiegelreflexkamera oder einer entsprechend ausgestatteten spiegellosen Kamera fotografieren, stellen Sie diese am besten in den manuellen Modus. Dazu drehen Sie das Modusrad auf M. Vorteil: Sie können alle Einstellungen selbst vornehmen.
Stellen Sie zuerst den ISO-Wert ein. Dazu gibt es außen an der Kamera einen entsprechend gekennzeichneten Knopf. Alternativ finden Sie diese Einstellung aber auch im Menü. Der richtige Wert richtet sich nach den Lichtverhältnissen. An sonnigen Tagen ist 100 gut. Mäßige Lichtverhältnisse erfordern 400. In Räumen sollten Sie den Wert auf 800 stellen. Nutzen Sie aber lieber einen etwas niedrigeren Wert, als Sie es für Farbbilder vielleicht tun würden und versuchen Sie mangelndes Licht lieber durch eine offenere Blende oder eine längere Belichtungszeit auszugleichen. Denn ein zu hoher ISO-Wert macht das Bild körnig und das ist bei einem Schwarz-Weiß-Bild noch störender als bei einem Farbfoto.

Alle weiteren Einstellungen können Sie wie bei einem Farbbild auch vornehmen. Näheres dazu finden Sie in unserem Ratgeber: Digitale Spiegelreflexkamera – Tipps für Einsteiger.

Schwarz-Weiß-Modus oder Nachbearbeitung?

Früher ging man für Schwarz-Weiß-Fotos folgendermaßen vor: Kamera auf, Schwarz-Weiß-Film rein, Kamera zu. Heute bieten digitale Kameras und Bildbearbeitungsprogramme auf dem Computer ein paar mehr Möglichkeiten. Schwarz-Weiß-Fotos können bereits auf der Kamera in diesem Modus geknipst werden. Bunte Bilder können aber auch später am Computer nachbearbeitet und mit einem Schwarz-Weiß-Filter belegt werden. Beide Möglichkeiten haben Ihre Vor- und Nachteile:

Schwarz-Weiß-Modus der Kamera nutzen

Der Schwarz-Weiß-Modus einer Kamera heißt Monochrom. Er lässt sich im Kamera-Menü einstellen. In der Regel finden Sie diese Einstellung unter den Bildstilen. Werfen Sie aber auch noch einmal einen Blick in das Handbuch Ihrer Kamera (in der Regel können Sie dieses auch online beim Hersteller finden).

Vorteil: Sie können bereits auf dem Kamera-Display sehen, wie das Bild in Schwarz-Weiß wirkt.

Nachteil: Das Bild wird nur in Schwarz-Weiß gespeichert, die Farben können später nicht “zurückgeholt” werden.

Farbbilder am Computer in Schwarz-Weiß-Fotos verwandeln

Farbfilter in der Schwarz-Weiß-Fotografie
Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, ist in der Tat sehr nützlich: Farbfilter können für tolle Effekte auf Schwarz-Weiß-Fotos sorgen. Hier sind die gängigsten Farben:

  • Gelb: Ein Gelb-Filter dunkelt einen blauen Himmel ab und verstärkt so den Kontrast zu weißen Wolken. Insgesamt ist der Effekt eines Gelb-Filters aber eher schwach.
  • Orange: Dieser Filter hebt Kontraste bereits etwas stärker hervor. Hilfreich ist er bei Sonnenuntergängen, sie werden leuchtender dargestellt.
  • Rot: Dieser Filter betont Kontraste am stärksten. Perfekt für Porträts mit heller Haut oder weiße Wolken vor blauem Himmel.
  • Grün: Der Grün-Filter wird vor allem bei der Landschaftsfotografie eingesetzt, da er die Helligkeitsunterschiede zwischen verschiedenen Grüntönen hervorhebt.
Natürlich können Sie die Bilder auch “ganz normal” aufnehmen. Also in Farbe. Dann können Sie sie später in einem Bildbearbeitungsprogramm, etwa Photoshop, zu Schwarz-Weiß-Aufnahmen machen. Mehr zu diesem Thema können Sie in unserem Ratgeber: “RAW Bilder bearbeiten: Tipps und Programme” nachlesen. In manchen Programmen, etwa Lightroom oder Photoshop, gibt es dafür einen eigenen Schwarz-Weiß-Modus. Klicken Sie diesen an, wird das Bild automatisch farblos. Andernfalls können Sie auch selbst alle Farben aus dem Bild entfernen, indem Sie die Sättigung auf -100 stellen.Vorteile: Da das Bild in Farbe aufgenommen wurde, können Sie stets auch auf diese Version zurück greifen. Außerdem kann am Rechner die Bildbearbeitung für wesentlich eindrucksvollere Schwarz-Weiß-Fotografien, etwa mit mehr Kontrasten, sorgen. Das klappt übrigens auch, wenn Sie nicht im RAW-Modus fotografiert haben, sondern die Bilder als jpg gespeichert wurden. Dann sichert die Kamera allerdings etwas weniger Informationen zum Foto, so dass Sie in der Nachbearbeitung eingeschränkt sein könnten. Extreme Ausbesserungen, etwa bei der Helligkeit des Bildes sind dann nicht möglich.

Nachteil: Sie müssen immer eine Nachbearbeitung vornehmen und können den Effekt nicht bereits auf dem Kamera-Display sehen.

Bildaufteilung bei Schwarz-Weiß-Fotografie

Gerade in der Schwarz-Weiß-Fotografie ist es wichtig, den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Da dies ohne den Einfluss von Farben geschehen muss, ist die Bildaufteilung umso wichtiger. Orientieren Sie sich dazu an der Dreier-Regel. Danach wird das Bild mit je zwei vertikalen und zwei horizontalen Linien in ein Gitter gegliedert. In der Regel können Sie sich dieses Gitter auf dem Display Ihrer Kamera anzeigen lassen. Wichtige Elemente des Motivs können Sie nun an einem der Schnittpunkte des Gitters ausrichten.

verschneite Wiese in Schwarzweiß fotografiert
Der Zaun befindet sich etwa auf der (gedachten) unteren horizontalen Linie und endet an dem Punkt, an dem diese Linie die (gedachte) rechte vertikale Linie trifft. (© 2017 Larisa-K/Pexels)

Profi-Tipps für Schwarz-Weiß-Fotografie

Schwarz-Weiß-Fotografie ist ein Spiel mit Licht und Schatten. Grundsätzlich können Sie alle Bilder in dieser Art aufnehmen. Mit diesen Tricks knipsen Sie aber sogar ausdrucksstärkere Bilder, als Sie es in Farbe könnten:

Weniger ist mehr

Farbe zieht den Blick an. Ohne diese müssen Sie mit Formen, Konturen und Hell-Dunkel-Gegensätzen arbeiten. Damit diese auch wirken können, hilft es, wenn sich weniger Dinge auf dem Foto befinden. Möchten Sie eine Person fotografieren, hilft es, diese vor einem einfarbigen Hintergrund zu platzieren. Das kann eine helle Wand aber auch ein grauer Himmel sein. Ein Überfluss an Mustern lenkt den Blick des Betrachters hingegen zu sehr ab.

Porträt in Schwarzweiß
Schöne Einsamkeit: Nichts lenkt den Blick vom eigentlich Motiv ab. (© 2017 Craig Dennis/Thinkstock)

Auf Schatten achten

Schatten verleihen Tiefe. In der Farbfotografie werden sie eher vermieden, in der Schwarz-Weiß-Fotografie machen sie ein Bild oft erst interessant – und sollten deshalb bewusst eingesetzt werden. Bei Porträts heben Schatten meist die Falten hervor und erzählen so eine ganz eigene Geschichte. Wird hingegen eine Landschaft oder auch eine Stadt fotografiert, bestimmen Schatten die Stimmung auf dem Bild: Liegt etwa vieles im Dunkeln, wirkt das Foto oft bedrohlich.

Klare Abgrenzung schaffen

Grau auf Grau? Keine gute Idee in der Schwarz-Weiß-Fotografie. Um das Motiv klar zu definieren und ein ausdrucksstarkes Bild zu erhalten, sollten Sie darauf achten, dass sich das Motiv klar vom Hintergrund abhebt. Dazu gehört auch die richtige Fokussierung: Mehr noch als bei der Farbfotografie bestimmt die Schärfe auf schwarz-weißen Bildern, worauf der Blick fällt. Wenn Sie eine Person oder ein kleines Objekt fotografieren, ist es daher besser, wenn Sie nur das konkrete Motiv scharf stellen. Dazu öffnen Sie die Blende der Kamera möglichst weit und stellen einen Wert unter f/5.6 ein. So wird nur der Fokus-Punkt scharf gestellt. Bei Landschaftsbildern oder Fotos, die eine gleichmäßige Schärfe erfordern, kann die Blende ruhig weiter geschlossen, also auf einen Wert über f/5.6 gestellt sein.

“Du hast den Farbfilm vergessen…”

Mitnichten! Denn Schwarz-Weiß-Fotografie ist keine Notlösung. Im Gegenteil, sie erlebt schon seit einiger Zeit eine Renaissance. Kein Wunder, durch ihr Spiel mit Licht und Schatten schafft sie ganz besondere Fotos, manchmal ganz zart und manchmal auch viel kraftvoller als Farbe es könnte. Besonders wenn die Sonne mal hinter ein paar Wolken verschwindet, werden Sie überrascht sein, wie viel schöner Fotos werden können, wenn die Farbe fehlt. Dann ist ein grauer Himmel auch längst kein Grund mehr, die Kamera in der Tasche zu lassen.

Starwars Schwarzweiß
Wo ohnehin keine Farben im Spiel sind, sorgt die Schwarz-Weiß-Fotografie für schönere Kontraste. (© 2017 Daniel Cheung/Pexels)

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